Archivierter Artikel vom 18.03.2010, 10:01 Uhr
Anhausen/Koblenz

Hells Angel erschießt SEK-Polizisten in Neuwied

Die rheinland-pfälzische Polizei steht unter Schock. Ein 42-jähriger Kollege ist am Mittwochmorgen bei einem Einsatz in Anhausen (Kreis Neuwied) von einem Mitglied der Rockergruppe „Hells Angels“ erschossen worden. Ohne Warnung feuerte der 43-Jährige mit einer Schusswaffe zweimal durch die geschlossene Haustür, als ein Sondereinsatzkommando (SEK) kurz nach sechs Uhr morgens die Tür zu seiner Wohnung aufbrechen wollte.

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Durch die Haustür wurde der Polizist erschossen.

Fotos: Rühle/dpa

Knapp 1300 Einwohner hat der Westerwaldort Anhausen (Kreis Neuwied) in dem sich die schreckliche Bluttat ereignet hat. Foto: Ulf Steffenfauseweh (RZ) – Fotos: Rühle/dpa/Steffenf

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Der „Höllen-Engel“ lebte in einer ganz bürgerlichen Umgebung. Foto: Thomas Frey (dpa) – Fotos: Rühle/dpa

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Mitarbeiter der Spurensicherung am Tatort. Foto: Thomas Frey (dpa) – Fotos: Rühle/dpa

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Zwei Schüsse durchschlugen von innen die geschlossene Tür. Ein Polizeibeamter sichert die Spuren. Foto: Thomas Frey (dpa) – Fotos: Rühle/dpa

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Sehr ordentlich ist das Anwesen des Mannes. Foto: Thomas Frey (dpa) – Fotos: Rühle/dpa

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Die Nachbarn konnten es nicht fassen.

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Die sogenannte Kutte, eine Weste mit dem Vereinsemblem der Rockergruppe Hells Angels, hängt hinter der Tür eines Wohnhauses in Anhausen (Kreis Neuwied) Schußspuren. Foto: Kevin Rühle (RZ) – Fotos: Rühle/dpa

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Auch im Motorradclub „Macabros“, der im Anhausener Gewerbegebiet ein Clubheim betreibt, soll Karl-Heinz B. Mitglied gewesen sein. Dessen Vorsitzender sagte gegenüber unserer Zeitung jedoch lediglich, dass er ihn vom Sehen kenne. Foto: Ulf Steffenfauseweh (RZ) – Fotos: Rühle/dpa

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Noch viele Stunden nach den tödlichen Schüssen sperrt die Polizei das Anwesen ab. Foto: Kevin Rühle (RZ) – Fotos: Rühle/dpa

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Anhausen/Koblenz. Die rheinland-pfälzische Polizei steht unter Schock. Ein 42-jähriger Kollege ist am Mittwochmorgen bei einem Einsatz in Anhausen (Kreis Neuwied) von einem Mitglied der Rockergruppe “Hells Angels„ erschossen worden.
Ohne Warnung feuerte der 43-Jährige mit einer Schusswaffe zweimal durch die geschlossene Haustür, als ein Sondereinsatzkommando (SEK) kurz nach sechs Uhr morgens die Tür zu seiner Wohnung aufbrechen wollte. Auch ein Notarzt, der die Polizei begleitet hatte, konnte den Tod des Beamten nicht verhindern.

Wie die Staatsanwaltschaft Koblenz mitteilte, starb der Polizeibeamte wahrscheinlich an inneren Blutungen. Er trug bei dem gefährlichen Einsatz zwar eine Schutzweste, doch die Kugel traf ihn von der Seite. Das Projektil durchschlug seinen Arm und drang in den Oberkörper ein.

Der tragische Vorfall ereignete sich, als die Polizei die Wohnung des 43-jährigen Rockers durchsuchen wollte. Gegen ihn besteht der Verdacht der räuberischen Erpressung im Westerwälder Rotlichtmilieu. Die Ermittlungen richteten sich gegen insgesamt fünf Tatverdächtige, die Prostituierte von einem lukrativen Platz im “vorderen Westerwald„ vertrieben haben sollen. Die Verdächtigen sollen den Frauen “Repressalien„ angedroht haben. Es könnte durchaus sein, dass der 43-jährige Todesschütze die Schüsse in dem Glauben abgab, er werde von seinen Konkurrenten aus dem Rotlichtmilieu bedroht. Die Staatsanwaltschaft schließt das zumindest nicht aus. Der Täter und seine Lebensgefährtin wurden unmittelbar nach den Schüssen überwältigt und festgenommen.

Der Mann ist offenbar ein langjähriges Mitglied der “Hells Angels„ im sogenannten “Chapter„ Bonn, einer regionalen Gruppe der berüchtigten Rocker. Diese betreibt ein Vereinsheim im Elsafftal im Kreis Neuwied und plant dort gerade einen Neubau. Ob es bei dem Rotlicht-Krieg einen direkten Draht zu dieser Gruppe gibt, ist noch unklar. Nur ein weiterer Beschuldigter gehört nämlich zu den “Hells Angels„, sagte der Koblenzer Leitende Oberstaatsanwalt Horst Hund. Hund ist sicher: Es geht im Rotlicht-Krieg um “örtliche Konkurrenz, aber keine Rocker". Die Ermittlungen stünden auch in keinem Zusammenhang zu Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Rockerklubs.

Zeitgleich war das SEK-Kommando an sieben Orten im Westerwald und in der näheren Umgebung zu Durchsuchungen ausgerückt. Außer dem Täter sind aber keine weiteren Verdächtigen festgenommen worden. Gegen den nicht vorbestraften 43-Jährigen will die Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen Mordes beantragen.

Die Polizei hatte vor der Durchsuchungsaktion Hinweise darauf, dass der Rocker eine Schusswaffe besitzt. Deshalb sollte das SEK dessen Wohnungstür öffnen. Warum ein Mitglied der Rockergruppe offenbar eine legale Waffe besitzen konnte, ist noch eine der offenen Fragen, die aufgeworfen wurden. Die Deutsche Polizeigewerkschaft reagierte bestürzt auf den Tod des Kollegen. Dies ist eine neue Stufe der Eskalation von Gewalt in der Rockerszene, sagte ihr Vorsitzender Rainer Wendt. Bis zur Beisetzung werden die Polizeifahrzeuge in Rheinland-Pfalz Trauerflor tragen, meldete Innenminister Karl Peter Bruch. Manfred Ruch/dpa