Archivierter Artikel vom 19.02.2019, 18:14 Uhr
Mendig

Haus Thekla in Mendig: Tagespflege lässt Angehörige Kraft schöpfen

Für viele Menschen ist es der größte Wunsch, zu Hause im Kreis der Familie alt werden zu können. Doch die Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen ist kräftezehrend. Und was tun, wenn der Pflegende selbst mal einen Termin hat oder einkaufen gehen muss? Eine Lösung sind Tagespflegeeinrichtungen für Senioren. Oftmals bieten Seniorenpflegeheime auch die Möglichkeit der Tagespflege für externe Besucher an, aber es gibt auch Einrichtungen, die sich darauf spezialisiert haben.

Kathrin HohbergerLesezeit: 4 Minuten

Das Mittagessen im Haus Thekla wird von den Gästen und den Mitarbeiterinnen gemeinsam eingenommen – eben wie in einer großen Familie. Das macht die Atmosphäre in der Tagespflegeeinrichtung in Mendig so gemütlich.  Fotos: Sascha Ditscher
Das Mittagessen im Haus Thekla wird von den Gästen und den Mitarbeiterinnen gemeinsam eingenommen – eben wie in einer großen Familie. Das macht die Atmosphäre in der Tagespflegeeinrichtung in Mendig so gemütlich. Fotos: Sascha Ditscher
Foto: Sascha Ditscher

Eine davon ist das Haus Thekla in Mendig (Kreis Mayen-Koblenz). Sobald man durch die Tür tritt, hat man das Gefühl, willkommen zu sein. Aus der großen Küche, die sich zum Essbereich hin öffnet, duftet es gut. Die Gäste, wie sie von den Mitarbeiterinnen rund um die Pflegedienstleiterin Anke Reinhold und ihre Stellvertreterin Petra Keikert genannt werden, sitzen schon erwartungsfroh am Mittagstisch und unterhalten sich angeregt.

An diesem Morgen haben sie bereits das Frühstück zusammen eingenommen, die ersten Gäste kommen gegen 7 Uhr. Um 10 Uhr gibt es immer eine Zeitungsrunde, bei der aus der aktuellen Rhein-Zeitung vorgelesen wird. „Schlimme Unfälle oder andere Katastrophen sparen wir oft aus. Diese Generation hat schon genug Leid erlebt. Aber politisch diskutiert wird hier zuweilen schon“, sagt Anke Reinhold lachend.

Gespräche unter Gleichaltrigen

Tagespflegeeinrichtungen sind eine große Bereicherung für die älteren Menschen. Sie sind dort unter Gleichaltrigen, was oft bedeutet, dass sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben und daher leichter Gesprächsthemen finden. Und auch gemeinsame Interessen sind schnell ausgemacht.

Die Zeit bis zum Mittagessen gestalten die Pflegekräfte im Haus Thekla meist kreativ. Es wird gesungen, gespielt, gebastelt – je nachdem, was die Senioren gern machen. Plätzchen werden gern gemeinsam gebacken. „Die Gäste, die noch eine gute Feinmotorik haben, rollen den Teig zu Kugeln, wer das nicht mehr kann, drückt mit der Gabel ein schönes Muster auf die Plätzchen. So ist jeder beteiligt, der das möchte“, erklärt Petra Keikert.

Auch für die Verstorbenen gibt es einen Platz im Haus Thekla. Beschriftete Steine erinnern an sie.
Auch für die Verstorbenen gibt es einen Platz im Haus Thekla. Beschriftete Steine erinnern an sie.
Foto: Sascha Ditscher

Der Duft, der dabei durch die Räume zieht, ist besonders für demenzkranke Menschen wichtig. Daher wird im Haus Thekla auch täglich frisch gekocht. Der Geruch aus der Küche weckt die Lust aufs Essen. Appetitlosigkeit ist gerade bei Demenzkranken ein häufig auftretendes Problem. „Und wenn die dann das in einer weit entfernten Küche zubereitete Essen auf ihrem Teller serviert bekommen, vergeht ihnen die Lust aufs Essen“, berichtet Anke Reinhold. Im Haus Thekla wird aus diesem Grund wie bei einer großen Familie am Tisch gegessen, die Gäste sitzen zusammen mit den Mitarbeiterinnen, und dort werden auch erst die Teller gefüllt. Das weckt Erinnerungen, und in Gemeinschaft schmeckt es besser.

