Archivierter Artikel vom 15.03.2013, 07:00 Uhr
Rom

Kirche: Franziskus will neue Wege gehen

Bei der ersten Messe nach seiner Wahl hat Papst Franziskus die katholische Kirche davor gewarnt, Gott aus dem Blick zu verlieren. Ohne die Verkündigung Jesu „werden wir eine mitleidige regierungsunabhängige Organisation“, sagte er in der Sixtinischen Kapelle in Rom.

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„Wenn wir ohne das Kreuz voranschreiten, aufbauen und bekennen, dann sind wir keine Jünger des Herrn.“

Der Gottesdienst beendet offiziell das Konklave. Zu Beginn seines ersten Arbeitstages hatte der erste Lateinamerikaner auf dem Stuhl Petri am Morgen in der römischen Basilika Santa Maria Maggiore gebetet. Die Amtseinführung des 76- jährigen Jorge Mario Bergoglio ist am Dienstag geplant. Dann erhält er die Insignien der päpstlichen Macht, das Pallium, eine Art Stola, und den Fischerring.

An diesem Sonntag spricht Franziskus sein erstes Angelus-Gebet auf dem Petersplatz, zu dem Tausende Gläubige erwartet werden.

Am Gottesdienst werden Staats- und Regierungschefs und andere Persönlichkeiten aus aller Welt teilnehmen, darunter Kanzlerin Angela Merkel und die Präsidentin seines Heimatlandes, Cristina Fernández de Kirchner. Sie hatte zu dem bisherigen Erzbischof von Buenos Aires ein eher gespanntes Verhältnis, weil er oft gegen die Regierungspolitik etwa in Sachen Homo-Ehe oder Abtreibungsrecht Front machte.

Franziskus hofft sehr, zu einer weiteren Verbesserung der Beziehungen zwischen Juden und Katholiken „im Geist erneuerter Zusammenarbeit“ beitragen zu können. Er will so einer Welt dienen, die mehr im Einklang mit dem Willen des Schöpfers sein könne, schrieb der Papst an Roms Chefrabbiner Riccardo Di Segni. Er lud den Chefrabbiner zu der Messe am Dienstag ein.

Am Mittwoch will Franziskus Vertreter anderer Kirchen und Religionen empfangen.

Seine erste große Auslandsreise dürfte ihn zum Weltjugendtag im Juli nach Rio de Janeiro führen. Zu seinem Vorgänger Benedikt, der aus Altersgründen zurückgetreten war, sucht der Argentinier offensichtlich engen Kontakt. Er will Benedikt bald treffen, aber noch nicht in den allernächsten Tagen. Neben dem israelischen Präsidenten Schimon Peres lud auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas den Papst ins Heilige Land ein. Die in den Palästinensergebieten gelegene Stadt Bethlehem gilt als Geburtsort Jesu.

Der Erzbischof von München- Freising, Kardinal Reinhard Marx, erwartet von Papst Franziskus sogar die eine oder andere Überraschung. Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte: „Ich denke, dass er versuchen wird, auch in der Kurie einen neuen Stil hineinzubringen.“ Beide Kardinäle gehörten zu den sechs deutschen Papstwählern im jüngsten Konklave. Deutschlands Protestanten hoffen auf neuen Schwung für die Ökumene. Sie erwarten, dass der neue Papst als Brückenbauer den Kontakt zu den reformatorischen Kirchen sucht.