Archivierter Artikel vom 27.03.2013, 07:00 Uhr
Mainz

Rückblick: Wie das Zweite auf den Lerchenberg kam

„Lerchenberg“ heißt die Sitcom, in der sich das ZDF zum 50. Geburtstag selbst auf die Schippe stimmt. Der Name des Mainzer Stadtteils steht als Synonym für eine der größten Sendeanstalten Europas: Mainz ist das ZDF, und das ZDF ist Mainz.

Franz Huch, der erste ZDF-Verwaltungsdirektor
Franz Huch, der erste ZDF-Verwaltungsdirektor
Foto: ZDF

Am Zustandekommen dieser heute selbstverständlichen Konstellation hat Franz Huch, der erste ZDF-Verwaltungsdirektor, mitgewirkt. Sein Sohn Wolfgang Huch kann mit Erinnerungen an damals aufwarten. „In seiner Verantwortung lag die Anmietung vieler Immobilien in Mainz, in denen die Verwaltung zunächst untergebracht wurde“, erzählt der gebürtige Koblenzer.

Als Aufenthaltsraum für die Ansagerinnen diente im ZDF-Studio Eschborn im Jahr 1963 dieser Wohnwagen. Hier lernten Edelgard Stößel (links) und Viktoria Voncampe ihre Texte auswendig und vertrieben sich die Zeit zwischen den Ansagen.
Als Aufenthaltsraum für die Ansagerinnen diente im ZDF-Studio Eschborn im Jahr 1963 dieser Wohnwagen. Hier lernten Edelgard Stößel (links) und Viktoria Voncampe ihre Texte auswendig und vertrieben sich die Zeit zwischen den Ansagen.
Foto: ZDF/Georg Meyer-

Denn das eine Million Quadratmeter große Gelände auf dem Lerchenberg, 1964 vom ZDF angeworben, war zunächst eine riesige Baustelle. Erst 1974 konnte das Sendezentrum dort seinen Betrieb aufnehmen. Die Frühgeschichte des Senders war bis dahin eine Aneinanderreihung von Provisorien. Besonders abenteuerlich waren die Zustände am ersten Standort in Eschborn bei Frankfurt, von wo aus das ZDF am 1. April 1963 den Sendebetrieb aufnahm.

„Dort gehörten Gummistiefel zur Alltagsausrüstung der Mitarbeiter, und es mussten Eisenbahnbohlen verlegt werden, damit die Ü-Wagen nicht im Morast versanken“, erinnert sich Wolfgang Huch. 1964 folgte der zwischenzeitliche Umzug nach Wiesbaden, zeitgleich wurde der Lerchenberg hergerichtet.

Lange vor der Sendezentrale zog die Fahrbereitschaft mit Tankstelle und Wagenpark dorthin. „Dafür brauchte es viel Platz. Eine Übertragungseinheit nahm drei große Lkw in Anspruch“, erklärt Wolfgang Huch.

Den Sendestart auf dem Lerchenberg erlebte sein als CDU-nah geltender Vater dagegen nicht mehr auf dem Posten, der nach acht Jahren mit einem SPD-Mann besetzt wurde. Als Beispiel für den Humor, mit dem der Rheinländer diese Entscheidung nehmen konnte, führt sein Sohn den Witz an, den Franz Huch in seiner ersten Pressekonferenz erzählte: „Was ist der Unterschied zwischen einer Irrenanstalt und einer Sendeanstalt? Bei der Irrenanstalt ist wenigstens der Direktor normal.“

An seinen Vater erinnert fühlt sich Wolfgang Huch unterdessen auch jedes Mal erinnert, wenn er die Mainzelmännchen – und speziell Brllenträger Det – im Fernsehen sieht. „Wie es sechs Mainzelmännchen gibt, so bestand damals die Leitung des ZDF aus sechs Hauptverantwortlichen“, erzählt er. Neben Intendant Karl Holzamer und Franz Huch waren das drei weitere Direktoren sowie der Hauptabteilungsleiter Programm. „Von denen war mein Vater der einzige Brillenträger. Deshalb war er natürlich für alle Det.“

Zwar glaubt der Rentner nicht, dass Zeichner Wolf Gerlach beim Entwurf der Figuren tatsächlich die Senderleitung vor Augen hatte, aber dafür präsentiert er eine eigene Version der Namensfindung: „Die Mainzelmännchen hat damals der ,Spiegel’ aufgebracht, um das ZDF durch den Kakao zu ziehen. Das gefiel dem Direktorium aber so gut, dass man gesagt hat: ,Das machen wir zu unserem Markenzeichen.’“

Von unserem Reporter Michael Fenstermacher