Nach dem Mittagessen ist Zeit für eine Pause. In zwei Räumen stehen gemütliche Ruhesessel, die sich großer Beliebtheit erfreuen. „Natürlich haben unsere Stammgäste ihren Lieblingssessel“, sagt Petra Keikert schmunzelnd. Der Nachmittag wird wieder kreativ verbracht, eine Kaffeepause mit meist selbst gebackenem Kuchen gehört auch dazu. Dann duftet es wieder hervorragend im ganzen Haus. Das Abendessen nehmen die Senioren wieder zu Hause bei ihrer Familie ein.

Die Möglichkeit der Tagespflege ist für die Angehörigen eine enorme Entlastung. Die Senioren können in der Regel nur einen Tag in der Woche, aber auch bis zu fünf Tage in eine Tagespflegeeinrichtung kommen. Im Haus Thekla gibt es durch die examinierten Pflegekräfte und die Ausstattung des Hauses auch die Möglichkeit, die Körperpflege dort machen zu lassen. „Manche Gäste werden uns im Jogginganzug gebracht. Dann übernehmen wir das Duschen und Anziehen“, berichtet Petra Keikert. Größtmögliche Entlastung für die pflegenden Angehörigen also, die an den Tagen entweder in Ruhe einkaufen gehen können oder einfach mal einen freien Tag haben, um Kraft zu sammeln.

Pflegesatz deckt Großteil der Kosten

Die Kosten für die Tagespflege werden zum großen Teil über den normalen Pflegesatz gedeckt, der bleibende Eigenanteil von rund 16 Euro pro Tag kann über das Entlastungsgeld finanziert werden. „Wir haben einige Gäste, die nichts privat zuzahlen müssen“, betont Anke Reinhold. Das liegt natürlich daran, wie oft sie ins Haus Thekla kommen. Da ihre Tagespflegeeinrichtungen – neben Haus Thekla in Mendig betreibt sie auch noch ein Haus in Ettringen – zwar gut besucht, aber nicht völlig ausgelastet sind, ist es derzeit gut möglich, einen Platz zu bekommen.

Anke Reinhold schüttelt den Kopf, wenn sie hört, dass viele pflegende Angehörige an ihre Grenzen kommen und aufgeben wollen. Bei allem Verständnis, das sie für die Belastungen hat: „Es gibt so viele Möglichkeiten, die einfach nicht genutzt werden. Viele haben den Gedanken im Kopf, dass sie die Eltern oder den Partner nicht abschieben wollen. Aber das ist doch Quatsch!“ Für Kinder gebe es doch auch Kitas, die würden doch auch nicht abgeschoben, sondern gefördert. „Und genau das passiert hier auch. Wir haben ganz oft Angehörige, die völlig erstaunt sind, dass nach einigen Wochen die Mutter wieder allein essen kann, weil wir hier die Motorik trainieren. Dazu hat man zu Hause eben nicht immer die Zeit und die Geduld, aber für uns ist es unser Job. Und den machen wir gern!“

Von unserer Reporterin Kathrin Hohberger

Diese Leistungen stehen Pflegenden zu

Wer sich mit den Themen „Pflege zu Hause“ und „Hilfe für pflegende Angehörige“ beschäftigt, findet zahlreiche Broschüren und Handbücher, die Licht ins Dunkel bringen sollen. Doch ein Blick in das Inhaltsverzeichnis schafft sehr leicht mehr Verwirrung als Klärung, zu komplex ist der Themenbereich.

