Archivierter Artikel vom 31.07.2010, 00:00 Uhr

Papier ist geduldiger

Papier lässt sich in geeigneter Umgebung lange lagern, Gedrucktes auch nach Jahrhunderten recht mühelos entziffern. Denn Sprache und Schrift ändern sich nur langsam. In der digitalen Welt sieht das anders aus: Langzeitspeicherung ist eine Wissenschaft für sich. Andrea Hänger und die Mitarbeiter ihres Referats „B 1a – Elektronische Archivierung“ im Koblenzer Bundesarchiv sind Spezialisten in dieser Disziplin und kennen die Probleme…

Joachim Rausch zeigt eine Lochkarte, Urahn der digitalen Datenträger. Sie hat nur noch antiquarischen Wert, die Daten sind längst umkopiert.

Magnus

Magnetbänder, wie hier in den Händen von Referatsleiterin Andrea Hänger, waren lange Zeit wichtigstes Speichermedium: „Damals konnte man in der EDV noch was herzeigen!„

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Gabriele Erben, Mitarbeiterin im Referat B 1a, kennt sich mit dem Robotron Personalcomputer 1715 aus. Er wurde angeschafft, um DDR-Disketten auswerten zu können.

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Willi Valder ist Leiter des Rechenzentrums im Koblenzer Bundesarchiv und Herr über etliche Billionen Zeichen (Terabytes).

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Papier lässt sich in geeigneter Umgebung lange lagern, Gedrucktes auch nach Jahrhunderten recht mühelos entziffern. Denn Sprache und Schrift ändern sich nur langsam. In der digitalen Welt sieht das anders aus: Langzeitspeicherung ist eine Wissenschaft für sich. Andrea Hänger und die Mitarbeiter ihres Referats “B 1a – Elektronische Archivierung„ im Koblenzer Bundesarchiv sind Spezialisten in dieser Disziplin und kennen die Probleme.

Datenträger altern schnell, geeigenete Lesegeräte verschwinden. Auch die Software ist nicht auf lange Zeit angelegt: Datenformate ändern sich und für Programme, die sie lesen können, gibt es irgendwann keine geeigneten Computer mehr.

Doch das Bundesarchiv ist gesetzlich verpflichtet, wichtige Unterlagen von Verfassungsorganen, Behörden und Gerichten des Bundes dauerhaft aufzubewahren und deren Nutzung zu sichern, egal, ob sie auf Papier gedruckt oder auf Festplatte gespeichert sind.

Um diesen Anspruch zu erfüllen, standardisieren die Archive zunächst die Datenformate , damit sie auch noch in Zukunft lesbar sind. Bei dem digitalen DDR-Erbe bedeutete das, alle Daten in den einfachen ASCII-Zeichensatz zu überführen und die oft komplexen Codierungen in schlichtere Formen, komma-separierte-Werte, “CSV„, umzuwandeln.

Datensammlungen müssen ständig auf neuere Datenträger umkopiert werden. Am Ende der Ära von Lochstreifen und Lochkarten kopierte man sie auf große Magnetbänder, diese später auf CDs und Festplatten. Derzeit erleben Bandkassetten ein Comeback, weil sich die Hersteller endlich auf einen Standard (“LTO„) und dessen kontinuierliche Weiterentwicklung geeinigt haben. “Auf eine solche moderne Kassette passen alle unsere DDR-Daten", schmunzelt Andrea Hänger.

Dabei hatte man im Bundesarchiv vor 20 Jahren extra zwei klimatisierte Magazine als Magnetbandlager eingerichtet. Die Kassette von heute könnte man dagegen bequem in eine Hemd- oder Hosentasche stopfen: Geschichte zum Einpacken und Mitnehmen. jo