Archivierter Artikel vom 19.01.2020, 11:04 Uhr

Niederlage gegen Kroatien

„Neue Zielvereinbarung“: Handballer haken EM nicht ab

Nach der bitteren Hauptrunden-Niederlage gegen Kroatien überwiegt auch bei Handball-Bundestrainer Prokop der Frust. Der Coach will die Europameisterschaft aber nicht abschenken. Stattdessen verfolgt er mit der Mannschaft nun ein neues Ziel.

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Christian Prokop
Bundestrainer Christian Prokop war nach der Niederlage gegen Kroatien enttäuscht.
Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Wien (dpa). Handball-Bundestrainer Christian Prokop äußerte sich nach der 24:25-Niederlage gegen Kroatien im zweiten Hauptrundenspiel der EM in Wien.

Das Halbfinale ist nun praktisch nicht mehr zu erreichen. Wie groß ist Ihre Enttäuschung?

Christian Prokop: Wie man ein Spiel verliert, macht einen großen Unterschied. Man kann enttäuscht sein von der eigenen Leistung, man kann nicht alles gegeben haben, man kann mutlos gespielt haben oder zu wenig investiert haben – aber das ist alles nicht der Fall. Mit ein bisschen mehr Cleverness stehen wir wieder mal als Sieger da. Es sollte heute nicht sein. Sicherlich ist das Ergebnis ärgerlich, aber die Leistung der Mannschaft muss an erster Stelle stehen und darauf bin ich stolz.

Wie haben Sie die hitzige Stimmung in der Wiener Stadthalle wahrgenommen?

Prokop: Was sich hier beide Fanlager geliefert haben, war ja Wahnsinn. Da kamen ja die tollsten Erinnerungen an die Spiele der Heim-WM in Köln auch nochmal auf. Ich glaube nicht, dass es eine Energieschwäche war, sondern uns fehlten in der zweiten Halbzeit die Tempotore. Wir hatten nicht das Wurfglück, uns weiter mit Distanz abzusetzen, so dass es gar nicht zu dieser heißen Schlussphase gekommen wäre.

Fehlte Ihrem Team in der Schlussphase der kühle Kopf?

Prokop: Es ist müßig jetzt darüber zu sprechen, ob da der Kopf fehlt. Am Ende ist es entscheidend, ob sie mit Herz spielen. Wir können ja mal rüberschauen zu den Kroaten, wer da alles in der Champions League aktiv ist, was die für Spieler haben – und was meine Mannschaft entgegensetzt. Da kann ich nur den Hut ziehen.

Das Halbfinale ist nun also kaum noch zu erreichen. Haken Sie das Turnier jetzt ab?

Prokop: Das ist erst mal bitter, weil es unser Ziel war, das Halbfinale zu erreichen. Jetzt ist das sehr unwahrscheinlich. Trotzdem ist die EM für uns nicht beendet. Die EM hat einen hohen Stellenwert. Wir haben jetzt noch zwei Spiele gegen starke Gegner. Österreich am Montag wird zu Hause alles dransetzten, das ist für die das Spiel des Jahres gegen Deutschland. Aber das wollen wir uns nicht gefallen lassen, da wollen wir uns auch zeigen. Und ich habe viele junge Spieler drin, die jede Minute nutzen sollen auf diesem Top-Niveau, auch für unsere weiteren Ziele.

Bleibt das Spiel um den fünften Platz in Stockholm ein Ziel?

Prokop: Definitiv.

Wie gehen Sie nach dieser bittere Niederlage mit der Mannschaft um? Lassen Sie die Spieler erstmal in Ruhe?

Prokop: Ich lasse sie nicht alleine, heute müssen schon noch ein paar Worte fallen, sicherlich auch viele positive Worte. Ich werde betonen, dass das EM-Turnier für uns noch nicht zu Ende ist, nur weil wir das Halbfinale praktisch nicht mehr erreichen können. Es wird natürlich auch heute getrauert werden. Aber es wird eine neue Zielvereinbarung geben. Wir wollen einfach diesen Januar nutzen, um unsere Fans auch zu begeistern, um uns selber zu begeistern. Das haben wir jetzt in zwei Spielen geschafft. Ich glaube, vor den Fernsehgeräten haben wir auch wieder viele mitgenommen, und das muss auch in den weiteren Spielen unser absolutes Credo sein.

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