Archivierter Artikel vom 16.06.2019, 04:48 Uhr

Fall Golunow

Neue Großkundgebung in Moskau gegen Polizei-Willkür

Der Druck auf die russische Justiz im Fall des renommierten Reporters Iwan Golunow war beispiellos. Beispiellos ist auch, dass gegen den 36-Jährigen alle Ermittlungen eingestellt wurden. Doch die Moskauer bleiben wachsam und misstrauisch.

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«Ich bin/Wir sind Iwan Golunow»
Unterstützer des Enthüllungsjournalisten Iwan Golunow zeigen in Moskau Zeitungsartikel mit dem Titel «Ich bin/Wir sind Iwan Golunow».
Foto: Dmitri Lovetsky/AP – dpa

Moskau (dpa). Bei einer Großkundgebung in Moskau wollen an diesem Sonntag Tausende Menschen gegen Polizeiwillkür und für freie Medien in Russland demonstrieren. Anlass ist das jüngste Vorgehen der russischen Polizei gegen den Enthüllungsjournalisten Iwan Golunow.

Proteste gegen Polizei-Willkür
Am vergangenen Mittwoch gab es bei den ersten Protesten gegen Polizei-Willkür im Falle des Enthüllungsjournalisten Golunow Dutzende Festnahmen.
Foto: Pavel Golovkin/AP – dpa

Es ist bereits die zweite Demonstration in dieser Woche, diesmal ist sie aber für 20.000 Teilnehmer zugelassen. Bei einer nicht genehmigten Solidaritätskundgebung für den Reporter waren am Mittwoch Hunderte Menschen festgenommen worden.

Polizei in Moskau
Polizisten bilden eine Blockade: Die Festnahme des Enthüllungsjournalisten Iwan Golunow treibt Abertausende Moskauer auf die Straße.
Foto: Pavel Golovkin/AP – dpa

Die Polizei hatte dem 36-Jährigen Drogen untergeschoben, um ihn ins Gefängnis zu bringen. Er hatte mafiöse und korrupte Strukturen in Polizei und Geheimdienstapparat aufgedeckt. Zuvor war der Mitarbeiter des kritischen Internet-Portals Medusa monatelang bedroht worden.

Golunow vor Gericht
Iwan Golunow in einer Zelle im Gerichtssaal. Der renommierte Reporter ist wieder frei und wird nicht angeklagt.
Foto: Dmitry Serebryakov/AP – dpa

Am Dienstagabend kam Golunow nach beispiellosem internationalen Protest überraschend auf freien Fuß. Das Innenministerium ließ die Vorwürfe fallen und ermittelt jetzt gegen eigene Beamte. Kremlchef Wladimir Putin entließ in einem für russische Verhältnisse ungewöhnlichen Schritt zwei Polizeigeneräle.

Solidarität für Golunow
Auf den Titelseiten der russischen Zeitungen «Wedomosti», «Kommersant» und «RBK» (v.l.) protestieren Journalisten mit der Aufschrift «Ich bin/Wir sind Iwan Golunow» gegen die Festnahme des Enthüllungs
Foto: dpa

Zu der Kundgebung unter dem Motto „Gerechtigkeit für alle“ aufgerufen haben Journalistenverbände und Menschenrechtler. Sie kritisieren, dass solche inszenierten Strafverfahren gegen Andersdenkende oder auch in der Geschäftswelt beinahe systematische Züge in Russland trügen. Abgeordnete des russischen Parlaments kündigten an, die Anti-Drogen-Gesetzgebung zu überarbeiten.

Gericht
Iwan Golunow war wegen eines angeblichen Drogendelikts festgenommen worden.
Foto: Evgeny Feldman/meduza.io – dpa

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