Archivierter Artikel vom 16.02.2016, 18:44 Uhr

Experte: Beim Breitbandausbau haben Einzelkämpfer schlechte Chancen

Schnelles Netz für alle: Im Land soll dieses Ziel 2018 erreicht sein. Doch reicht das? Warum der Breitbandausbau hierzulande schwierig ist und weshalb wir noch schnellere Leitungen brauchen, erklärt Dirk Andritzki, Breitbandexperte beim TÜV Rheinland.

Wie gut ist Rheinland-Pfalz mit Breitband versorgt?

Das Bundesland liegt knapp über dem Bundesdurchschnitt. Das Ziel, flächendeckend 50 Mbit/s bis 2018 bereitzustellen, wird man voraussichtlich erreichen. Aber man muss zeitnah Projekte dafür auf die Spur bringen. Rheinland-Pfalz hat es beim Breitbandausbau nicht einfach.

Warum?

Es gibt dort viele kleine Dörfer und abgelegene Einzelgehöfte. Das ist für den Netzausbau eine große Herausforderung! Wenn Sie eine Straße aufreißen und eine Leitung verlegen, wird damit teilweise nur ein Haushalt erschlossen – das ist sehr teuer.

Sind die anvisierten 50 Mbit/s nicht schon jetzt zu langsam?

Für normale Haushalte wahrscheinlich nicht. Die Belastung, die ein durchschnittlicher Internetnutzer in der Hauptnutzungszeit verursacht, liegt heute bei etwa 1 Mbit/s. Für eine fünfköpfige Familie, die gleichzeitig fünf Fernsehstreams in hoher Auflösung nutzt, könnte es selbst mit 50 Mbit/s schnell eng werden.

Die Telekom will alte Telefonleitungen ertüchtigen. Sollte man nicht lieber auf Glasfaser setzen?

Glasfaser ist aus technologischer Sicht zukunftsfähiger. Aber wenn das Ziel – bis 2018 flächendeckend 50 Mbit/s – erreicht werden soll, braucht man eine Technik, die das in kurzer Zeit ermöglicht. Der Ausbau mit Glasfaser würde viele Jahre dauern.

Was können Dörfer tun, um zügig an schnelles Internet zu kommen?

Gemeinden sollten innerhalb der Verbandsgemeinde oder besser noch des Landkreises agieren. Bei der Vergabe von Fördermitteln durch den Bund wird dies besser bewertet.

Ist es ratsam, auf Alternativen wie Richtfunk zu setzen?

Es gibt mittlerweile Firmen, die eine Kombination aus Funk und DSL anbieten und damit ganz vernünftige Bandbreiten erreichen. Das können interessante Konzepte für ländliche Gegenden und abgelegene Gehöfte sein.

Wie schnell surfen wir in Zukunft?

Wahrscheinlich wird man ab Anfang der 2020er-Jahre verstärkt Glasfaserkabel verlegen. Beginnen wird das in urbanen Gegenden. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass man beim Glasfaserausbau auch wieder die ländlichen Regionen mit ins Boot holen wird. Denn es wird in Zukunft Dienstleistungen und Applikationen geben, für die man flächendeckend mehr Bandbreite braucht.

Ist Internet per Fernsehkabel (CATV) eine gute Alternative oder ist es begrenzter als Glasfaser?

CATV ist in seiner Leistungsfähigkeit begrenzter. Am Anfang der Leitung wird eine gewisse Bandbreite zur Verfügung gestellt, und je mehr Nutzer dranhängen, desto weniger Bandbreite hat dann jeder Nutzer. Die Kabelnetzbetreiber bauen ihr Netz inzwischen auch mit Glasfaserkabel aus, um allen Nutzern mehr Bandbreite in diesem Abschnitt zur Verfügung zu stellen.

Das Gespräch führte Stefan Hantzschmann