Archivierter Artikel vom 10.04.2015, 19:34 Uhr
Damaskus

IS-Terror: In Syrien droht ein Massaker

Inmitten des syrischen Bürgerkriegs droht im palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk ein neues Massaker. Die Gefechte um Jarmuk am südlichen Stadtrand der syrischen Hauptstadt wurden zuletzt ungeachtet aller internationalen Appelle immer heftiger. Das Leiden der rund 16.000 Menschen in dem von Milizen und Militärs umkämpften Areal nahm weiter zu.

Das Flüchtlingslager Jarmuk im Süden von Damaskus liegt in Trümmern. Die Palästinenser, die hier leben, sind zwischen die Fronten geraten. Jetzt kämpfen sie gegen die Terrormiliz IS. Die Zustände sind dramatisch.
Das Flüchtlingslager Jarmuk im Süden von Damaskus liegt in Trümmern. Die Palästinenser, die hier leben, sind zwischen die Fronten geraten. Jetzt kämpfen sie gegen die Terrormiliz IS. Die Zustände sind dramatisch.
Foto: dpa

Warnungen vor einer humanitären Katastrophe werden lauter. Nach EU-Angaben werden auf beiden Kampfseiten unschuldige Menschen als menschliche Schutzschilde benutzt.

Ban Ki Moon: „humanitäre Katastrophe von epischem Ausmaßes“

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte am Vorabend mit drastischen Worten auf eine „humanitäre Katastrophe von epischem Ausmaß“ hingewiesen. Im syrischen Horror sei Jarmuk die „tiefste Hölle“. Das Lager erinnere immer mehr an ein Todeslager. „Wir können nicht einfach dastehen und zusehen, wie sich ein Massaker zuträgt“, warnte Ban. „Wir dürfen die Menschen in Jarmuk nicht aufgeben.“ Palästinensische Milzen versuchten zuletzt, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurückzudrängen. Syrische Regimekräfte hätten die Extremisten zugleich mit Artillerie beschossen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Überall drohten Zivilisten in die Schusslinie zu geraten.

Das Flüchtlingslager habe „das untere Ende der Hölle“ erreicht, sagte ein Sprecher des UN-Palästinahilfswerks. Die Bundesregierung stellte zusätzliche Hilfe für Jarmuk in Aussicht. „Seit Beginn des Bürgerkriegs geht es den Menschen da schlecht“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts. „Sie werden ausgehungert.“ Das Lager gleicht inzwischen einer Ruinenstadt. Der IS hatte vergangene Woche rund 90 Prozent von Jarmuk unter ihre Kontrolle gebracht. Damit rückten die Extremisten so nah wie nie zuvor an das Zentrum der syrischen Hauptstadt vor.