Bundestrainer in der Kritik

Umfrage: Nur 12 Prozent sehen in Löw noch den richtigen Mann

Nach der 0:6-Pleite gegen Spanien schwindet immer mehr das Vertrauen in Joachim Löw. Das DFB-Präsidium gibt dem Bundestrainer knapp zwei Wochen Zeit: Dann soll Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff die Analyse-Ergebnisse der sportlichen Leitung präsentieren.

Lesezeit: 2 Minuten
Joachim Löw
Das DFB-Präsidium gibt Bundestrainer Joachim Löw knapp zwei Wochen Zeit.
Foto: Daniel Gonzales Acuna/dpa

Frankfurt/Main (dpa) – Mehr als drei Viertel der Fußballfans sind einer Umfrage für das Nachrichtenportal „t-online“ zufolge nicht mehr von Joachim Löw als Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft überzeugt.

Oliver Bierhoff
Soll eine Analyse der Krise um das Team von Bundestrainer Joachim Löw präsentieren: Oliver Bierhoff.
Foto: Alex Grimm/Getty Images Europe/DFB/dpa

Auf die Frage, „Ist Jogi Löw aus Ihrer Sicht noch der richtige Trainer, um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zurück zum Erfolg zu führen?“, antworteten 77,7 Prozent von 1045 durch das Meinungsforschungsinstituts Civey befragten Personen mit „Nein“ oder „Eher nein“. Nur zwölf Prozent fanden, dass Löw auch zukünftig der richtige Mann für das Amt sei. 10,3 Prozent waren unentschieden.

Die Krisenbewältigung um Löw dauert mindestens noch bis zum 4. Dezember an. An dem Tag soll Oliver Bierhoff als Direktor für die Nationalmannschaften dem Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Ergebnisse einer Analyse zum Zustand der deutschen Elite-Kicker nach dem historischen 0:6 gegen Spanien präsentieren. Das berichtete die „Bild“ nach einer Schalte des höchsten DFB-Gremiums.

Laut „Frankfurter Allgemeiner Zeitung“ soll aber auch „innerhalb des Präsidiums inzwischen erhöhter Gesprächsbedarf – in eigener Sache – bestehen. Demnach würden Teile des Gremiums Präsident Fritz Keller (63) einen Schlingerkurs und eine mangelnde Kommunikation nach der Niederlage in Sevilla am vergangenen Dienstag vorwerfen.

In Sachen Aufarbeitung habe sich das DFB-Präsidium aber auf eine gemeinsame Linie geeinigt, hieß es bei der FAZ. Die „Bild“ schrieb von einer Aussprache, die „sehr sachlich“ gewesen sei.

Nun ist es aber erstmal an Löw, der sich in seine badische Heimat zurückgezogen hat, zusammen mit Co-Trainer Marcus Sorg, Torwart-Coach Andreas Köpke und Bierhoff neben dem Ist-Zustand auch den Soll-Zustand zu analysieren und zu erklären. Die Verantwortlichen für die Mannschaft müssen das Präsidium letztlich davon überzeugen, wie sie das Team wieder zu einer Erfolgseinheit formen wollen, um im Sommer kommenden Jahres das erklärte Ziel Halbfinale bei der EM zu erreichen.

„Einen Freifahrtschein für Jogi Löw gibt es nicht“, zitierte die „Bild“ einen namentlich nicht genannten Teilnehmer der Schalte. Er werde sich sehr genau anhören, wie Löws Rückblick aussehe und welche Perspektive er dem DFB-Präsidium mit Blick auf die EM 2021 aufzeige. Dazu gehöre auch die Frage, ob es mehr erfahrene Spieler im Kader brauche, die das Kommando übernehmen würden – „gerade dann, wenn es mal nicht gut läuft“. Dabei geht es vor allem um die Ausmusterung der Ex-Weltmeister Mats Hummels, Thomas Müller und Jérôme Boateng.

Ob es nach der Sitzung Anfang kommenden Monats eine Abstimmung über Löws Zukunft geben wird, sei unklar, schrieb die „Bild“. Dass Bierhoff die Situation erklären soll, liege daran, dass das DFB-Präsidium dem Bundestrainer einen weiteren Auftritt ersparen wolle.

Nur drei Tage nach der ohnehin anberaumten Präsidiumssitzung wird am 7. Dezember die WM-Qualifikation ausgelost. Erst Mitte März wird der Bundestrainer seinen Kader wieder zusammenrufen können, um dann zum letzten Mal vor dem EM-Trainingslager mit seinen Nationalspielern arbeiten zu können.

© dpa-infocom, dpa:201120-99-409382/9