Archivierter Artikel vom 25.02.2020, 04:44 Uhr
Volkmarsen

Motiv weiter unklar

Tatverdächtiger in Volkmarsen war nicht alkoholisiert

Mehr als 50 Menschen werden verletzt, als ein Mann mit seinem Auto in einen Karnevalsumzug fährt. Viele Kinder sind betroffen. Die große Frage ist nun: Was war das Motiv des Fahrers?

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Volkmarsen
Polizisten, Feuerwehrleute und Passanten stehen an der Stelle, an der das Auto in eine Menschenmenge gefahren war.
Foto: Elmar Schulten/XinHua/dpa

Frankfurt/Main/Volkmarsen (dpa) – Der Mann, der am Montag mit einem Auto in der nordhessischen Stadt Volkmarsen in eine Menschenmenge gefahren ist, war nicht alkoholisiert. Ob er unter Drogeneinfluss gestanden habe, steht noch nicht fest.

Ermittlungen
Ein 29-Jähriger war mit einem Auto in die feiernde Menschenmenge gefahren.
Foto: Swen Pförtner/dpa

Das sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag. Bislang sei der Mann nicht vernehmungsfähig.

Auto fährt in Karnevalszug
Der Tatort wird weiter untersucht.
Foto: Swen Pförtner/dpa

Der 29-Jährige war in der nordhessischen Stadt mit einem Auto in einen Rosenmontagszug gefahren. Die Zahl der Verletzten stieg bis zum frühen Nachmittag auf fast 60. Auch der Fahrer zog sich den Angaben zufolge Verletzungen zu. Der Mann wurde vorläufig festgenommen. Das Motiv des deutschen Staatsbürgers, der aus Volkmarsen kommt, ist noch unklar. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Auto fährt in Karnevalsumzug
Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts.
Foto: Swen Pförtner/dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigt sich „tief erschüttert“ über den Vorfall. „Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Ich wünsche den Verletzten von Herzen eine vollständige Genesung“, sagte er laut einer Mitteilung vom Dienstag auf Facebook. Steinmeier dankte zudem den Helfern: „Mein Dank gilt den Einsatzkräften vor Ort.“

Der Tatort in Volkmarsen wurde am Dienstag wieder freigegeben. Die Straße in der Innenstadt werde noch gereinigt und sei dann wieder für Fußgänger und Autofahrer nutzbar, sagte ein Polizeisprecher vor Ort.

Bei dem Vorfall wurden mehrere Dutzend Menschen verletzt, darunter viele Kinder. Bis zum frühen Dienstagnachmittag stieg die Zahl der Verletzten auf fast 60. Das Polizeipräsidium bat auch Verletzte, die nicht in ärztlicher Behandlung waren, sich zu melden. Am Dienstagmittag befanden sich noch 35 Menschen in stationärer Behandlung, wie die Polizei in Kassel mitteilte. Weitere wurden demnach ambulant behandelt. Die Zahl der verletzten Kinder liege bei 18, das jüngste sei drei Jahre alt. Wie stark die Kinder verletzt sind, war zunächst unklar.

Ein sogenanntes Gaffervideo hatte am Montag auch zu einer zweiten Festnahme geführt. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sagte, gegen den Festgenommenen werde wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen“ ermittelt. Ob es darüber hinaus einen Zusammenhang zu dem Vorfall gegeben habe, müsse noch ermittelt werden.

Noch am späten Montagabend hatte die Polizei vor dem Verbreiten angeblicher Fotos des Täters gewarnt. „Bei der abgebildeten Person handelt es sich definitiv nicht um den Täter“, schrieb die Polizei Nordhessen bei Twitter. „Teilen Sie keine Falschnachrichten!“, hieß es. Dazu stellte sie ein Bild, auf dem mehrere Menschen zu sehen sind, die neben einem Auto stehen. Ihre Gesichter wurden unkenntlich gemacht. Es würden derzeit Fotos kursieren, die angeblich die Festnahme des Täters zeigen sollen, hieß es in dem Tweet.

Die Karnevalisten in Hessen sagten eine Reihe geplanter Umzüge für Dienstag ab – viele hielten jedoch auch an ihren Plänen fest. Es gebe keine konkreten Hinweise darauf, dass sich die Gefährdungslage für die noch geplanten Umzüge im Land erhöht habe, teilte das hessische Innenministerium mit. Die Veranstalter der Umzüge wurden jedoch nachdrücklich dazu aufgefordert, ihre Sicherheitskonzepte nochmals zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen.