Archivierter Artikel vom 17.04.2020, 09:54 Uhr

Folgen der Corona-Krise

Schäuble bringt Verkürzung der Sommerferien ins Spiel

Die Sommerferien verkürzen, um den wegen der Corona-Pandemie ausgefallenen Unterricht teilweise nachzuholen – klingt eigentlich plausibel. Das findet auch Bundestagspräsident Schäuble. Die zuständigen Länder-Kultusminister sehen das anders.

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Leeres Klassenzimmer
Seit Wochen stehen die Klassenzimmer in Deutschland leer.
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Berlin (dpa). Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat eine Verkürzung der Sommerferien ins Gespräch gebracht, dafür aber umgehend eine Absage aus vielen Ländern erhalten.

„Bis auf Ausnahmen bleiben die Schulen noch einige Zeit geschlossen. Daher frage ich mich, ob die Verantwortlichen in den Ländern darüber nachdenken, die Schulferien in der Sommerzeit etwas zu verkürzen“, sagte Schäuble der „Augsburger Allgemeinen“ (Freitag). Ein solcher Schritt böte Schülern die Gelegenheit, den durch die Corona-Pandemie versäumten Stoff nachzuholen. Stellvertretend für viele Kultusminister lehnte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) den Vorstoß als „nicht sinnvoll“ ab.

Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig (SPD), sagte der Deutschen Presse-Agentur, in der KMK gehe es jetzt darum, wie der Wiedereinstieg an den Schulen stufenweise gestaltet werde. Es sei Sache der einzelnen Länder, die Frage kürzerer Sommerferien für sich zu klären. Für ihr Land „steht eine Verkürzung der Sommerferien derzeit nicht zur Diskussion“, sagte die rheinland-pfälzische Kultusministerin.

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte ebenfalls, in ihrem Land würden die Sommerferien nicht verkürzt. Solche Erwägungen gebe es in ihrem Ministerium nicht.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich persönlich möchte an die Ferien nicht rangehen. Wichtig ist es, sich um die anliegenden Aufgaben zu kümmern und Eltern und Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu unterstützen.“

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) hält es noch zu früh für eine Entscheidung. „Ich will das jetzt nicht bewerten. Es gibt Gründe dafür und auch Gründe dagegen“, sagte er in Dresden.

„Keine Lösung“ – so lautete die Reaktion von Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). „Eine Verkürzung der Sommerferien steht bei uns nicht zur Debatte. Ein solcher Schritt würde auch vor dem Hintergrund zahlreicher privater Pläne von Familien und Lehrkräften viele Diskussionen und Unruhe auslösen und letztlich mehr Probleme schaffen als lösen“, sagte sie der dpa.

Auch in Schleswig-Holstein hieß es, eine Verkürzung oder Verschiebung der Ferien stehe für das Bildungsministerium derzeit nicht zur Debatte. Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte der dpa: „Wir führen derzeit keine Debatte über die Sommerferien.“ Schüler, Lehrer und Unternehmen bräuchten Planungssicherheit. Zwar werde über freiwillige Angebote diskutiert. „Aber eine generelle Verkürzung oder Verschiebung steht nicht an.“

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) betonte, sein Land sei ein Tourismusland. „Die schon jetzt gebeutelte Branche hätte ein noch kürzeres Zeitfenster Umsätze zu generieren. Damit würde eine Erholung von der Corona-Krise nochmals erschwert.“ Ein Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums sagte: „Eine Sommerferiendebatte zu führen, ist nicht hilfreich und erhöht nicht die Planungssicherheit.“

Kritik kam auch von Lehrerverbänden wie dem VBE: „Schäubles Vorschlag bringt zum jetzigen Zeitpunkt Unruhe, löst aber keines der eigentlichen Probleme“, sagte der Bundesvorsitzende Udo Beckmann.

Ebenfalls ablehnend reagierte der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft: „Unternehmen wie Bürger brauchen Verlässlichkeit und Planbarkeit statt weiterer Verunsicherung durch eine völlig unnötige und unverantwortliche Diskussion, die der Bundestagspräsident heraufbeschwört“, sagte Generalsekretär Michael Rabe.