Archivierter Artikel vom 06.03.2012, 08:38 Uhr
Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz fordert: Cattenom muss vom Netz

Das Atomkraftwerk Cattenom muss sofort stillgelegt werden: Diese Forderung richten Rheinland-Pfalz, das Saarland und Luxemburg an Frankreich, nachdem ein Stresstest erhebliche Sicherheitsmängel zutage gefördert hat.

Von außen spektakulär, von innen marode: Cattenom spaltet.
Von außen spektakulär, von innen marode: Cattenom spaltet.

Rheinland-Pfalz. Das Atomkraftwerk Cattenom muss sofort stillgelegt werden: Diese Forderung richten Rheinland-Pfalz, das Saarland und Luxemburg an Frankreich, nachdem ein Stresstest erhebliche Sicherheitsmängel zutage gefördert hat.

„Es ist dringend erforderlich, das AKW sofort und so lange abzuschalten, bis notwendige Nachrüstmaßnahmen umgesetzt worden sind“, sagte der saarländische Umweltminister Andreas Storm (CDU). Oberstes Ziel bleibe aber das endgültige Aus für die Atomanlage.

Cattenom ist nur wenige Kilometer Luftlinie von den Grenzen zu Deutschland, Belgien und Luxemburg entfernt. Im ersten Halbjahr 2012 soll es einen Cattenom-Sondergipfel der Großregion geben, zu dem auch der Betreiber des AKW und die französische Atomaufsichtsbehörde ASN eingeladen werden, sagte Storm.

Der Abschlussbericht der Anrainer-Länder zum Stresstest für Cattenom zeigt nach Ansicht des wissenschaftlichen Beobachters Dieter Majer, dass das Kraftwerk ein „enormes Risikopotenzial“ birgt. Die Mängel seien so gravierend, dass ein Weiterbetrieb – oder die bloße Beseitigung der Defizite – nicht zu rechtfertigen sei. Die sicherheitstechnische Auslegung entspreche nicht dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik. Zudem gibt es laut Majer kein Notfallsystem, das alle vier Kraftwerksblöcke einschließt. Die Länder hatten den Bericht des Beobachters in Auftrag gegeben und zudem Experten aus Behörden entsandt, die den Test begleiteten.

„Aus unserer Sicht ist das AKW beim Stresstest durchgefallen“, sagte die rheinland-pfälzische Energieministerin Eveline Lemke (Grüne). Um die Anlagen überprüfen und Mängel beheben zu können, müsse die Atomaufsicht ASN den Meiler in Cattenom mindestens für ein Jahr vom Netz nehmen. „Wir haben nicht nur verrostete Schrauben und Dübel gefunden, sondern Zustände, die als mangelhaft bezeichnet werden müssen“, sagte Lemke.

Nach der Katastrophe von Fukushima war die Sicherheit in allen europäischen Atomkraftwerken unter „Stress-Bedingungen“ überprüft worden. Die Atomaufsicht ASN hatte in Cattenom Mängel entdeckt, darunter Rost an Teilen, Defizite bei der Notstromversorgung und im Kühlungssystem sowie bei der Erdbebensicherheit. Seit Inbetriebnahme 1986 wurden dort gut 750 sicherheitsrelevante Ereignisse registriert.