Archivierter Artikel vom 29.01.2014, 06:28 Uhr

Gesundheit: Engpässe bei Medikamenten

Rheinland-Pfalz/Berlin – In den Apotheken werden immer mehr wichtige Medikamente zur Mangelware. Hintergrund sind Lieferengpässe der Pharmaunternehmen. Davor warnen Apothekerverbände und auch das rheinlandpfälzische Gesundheitsministerium. Krankenkassen und Bundesgesundheitsministerium bestreiten indes einen Versorgungsengpass.

Der Mainzer Gesundheitsminister Alexander Schweitzer (SPD) hat unserer Zeitung allerdings bestätigt, dass sich der schon seit Jahren bekannte Lieferengpass in den Krankenhäusern auf die öffentlichen Apotheken ausgeweitet hat: „Hier erstrecken sich die Liefereinschränkungen nicht ausschließlich auf Spezialpräparate, sondern auch auf Arzneimittel wie Schilddrüsenhormone, Schmerzmittel, Bluthochdruckmittel, Antidiabetika, Vitaminpräparate für Kinder sowie Magensäureblocker.“

Auch der Vizechef des hessischen Apothekerverbandes, Hans Rudolf Diefenbach, warnt: „Mittlerweile sind große Teile unserer Versorgungspalette betroffen. Hier bahnt sich eine Situation an, die einem weit entwickelten Staat wie unserem nicht gerecht wird.“

Das Bundesgesundheitsministerium räumt auf Nachfrage unserer Zeitung zwar ein, „dass es in Einzelfällen zu Lieferschwierigkeiten kommt“. Allerdings: „Lieferengpässe müssen nicht auch zu Versorgungsengpässen führen.“ Denn für viele Arzneimittel stünden Alternativen zur Verfügung.

Die Kassen sehen das ähnlich. Der Chef der Bundesapothekerkammer, der Koblenzer Dr. Andreas Kiefer, warnt vor einer Panikmache, sieht die Lieferengpässe aber als „deutliches Warnsignal“. Viele Patienten können nicht so leicht auf ein anderes Präparat umsteigen, weil sie entweder seit Jahren ein bestimmtes Produkt kennen oder ihre Therapie sogar auf dieses eingestellt ist, sagt Kiefer.

Zwar sind die Apotheker verpflichtet, Medikamente vorrätig zu halten. Doch viele Vorräte gingen zur Neige. Die Apothekerverbände machen dafür vor allem die Rabattverträge verantwortlich. Dies treibe die Preise für einige Medikamente nach unten. Deshalb produzieren die Hersteller erstens vermehrt in Billiglohnländern, wo es immer wieder zu Ausfällen kommen kann, heißt es.

Zweitens würden Pillen vermehrt auch im höherpreisigen Ausland verkauft, um mehr Gewinn zu erzielen. Gesundheitsökonom Gerd Glaeske bestätigt dies: Viele Pharmafirmen stehen wegen der Rabattverträge unter einem enormen Kostendruck, sagt er. Zwar sind die Rabattverträge für die Branche laut Glaeske interessant, „weil sie damit den ganzen Markt abdecken können“.

Doch oft verdienen die Firmen mit den Medikamenten nur Cent-Beträge, manchmal ist es gar ein Zuschussgeschäft, berichtet er. Da müsse man mit der Produktion oft ins Ausland ausweichen und die Pillen auch dort verkaufen. Die Kassen weisen dies zurück und verweisen auf das Drei-Partner- Modell, wonach die Rabattverträge immer mit drei Herstellern abgeschlossen werden, um Lieferengpässe zu vermeiden.

Minister Schweitzer sagt jedoch: „Rabattverträge haben die Versorgungssituation mit Arzneimitteln in Deutschland verschärft.“ Er fordert mehr Flexibilität bei den Verträgen und für die Hersteller bessere Rahmenbedingungen und eine andere Preispolitik.