Archivierter Artikel vom 15.12.2019, 18:09 Uhr

Kleines Sektlexikon

Shakespeare ist schuld

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Das Wort Sekt haben wir angeblich Shakespeare zu verdanken: Der Legende nach soll der Theaterschauspieler Ludwig Devrient 1825 nach seinem Bühnenauftritt in die Berliner Weinstube Lutter & Wegner eingefallen sein und ausgerufen haben: „Bring er mir Sect, Schurke!“ Das Zitat aus seiner Rolle im Shakespearedrama Falstaff meinte eigentlich trockenen Sherry (englisch „sack“). Der Kellner servierte jedoch gewohnheitsmäßig einen Schaumwein zur Feier des Abends. 1925 wurde der Begriff Sekt für Schaumwein amtlich geregelt, während man in Shakespeares Heimat einen „sparkling“ (auf Deutsch „prickelnd“) bestellt.

Geh ihm an die Gurgel

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Anders als Wein verliert Sekt mit den Jahren an Qualität und sollte daher jung getrunken werden. Während man das Alter bei industriell produzierter Massenware in der Regel nicht erkennt, ist bei Winzersekten das sogenannte Degorgierdatum auf der Flasche ein hilfreicher Hinweis: Es bezeichnet das Ende der zweiten Gärung, bei der Sekt traditioneller Herstellung zusammen mit Hefe in der Flasche reift. Nach dem Entfernen der Hefe, dem Degorgieren, ist der Sekt trinkbereit. Dunkel und kühl gelagert hält er sich bis zu drei Jahren frisch. Einmal geöffnet, haucht Sekt schnell sein Leben aus – selbst ein Silberlöffel verzögert das nicht.

Trinken für die Flotte

Am Sekt verdient der Bund kräftig mit. 2017 spülte der Absatz mit Schaumwein 383,7 Millionen Euro in die Staatskasse, denn für jede verkaufte Flasche fließen satte 1,02 Euro an den Bund – dank der Schaumweinsteuer. Sie wurde 1902 vom Reichstag zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte eingeführt. Die gibt es schon längst nicht mehr, aber die Steuer hat bis heute Bestand. Nachdenklich stimmen sollten Sekte,die für zwei bis drei Euro gehandelt werden: Wer vom Preis die Sektsteuer sowie die Kosten für Flasche, Korken, Verschluss, Etikett, Verpackung, Logistik und Händlermarge abzieht, stellt ohne viel Rechentalent fest, dass der Inhalt von geringem Wert ist.

Wölkchen statt Regen

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Aufrund der Kohlensäure herrschen in einer Sektflasche bis zu 4,5 bar Druck, das verlangt beim Öffnen ein gewisses Geschick: Flasche leicht schräg halten, die Aluminiumfolie (Kapsel) entfernen, Drahtkorb (Agraffe) aufdrehen. Den Korken dabei festhalten und die Flasche vorsichtig drehen, bis er sich lockert und vom Flaschendruck mit einem eleganten „Plopp“ nach draußen befördert wird. Es steigen weiße Wölkchen auf, weil die Luft am Flaschenhals durch entweichende Kohlensäure kurz zu Eis gefriert.

Für Fortgeschrittene und bühnentaugliche Inszenierungen empfiehlt sich das Sabrieren: Bei dieser Methode wird die Flasche mit einem Säbel geköpft, indem Korken und Wulst am Flaschenhals abgeschlagen werden. Umstehende sollten in Deckung gehen, weil Korken und Sekt mehrere Meter weit herausschießen.

Zum Wohl temperiert

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Für prickelndes Trinkvergnügen muss Sekt gut gekühlt sein: Mindestens zwei Stunden sollte er vor dem Öffnen im Kühlschrank verbringen. Bei sechs bis acht Grad entfalten Weiß- und Rosésekte ihren idealen Geschmack, bei Rot dürfen es zwei Grad mehr sein. Damit sich die Frische bis zum letzten Glas hält, sollte geöffneter Sekt in einem Kühler oder dem Kühlschrank stehen. Wenn's mal schnell gehen muss, verrät das Deutsche Weininstitut einen Tipp: Die Flasche in Eiswasser mit einer Handvoll Salz stellen und einige Minuten lang hin und her drehen. Nur für einfache Sekte geeignet, weil beim Schnellkühlverfahren das Aroma leidet.

Schale oder Flöte?

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Wer im Geschirrschrank Platz schaffen will: Spezielle Sektgläser braucht es nicht unbedingt. Denn in Sektschalen gehen die aufsteigenden Luftbläschen (Perlage) zu schnell flöten. In Sektflöten hält sich die Kohlensäure zwar länger, dafür können sich Geruch und Geschmack durch den schmalen Kamin nicht entfalten. Schaumweine höherer Qualität sind in einem bauchigen Glas mit Stiel und nicht allzu weiter Öffnung, also in einem Weißweinglas, gut aufgehoben.

Drink bitte, Barkeeper

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Auch als Cocktailzutat lässt sich Sekt verwenden. Das am weitesten verbreitete Sektmixgetränk ist wohl der Mimosa (Sekt mit Orangensaft). Wer es klassisch mag, serviert Kir Royal (1 cl Crème de Cassis, 9 cl Champagner), oder einen Old Cuban (4,5 cl Bacardi, 2 cl Limettensaft, 2 cl Zuckersirup, 1–2 Spritzer Angostura, 6 Minzblätter, mit Champagner auffüllen). Wer's opulent mag, serviert den Opulent Drop: Dazu drei Ananaswürfel mit 1 cl Blütenhonig im Shaker zerdrücken, jeweils 1 cl Limetten-, Zitronen- und Grapefruitsaft zufügen, zusammen mit 3 cl Tequila shaken. Die Flüssigkeit abseihen, in ein Glas mit weiter Öffnung geben, mit Rieslingsekt auffüllen, mit einem Spritzer Absinth und Minzblättern garnieren. nim