Archivierter Artikel vom 01.11.2010, 19:50 Uhr

RZ-KOMMENTAR: Besser spät als zu spät

Und wieder wird weltweit ganz schnell reagiert: Auch die Bundesregierung will nach den vereitelten Paketbomben-Anschlägen Luftfracht stärker unter die Lupe nehmen. Terrorzellen im Jemen sind als Hauptverdächtige ausgemacht.

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Und wieder wird weltweit ganz schnell reagiert: Auch die Bundesregierung will nach den vereitelten Paketbomben-Anschlägen Luftfracht stärker unter die Lupe nehmen. Terrorzellen im Jemen sind als Hauptverdächtige ausgemacht.

Auch andere Länder, in denen El Kaida ihre Netzwerke webt, sollen auf eine schwarze Liste gesetzt werden. Das Ganze dann noch auf europäischer Ebene harmonisiert und mit den USA abgestimmt – und die Welt ist wieder ein Stück sicherer geworden. Oder doch nicht?

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Alle jetzt eingeleiteten Maßnahmen zur Terrorabwehr sind richtig und wichtig. Man stelle sich nur einmal vor, das über Deutschland weiter verschickte Sprengstoffpaket wäre im Landeanflug auf den Flughafen Köln/Bonn explodiert. Es wäre blauäugig, nur weil es sich nicht um einen gezielten Anschlag gegen die Bundesrepublik gehandelt haben mag, die Hände in den Schoß zu legen. Nur jetzt urplötzlich aufzuschrecken und so zu tun, als sei man von Sicherheitslücken bei der Luftfracht überrascht worden, ist nicht minder heuchlerisch. Denn seit Jahren legen Terrorismusexperten den Finger genau in diese Wunde. Nur weil die Gefahr bislang nicht als real existierend wahrgenommen werden konnte, heißt das nicht, dass die Bedrohung nicht schon längst vorhanden war. Nach verschärften Sicherheitskontrollen bei Flugreisenden suchen Terroristen mit Sicherheit nach anderen Wegen, global Angst und Schrecken zu verbreiten. Dass sich eine Person mit versteckten Waffen oder gefährlichen Substanzen Zugang zu einer Maschine verschafft, gehört gewiss nicht mehr zu den Hauptlektionen im aktuellen Terror-Handbuch.

Doch besser spät als zu spät. Auch wenn das immens hohe Luftfrachtaufkommen und wirtschaftliche Zwänge, unter denen die Logistikunternehmen im internationalen Wettbewerb stehen, eine lückenlose Kontrolle schier unmöglich machen, dürfen die Anstrengungen nicht an den Kosten scheitern. Auch wenn Terroristen möglicherweise die Flugpläne längst beiseitegelegt haben.

E-Mail: markus.kratzer@rhein-zeitung.net