Archivierter Artikel vom 07.10.2010, 08:02 Uhr
Berlin

Nachfolgedebatte ist bereits voll entbrannt

In der Koalition wird bereits heftig debattiert, wer Finanzminister Wolfgang Schäuble bei einem Rückzug aus gesundheitlichen Gründen nachfolgen könnte. Lange Zeit galt der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch als heißester Kandidat. Mittlerweile schließt er aber aus, in die Politik zurückzukehren.

Roland Koch

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J. Rüttgers

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T. de Maizière

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S. Kampeter

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Berlin. In der Koalition wird bereits heftig debattiert, wer Finanzminister Wolfgang Schäuble bei einem Rückzug aus gesundheitlichen Gründen nachfolgen könnte. Lange Zeit galt der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch als heißester Kandidat. Mittlerweile schließt er aber aus, in die Politik zurückzukehren. Hier mögliche Nachfolger im Überblick:

Thomas de Maizière (CDU/56): Der Bundesinnenminister gilt als aussichtsreichster Kandidat. Er war bereits Finanzminister in Sachsen und leitete vor einem Jahr die Arbeitsgruppe Finanzen der Union in den Koalitionsverhandlungen mit der FDP. De Maizière ist ein enger Vertrauter von Kanzlerin Merkel und hat als Chef des Kanzleramts nachgewiesen, dass er große Behörden im Griff hat. Als Schäuble im Mai beim Euro-Krisengipfel in Brüssel ausfiel, schickte Merkel den Rheinländer an den Verhandlungstisch.

Roland Koch (CDU/52): Der Hesse, der sich nach vielen Jahren als Ministerpräsident gerade erst aus der Politik zurückgezogen hat, will in die Wirtschaft gehen. Vor wenigen Tagen erklärte er bei der Vorstellung seines neuen Buches an der Seite der Kanzlerin: „Ich habe mir gut überlegt, aus der Politik auszuscheiden, und ich werde diese Entscheidung nicht korrigieren.“ Er gilt als Finanzfachmann. Einen Rücktritt vom Rücktritt schließen einige politische Beobachter allerdings nicht aus.

Steffen Kampeter (CDU/47): Der frühere Chefhaushälter der Unionsfraktion kam mit Wolfgang Schäuble als parlamentarischer Staatssekretär ins Finanzministerium. Der hemdsärmlige Kampeter hat seinen Minister in den vergangenen Monaten im Bundestag oder in Talkshows oft vertreten.

Der große Vorteil bei der Besetzung des Postens mit Kampeter: Würde Merkel den Westfalen an die Spitze des Ministeriums beordern, könnte sie eine größere Kabinettsumbildung vermeiden und de Maizière im Innenministerium lassen. Allerdings: Kampeter gilt zwar als kompetent, aber wird auch gern von den eigenen Leuten als „regierender Staatssekretär“ verspottet.

Jürgen Rüttgers (CDU/59): Der im Frühjahr in Düsseldorf abgewählte Regierungschef könnte nach Berlin kommen, etwa wenn de Maizière vom Innen- ins Finanzressort wechseln sollte. Als mögliche Innenminister kämen aber auch der Vorsitzende der Unionsfraktion, Volker Kauder, Fraktionsmanager Peter Altmaier sowie der Innenexperte Wolfgang Bosbach oder sogar der Schwiegersohn von Schäuble, Thomas Strobl, der CDU-Generalsekretär in Stuttgart ist, infrage.