Archivierter Artikel vom 23.07.2010, 09:23 Uhr
Wien

Neue Formen der Prävention im Blickpunkt

Gegen eine HIV-Infizierung beim Sex schützt man sich mit Kondomen. Für Männer. Und damit basta. Dass es mittlerweile auch andere Präventionsmethoden gibt, darunter Frauenkondome, männliche Beschneidung und künftig vielleicht auch sogenannte „PrEP's", ist noch weitgehend unbekannt.

Für sie kommt wohl jede Hilfe und neue Methode zu spät: Aids-Kranke
Für sie kommt wohl jede Hilfe und neue Methode zu spät: Aids-Kranke

Wien. Gegen eine HIV-Infizierung beim Sex schützt man sich mit Kondomen. Für Männer. Und damit basta. Dass es mittlerweile auch andere Präventionsmethoden gibt, darunter Frauenkondome, männliche Beschneidung und künftig vielleicht auch sogenannte „PrEP's„, ist noch weitgehend unbekannt.

Die gute Nachricht ist: Viele dieser neuartigen Schutzmechanismen geben endlich den Frauen die Macht, selbst etwas gegen eine Ansteckung mit dem Virus zu unternehmen. Bei der Weltaidskonferenz in Wien ist dies ein großes Thema.

Frauenkondome gibt es bereits seit 15 Jahren, aber Nichtregierungsorganisationen zufolge wird einfach nicht genug in die Verbreitung und die weitere Forschung investiert. „Ich finde es inakzeptabel und völlig unverständlich, dass die Geberländer nicht mehr tun, um einen universellen Zugang zu Frauenkondomen zu gewährleisten“, sagte ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Oxfam.

Der „Schlauch„ mit jeweils einem Ring an jedem Ende, kann bis zu acht Stunden vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt werden – und bietet genauso viel Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft und sexuell übertragbaren Krankheiten wie Männer-Präservative.

Doch „female condoms“ sind noch viel zu teuer und für Frauen in Sub-Sahara-Afrika geradezu unerschwinglich. „Aber gerade in Afrika gibt es viele Männer, die absolut dickköpfig sind, wenn es um den Gebrauch von Kondomen geht„, sagte eine HIV-positive Aktivistin aus Sambia.

Besser vorangetrieben wird da derzeit die männliche Beschneidung in weiten Teilen Afrikas. Unglaublich aber wahr: Durch die Entfernung der Vorhaut verringert sich das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, bei heterosexuellen Männern um 60 Prozent. Dies ergaben Studien in Uganda, Kenia und Südafrika. Die Gründe sind noch nicht gänzlich geklärt, aber es wird vermutet, dass bestimmte Zellen, die unter der Vorhaut leben, ein potenzielles Ziel für eine HIV-Infektion darstellen. „Diese Methode ist aber kein ,natürliches Kondom', sondern muss mit anderen Präventionsmaßnahmen kombiniert werden“, sagt die Weltgesundheitsorganisation.

Fieberhaft geforscht wird derzeit auch an „PrEP's" (Pre-Exposure-Prophylaxis). Dabei geht es darum, Menschen, die nicht mit HIV infiziert sind, bereits vor einer möglichen Ansteckung mit antiretroviralen Medikamenten gegen das Virus zu behandeln. Diese Methode ist aber noch in der experimentellen Phase.