Die Pflegestützpunkte in Rheinland-Pfalz bieten schnelle Hilfe. Die Berater sind telefonisch erreichbar, kommen aber auch ins Haus und überlegen mit dem Patienten und den pflegenden Angehörigen, welche Form der Unterstützung gebraucht und wo diese gefunden wird. So kann die erste Entlastung schnell erfolgen.

Das Pflegegeld für häusliche Pflege steht Angehörigen oder ehrenamtlichen Pflegekräften zu, die Patienten der Pflegegrade 2 bis 5 betreuen, und beträgt zwischen 316 und 901 Euro. Das Geld wird direkt auf das Konto des Pflegenden überwiesen.

Pflegesachleistungen können zum Beispiel relativ zügig über einen ambulanten Pflegedienst abgerufen werden. Dafür stehen monatlich je nach Pflegegrad (2 bis 5) zwischen 689 und 1995 Euro zur Verfügung.

Manche Pflegebedürftige sind für eine begrenzte Zeit auf vollstationäre Pflege angewiesen, zum Beispiel weil eine Krisensituation bei der häuslichen Pflege bewältigt oder der Übergang im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt geregelt werden muss. Dafür stehen Leistungen der vollstationären Kurzzeitpflege in Höhe von maximal 1612 Euro pro Jahr (für acht Wochen, Pflegegrade 2 bis 5) zur Verfügung. Viele scheuen sich aber davor, die Mutter oder den Ehepartner in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung zu geben. Ein großes Problem ist es auch, überhaupt einen Platz zu finden.

Aber was tun, wenn der Pflegende selbst krank wird oder Urlaub braucht, um wieder zu Kräften zu kommen? In solchen Zeiten kann ab Pflegegrad 2 eine ambulante Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. Die Pflegekräfte müssen keine Profis sein, allerdings dürfen die Personen nicht mit dem Pflegebedürftigen in einem Haushalt leben und nicht bis zum zweiten Grad verwandt oder verschwägert sein. Dafür stehen 1612 Euro pro Jahr zur Verfügung, die für maximal sechs Wochen gezahlt werden. Allerdings reduziert sich für diese Zeit das Pflegegeld.

Unter Umständen kann es sinnvoll sein, eine teilstationäre Betreuung nachts oder am Tag in Anspruch zu nehmen. Dafür stehen neben den ambulanten Sachleistungen und dem Pflegegeld je nach Pflegegrad (2 bis 5) zwischen 689 und maximal 1995 Euro monatlich zur Verfügung. Menschen mit Pflegegrad 1 können für die teilstationäre Pflege ihren monatlichen Entlastungsbetrag von 125 Euro einsetzen.

Dieser Entlastungsbetrag ist für jeden Pflegegrad gleich: 125 Euro pro Monat. Er kann zweckgebunden eingesetzt werden, wenn professionelle Hilfe in Anspruch genommen wird. Eine Besonderheit gibt es noch: Nicht vollständig ausgeschöpfte Beiträge können übertragen werden, in Folgemonate oder sogar in das darauffolgende Kalenderhalbjahr.

Für Pflegehilfsmittel wie Einmalhandschuhe oder Betteinlagen bei Inkontinenz können in allen Pflegegraden bis zu 40 Euro pro Monat geltend gemacht werden. Zudem gibt es ebenfalls für alle unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse für sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Diese liegen bei maximal 4000 Euro pro umgesetzter Maßnahme.

Das Bundesgesundheitsministerium bietet auf seiner Internetseite einen Pflegeleistungshelfer, der mit wenigen Fragen die aktuelle Grundsituation abfragt und in einer ersten Auswertung die ersten Hinweise gibt, welche Leistungen dem Antragsteller zustehen. Den Pflegeleistungshelfer finden Sie unter www.ku-rz.de/helfer hoh

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