Archivierter Artikel vom 19.08.2013, 07:00 Uhr
Berlin

Ernährung: Streit über Vegetarier-Tag wird bissiger

Die Spitzenkandidatin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, verteidigt vehement die umstrittene Forderung ihrer Partei nach einem vegetarischen Tag in Kantinen. Mehr als die Hälfte der Frauen und auch eine Mehrheit der jungen Leute in Deutschland seien dafür, sagte sie am Sonntag im Deutschlandfunk.

„Wir wollen das übrigens auch nicht vorschreiben, sondern das ist ein Vorschlag“, betonte sie. In ihrem Wahlprogramm für die Bundestagswahl plädieren die Grünen dafür, dass öffentliche Kantinen einmal pro Woche nur vegetarische Gerichte anbieten sollten. Kritiker sehen darin einen Versuch der Bevormundung. Göring-Eckardt rief zugleich zu einem Umdenken in der Agarpolitik auf.

Umfrage
RZ-Umfrage: Kann ein „Veggie-Tag“ helfen, Umwelt- und Ernährungsprobleme zu lösen?

Oder ist er der erste Schritt in die Ökodiktatur? Befürworter glauben, dass die Initiative für mehr fleischlose Gerichte in Kantinen das Bewusstsein für besseres und nachhaltigeres Essen schärfen kann. Gegner sehen darin eine Bevormundung.

Pro Veggie-Tag: Wir müssen unser Essverhalten überdenken!
43%
840 Stimmen
Kontra Veggie-Tag: Mehr als eine populistische Diskussion ist das nicht!
53%
1036 Stimmen
Diese Diskussion ist mir egal!
4%
73 Stimmen

„Dass jetzt beim Discounter das frische Gemüse teurer ist als das Fleisch, hat auch mit einer falschen Subventionspolitik zu tun“, sagte sie. Wenn die Massentierhaltung finanziell hoch gefördert werde, „dann ist das schlicht und ergreifend der falsche Weg“. Nach Angaben des Bundes für Umweltund Naturschutz (BUND) gibt die EU rund 60 Milliarden Euro jährlich für Landwirtschaft aus. Das Geld fließe größtenteils an eine Agrarindustrie, „die ungesunde Lebensmittel produziert, umweltschädlich ist und Tiere quält“.

„In Deutschland werden etwa 60 Kilogramm Fleisch pro Kopf und Jahr verzehrt. Das ist nach allen gängigen Empfehlungen eindeutig zu viel“, schreibt Sebastian Zösch, Geschäftsführer des Vegetarierbunds Deutschland, in einem Beitrag für unsere Zeitung. Nach seinen Angaben würde ein deutschlandweiter Veggie-Tag Klimagase einsparen, es müssten jährlich 140 Millionen Tiere weniger geschlachtet werden und es könnten mehr als zwei Millionen Tonnen Getreide eingespart werden.

Der vegetarische Tag baue aber auf die Freiwilligkeit der Verbraucher. Hagen Fricke vom Bundesverband Vieh und Fleisch (BVVF) vertritt im Schlagabtausch die Gegenposition und wendet sich gegen eine Bevormundung der Verbraucher. Er erkennt in dem Grünen- Vorschlag nur Wahlkampfmotive und politische Dummheit. Ein Veggie-Tag werde auf die Tierhaltung keinen Einfluss haben, nur die Preise für Gemüse und Kartoffeln würden steigen.