Archivierter Artikel vom 07.02.2021, 05:46 Uhr

Chaos auf Straße und Schiene

Schneesturm fegt über Deutschland – Meterhohe Verwehungen

Der Wind peitscht, der Schnee türmt sich auf: Ein winterlicher Sturm zieht über die Mitte Deutschlands hinweg. Besonders auf den Straßen und den Schienen bereitet das Probleme. Verkehrsminister Scheuer hat einen Rat für Montag.

Schneepflug
Eine Straßenbahn mit Schneepflug der Magdeburger Verkehrsbetriebe befreit die Gleise von Schnee und Eis.
Foto: Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin (dpa). Dutzende festhängende Lastwagen, eine Befreiungsaktion aus einer Schwebebahn und große Probleme im Bahnverkehr: Ein heftiger Schneesturm hat in Teilen Deutschlands für Verkehrschaos gesorgt.

Winterwetter in Mecklenburg-Vorpommern
Fahrzeuge des Winterdienstes räumen die teilweise zugewehte Bundesstraße 96.
Foto: Jens BŸttner/dpa-Zentralbild/dpa

Es fielen mancherorts mehr als 30 Zentimeter Schnee, dazu kamen meterhohe Verwehungen. Polizei und Feuerwehr fuhren zahllose Einsätze. Bei der Bahn kam es im Regional- und Fernverkehr zu großen Einschränkungen. Auch Fußballspiele wurden abgesagt. Und nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war es das noch nicht.

Eisig
Eine dicke Eisschicht hat sich bei Temperaturen von rund minus fünf Grad auf einer Treppe zu einem Schiffsanleger an der Seebrücke von Gšöhren gebildet.
Foto: Jens BŸttner/dpa-Zentralbild/dpa

Der heftige Wintereinbruch brachte die Räumdienste etwa in Nordrhein-Westfalen an ihre Grenzen. Die Polizei musste spiegelglatte Autobahnen sperren, es gab Hunderte Unfälle, bei der Bahn fielen Züge wegen vereister Oberleitungen aus. Busse standen vielerorts still. Autos blieben in tiefen Schneewehen stecken.

Magdeburg
In der Innenstadt von Magdeburg liegt hoher Schnee.
Foto: Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa

Das für den Abend geplante Spiel der Fußball-Bundesliga zwischen Arminia Bielefeld und Werder Bremen wurde abgesagt. Der Platz sei nicht bespielbar, hieß es von der Deutschen Fußball Liga. Auch die Zweitliga-Partie Paderborn gegen Heidenheim wurde nicht gespielt.

Allein im Schnee
Ein Mann läuft über einen verschneiten Acker auf der Insel Rügen. Starker Wind sorgt auch hier im Norden für Schneeverwehungen.
Foto: Jens BŸttner/dpa-Zentralbild/dpa

In Wuppertal befreiten Einsatzkräfte sechs Menschen aus einer Schwebebahn. Die Bahn konnte nach Angaben der Feuerwehr durch das eisige Wetter nicht mehr fahren und blieb stehen. Die Fahrgäste wurden mit Drehleitern aus luftiger Höhe befreit und blieben unverletzt. Wegen der großen Schneemassen stürzte außerdem in Hagen ein Zirkuszelt ein. 13 Tiere wurden gerettet.

Winterdienst
Zwei Räumfahrzeuge des Winterdienstes fahren auf der Autobahn A12 in Brandenburg.
Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Der Lastwagenverkehr kam in Osthessen schon in der Nacht zum Sonntag zeitweise zum Erliegen. Mehr als 55 Sattelzüge konnten dort aufgrund der glatten Fahrbahn und ihres Gewichts die Steigungen nicht überwinden.

Unfall
Ein Fahrzeug liegt auf der verschneiten Autobahn 2 bei Oelde im Graben.
Foto: Marcel Kusch/dpa

Die Einschränkungen im Bahnverkehr waren teils massiv: Zwischen Hamburg und Nordrhein-Westfalen sowie zwischen Hamburg und Hannover etwa verkehrten keine Züge. Zwischen Hamburg und Berlin komme es zu Einschränkungen, teilte die Deutsche Bahn auf ihrer Internetseite mit. Der Bahnverkehr wird auch am Montag deutlich eingeschränkt sein.

Osnabrück
Zwei Menschen gehen mit eingezogenen Köpfen durch starken Schneefall mit Windböen vor dem Osnabrücker Hauptbahnhof.
Foto: Jonas Walzberg/dpa

Am Sonntagnachmittag erklärte die Bahn, die verschärfte Wetterlage verursache derzeit im Bahnknoten Erfurt weitere Einschränkungen im Fernverkehr. Es fuhren demnach keine Züge von Frankfurt/Main und Kassel in Richtung Osten. Auf der Verbindung Halle/Leipzig/Magdeburg komme es weiter zu Ausfällen der Fernverkehrslinien. „In Niedersachsen, Bremen und insbesondere im Großraum Hannover gibt es keine Entspannung der Lage“, hieß es weiter. Für gestrandete Reisende stellte die Bahn sogenannte Aufenthaltszüge auf – zum Aufwärmen.

Winterwetter in Berlin
Eine Straßenbahn fährt in Berlin durch den Schnee.
Foto: Kira Hofmann/dpa-Zentralbild/dpa

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) riet den vom Schneechaos betroffenen Menschen in Deutschland, am Wochenbeginn besser zu Hause zu bleiben. Man könne nicht garantieren, im Laufe des Montags den Bahnverkehr wieder zum Laufen zu bekommen, sagte Scheuer nach einer Lagebesprechung am Sonntag bei „Bild live“. Der Wind mache „megamäßig“ Probleme, vor allem mit Schneeverwehungen. Betroffen seien auch die Autobahnen und die Bahn. Das heiße: in Absprache mit dem Arbeitgeber „lieber zu Hause bleiben“, so der Minister.

Autobahn
Die Fahrbahn kaum zu erkennen: Ein Auto fährt im Schneesturm über die Autobahn A7 bei Laatzen.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Tief „Tristan“ über Mitteleuropa und dem zentralen Mittelmeer bringt im Zusammenspiel mit Hoch „Gisela“ über Skandinavien weitere eisige Luft. „Nach dem schnee- und windreichen Wochenende kommt nun aus Osten die große Kälte auf uns zu“, sagte Meteorologe Simon Trippler vom DWD am Sonntag. Mit Schnee muss weiter gerechnet werden, allerdings fällt dieser nicht mehr so intensiv wie am Wochenende.

Zugausfälle
Ein Mann steht am Hauptbahnhof Hagen vor der Anzeigetafel, auf der zahlreiche Züge als ausgefallen und verspätet angekündigt sind.
Foto: Jonas Güttler/dpa

Am Dienstag lassen die Schneefälle dann größtenteils nach, außer an der Küste. Für die Nächte sagen die Meteorologen klirrende Kälte vorher, häufig mit strengem Frost unter minus zehn Grad. Lokal seien insbesondere über Schneeflächen bis zu minus 20 Grad „gut möglich“.

Räumfahrzeug
Ein Räumfahrzeug fährt über eine Brücke über die Autobahn A7.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

© dpa-infocom, dpa:210207-99-334005/12

Schnee
Mancherorts kam es zu heftigem Schneefall. Hier in der Region Hannover befreit ein Anwohner den Gehweg vor seinem Haus vom Schnee.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Unwetterwarnung

Gassi
Spaziergang bei Schneesturm: Dieser Mann führt seinen Hund im niedersächsischen Ingeln-Oesselse aus.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Infos der Bahn