Archivierter Artikel vom 13.05.2013, 07:00 Uhr

Elementarschäden: Kaum einer rechnet mit der Natur

Die Namen klingen harmlos. Bert, Frank, Joachim, Andrea. Sie werden anfangs nur in den Wetterberichten gestreift. Doch dann toben sie kräftig übers Land. Zwischen August 2011 und Januar 2012 sorgen allein diese vier Stürme deutschlandweit für große Schäden. „Die meisten Menschen erkennen aber die Gefahren nicht, die durch solche Ereignisse entstehen“, sagt Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin.

Das Orkantief „Xynthia“ sorgte im Frühjahr 2010 für verheerende Schäden in Westeuropa. In Deutschland knickten so nicht nur die Masten von Stromautobahnen um, auch mehrere Menschen kamen durch den Sturm ums Leben, bei dem allein in Rheinland-Pfalz Windgeschwindigkeiten von bis zu 165 km/h gemessen wurden. In Frankreich wurden mehr als 50 Menschen getötet.
Das Orkantief „Xynthia“ sorgte im Frühjahr 2010 für verheerende Schäden in Westeuropa. In Deutschland knickten so nicht nur die Masten von Stromautobahnen um, auch mehrere Menschen kamen durch den Sturm ums Leben, bei dem allein in Rheinland-Pfalz Windgeschwindigkeiten von bis zu 165 km/h gemessen wurden. In Frankreich wurden mehr als 50 Menschen getötet.

Die Namen klingen harmlos. Bert, Frank, Joachim, Andrea. Sie werden anfangs nur in den Wetterberichten gestreift. Doch dann toben sie kräftig übers Land. Zwischen August 2011 und Januar 2012 sorgen allein diese vier Stürme deutschlandweit für große Schäden. „Die meisten Menschen erkennen aber die Gefahren nicht, die durch solche Ereignisse entstehen“, sagt Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin.

Während das Hochwasser für jedermann ein Begriff ist, sind die Gefahren, die von Naturereignissen wie einem massiven Sturm ausgehen, in der Bevölkerung weniger verankert. Der GDV belegt diese These mit den Ergebnissen einer repräsentativen Forsa-Umfrage: „90 Prozent der Befragten schätzen das Risiko, dass ihr eigenes Zuhause durch Naturgefahren beschädigt werden könnte, als gering ein“, sagt Schweda.

Bis ein Sturm zuschlägt, wie es zuletzt auch in Rheinland- Pfalz häufiger der Fall gewesen ist. Besonders „Bert“ wütet im August 2011 in der Region; an der Mosel schlägt tennisballgroßer Hagel ein. So werden innerhalb kürzester Zeit in der Moselgemeinde Veldenz im Kreis Bernkastel-Wittlich die Dächer von mehr als 300 Häusern beschädigt. Der Schaden beträgt nach ersten Schätzungen mindestens 30 Millionen Euro, die Bürger in Veldenz haben für Monate mit „Berts“ Folgen zu tun.

„Es war dramatisch, wie nach einem Bombenangriff“, erklärt Bürgermeister Norbert Sproß am Tag, nachdem der Sturm Veldenz heimgesucht hat. Manche Familien des knapp 1000 Einwohner zählenden Ortes müssen vorübergehend zu ihren Verwandten ziehen. Der Weinbauverband Mosel rechnet mit Hagelschäden auf mehr als 1000 Hektar Fläche.

Anhand der statistischen Erhebungen der Versicherer lässt sich belegen, dass Naturereignisse zunehmend größere Schäden nach sich ziehen. Denn klimabedingt steigt laut GDV die Anzahl der Schadensfälle. Gerade beim Hochwasser wird mit einer starken Zunahme gerechnet. Eine Klimastudie des GDV legt nahe, dass „extreme Hochwasserereignisse, die heute zum Beispiel alle 50 Jahre wiederkehren, zukünftig alle 25 Jahre auftreten können“.

Allein im Jahr 2011 gab es laut den Versicherern 80000 Schäden, die durch Starkregen oder Hochwasser verursacht wurden. Dies war ein neuer Rekordwert. Dennoch gehen die Menschen offensichtlich eher leichtfertig mit potenziellen Naturgefahren um. „Viele Gemeinden weisen beispielsweise Gebiete als Neubaugebiete aus, die entlang von Flüssen verlaufen“, sagt Stephan Schweda, „da zucken die Experten immer wieder zusammen.“

Dass es nach dem dramatischen Elbhochwasser im Jahr 2002 eine kurze und heftige politische Diskussion über eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden gab, ist wieder in weite Ferne gerückt. Neben Hochwasserschäden gibt es eine unvermindert hohe Anzahl an Stürmen. Vom Jahr 1970 bis 2011 regulierten die deutschen Versicherer pro Jahr „im Schnitt 1,3 Millionen Schäden an privatem Hab und Gut infolge von Sturm- und Hagelereignissen“, erläutert der GDV.

2007 sorgte allein Sturm „Kyrill“ mit 2,1 Milliarden Euro Schadensaufwand bei 2,1 Millionen Schadensfällen für einen Rekord, 2010 verursachte dann das Orkantief „Xynthia“ insgesamt 447000 Wohngebäudeschäden im Gegenwert von 367 Millionen Euro.

„Die meisten Menschen erkennen die Gefahr trotzdem nicht“, sagt Schweda. Erst wenn sie vor den Schäden stehen, die so sanfte Namen wie Bert oder Andrea haben, sind sie sensibilisiert. Und dann ist es zu spät, um sich abzusichern.

Detaillierte Informationen zur Kampagne „Naturgefahren erkennen – elementar versichern“ des Landes sowie Kontaktadressen gibt es im Internet unter: www.naturgefahren.rlp.de

Volker Boch