Archivierter Artikel vom 06.12.2019, 07:18 Uhr

Proteste gegen Rentenreform

Streiks in Frankreich gehen in neue Runde

In Frankreich bleibt das Reisen kompliziert. Wegen eines großen Streiks gegen die geplante Rentenreform kommt es zu massiven Behinderungen.

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Zusammenstoß
Polizisten und Demonstranten stoßen in der Pariser Innenstadt zusammen.
Foto: Julien Mattia/Le Pictorium Agency via ZUMA/dpa

Paris (dpa). Reisende müssen sich auch heute in Frankreich wieder auf Behinderungen im Nah- und Fernverkehr sowie auf Flughäfen einstellen. Grund sind massive Streiks gegen die geplante Rentenreform, die am Donnerstag begonnen und den öffentlichen Verkehr im Land fast komplett lahmgelegt hatten.

Generalstreik in Frankreich
Polizisten formieren sich in Paris inmitten einer dichten Rauchwolke.
Foto: Rafael Yaghobzadeh/AP/dpa

Die französische Staatsbahn SNCF rechnet mit eine starken Störung des Verkehrs. Von zehn TGV-Hochgeschwindigkeitszügen werde lediglich einer fahren, der Verkehr mit TER-Regionalzügen sei auf 30 Prozent des normalen Aufkommens reduziert, teilte die Bahngesellschaft mit. Auch Verbindungen in die Nachbarländer wie beispielsweise Deutschland seien weiter stark eingeschränkt.

Generalstreik in Frankreich
Bei den Demonstrationen gegen die geplante Rentenreform in Frankreich kam es zu Ausschreitungen.
Foto: Thibault Camus/AP/dpa

Die Rentenreform ist das Vorzeigevorhaben von Staatschef Emmanuel Macron. Seine größte Kontrahentin, die Rechtspopulistin Marine Le Pen, forderte bereits ein Referendum zu dieser umstrittenen Reform. Am Donnerstag waren Hunderttausende Menschen im ganzen Land auf die Straße gegangen. Etliche Lehrer traten in den Ausstand. Auch in Teilen des öffentlichen Dienstes, in Krankenhäusern und Justizstellen wurde die Arbeit niedergelegt. Bei einer Demonstration in Paris kam es am Rande zu Krawallen.

Demonstration gegen Rentenreform
Protest in Paris: Ein Skelett in einer Richterrobe und einem Schild mit der Aufschrift «Macron hat mich getötet».
Foto: Michel Euler/AP/dpa

Die französische Zivilluftfahrtbehörde Direction Générale de l'Aviation Civile (DGAC) rief die Airlines auf, ihr Flugaufkommen am Freitag um ein Fünftel zu vermindern. Betroffen sind die internationalen Hauptstadt-Flughäfen Charles de Gaulle und Orly, der außerhalb von Paris gelegene Flughafen Beauvais sowie Lyon, Marseille, Toulouse und Bordeaux.

Geschlossen
Die geschlossene Metro-Station «Opéra» in Paris.
Foto: Christian Böhmer/dpa

In der französischen Hauptstadt wird der öffentliche Nahverkehr weiter bestreikt. Der Betreiber RATP kündigte an, dass zehn Metro-Linien komplett geschlossen bleiben. Vier Linien sollten nur in den Stoßzeiten eingeschränkt fahren. Die automatisch betriebenen Linien 1 und 14 sollten demnach in normaler Taktung fahren. Auch für die RER-Regionalzüge im Großraum Paris wurden starke Einschränkungen angekündigt.

Protest in Frankreich
Demonstranten tragen ein Plakat mit der Aufschrift «Battre Macron en Retraite» (sinngemäß: «Macron zum Rücktritt zwingen»).
Foto: David Vincent/AP/dpa

Die Mitte-Regierung von Premier Édouard Philippe will mit der Rentenreform die Zersplitterung in 42 Einzelsysteme für bestimmte Berufsgruppen beenden. Sonderregeln, die von anderen oft als Privilegien gewertet werden, gibt es zum Beispiel für Eisenbahner oder Mitarbeiter der Energiewirtschaft. So können Lokführer theoretisch mit Anfang bis Mitte 50 in Rente gehen. Das normale Renteneintrittsalter liegt bei 62 Jahren. Künftig soll ein Punktesystem die Höhe der Rente mitbestimmen. Außerdem will die Regierung Anreize geben, länger zu arbeiten.