Archivierter Artikel vom 27.10.2014, 06:00 Uhr

Schwanger werden von „Helden“

Nicht nur junge Männer schließen sich dem IS-Terror an. Auch Mädchen und Frauen brechen nach Syrien und in den Irak auf. So reagierte Österreich schockiert, als bekannt wurde, dass sich die bosnisch-stämmigen jungen Frauen Sabina S. (15) und Samra K. (17) nach Syrien aufgemacht haben. Was bewegt Frauen überhaupt, sich der Terrormiliz anzuschließen?

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Wie viele Frauen schließen sich den IS-Kämpfern an?

Weibliche IS-Anhänger aus dem Westen sind bislang in der Minderzahl. In Deutschland sind nach Angaben des Islamwissenschaftlers Marwan Abou-Taam vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz bisher rund ein Dutzend Fälle bekannt. Aus Sicht des Berliner Islamismus-Experten Ahmad Mansour hingegen sind insgesamt 15 bis 20 Prozent der Deutschen, die sich in den „Heiligen Krieg“ aufmachen, weiblich.

Warum ziehen Frauen überhaupt in den Dschihad?

Manche begleiten ihre Ehemänner nach Syrien oder in den Irak. Andere werden selbst aktiv und folgen ideologischen Aufrufen und Videos im Netz. Der Krieg wird dabei romantisiert. „Da werden nicht nur zerstörte Häuser und Blut gezeigt, sondern eine perfekte islamische Welt mit Kindergarten und so weiter“, erklärt Mansour. Die Unterstützung des Dschihad wird als religiöse Pflicht betont – und zwar nicht durch den Kampf an der Front, sondern durch Verwaltungs- oder Missionierungsaufgaben oder den Einsatz bei der Sittenpolizei. „Sie sollen das Kalifat bevölkern und sich den Männern zur Verfügung stellen“, erklärt Abou-Taam. Vor allem jüngere Mädchen glorifizierten die IS-Kämpfer zudem als perfekte Männer. „Sie wollen schwanger werden von Helden“, sagt Abou-Taam.

Wie werden junge Frauen zu radikalen Islamistinnen?

Dahinter stehen häufig Orientierungslosigkeit und Sinnsuche. Der IS verspricht den Mädchen eine Aufgabe und einen strukturierten Alltag. Die Hinwendung zur Terrormiliz kann auch Rebellion gegen die Familie sein. „Frauen, die in einer patriarchalischen Kultur aufgewachsen sind, dürfen meist wenig, ihre Brüder fast alles“, sagt Mansour. Sie wollten sich lieber der IS-Ideologie unterordnen als ihrem Bruder oder Vater.

Was erwartet die Mädchen vor Ort?

Die Reise in den Dschihad endet meist in Zwangsheirat und Missbrauch. „Sie werden heiraten müssen, da wird keine Frau allein bleiben“, sagt Mansour. Die Chance auf Rückkehr ist gering. „Für Frauen ist das endgültig, die können sich nicht ohne Männer bewegen, müssen sich den Männern unterordnen, einen bestimmten Kleidungsstil pflegen. Und damit rechnen, dass ihre Männer nicht nur eine oder zwei, sondern auch vier Frauen heiraten. Wenn sie einen Mann haben, gehören sie diesem Mann.“