Archivierter Artikel vom 25.09.2010, 08:00 Uhr
Bendorf-Sayn

Die Welt verbessern? Können wir auch allein!

Der Preis der Stiftung „Filippas Engel“ zeichnet Jugendliche aus, die sich außergewöhnlich engagieren. So wie Felix Finkbeiner (13) und Anna Vikky (22), die bereits in jungen Jahren internationale Projekte auf die Beine stellen.

Die Welt verbessern? Können wir auch allein!
Sauberes Wasser ist lebenswichtig: Durch die Initiative von Jugendlichen konnten beispielsweise drei Brunnen in Uganda gebaut werden – finanziert aus Mitteln des Web 2.0.

Von unserer Reporterin Martina Koch

Bendorf-Sayn – Der Preis der Stiftung „Filippas Engel“ zeichnet Jugendliche aus, die sich außergewöhnlich engagieren. So wie Felix Finkbeiner (13) und Anna Vikky (22), die bereits in jungen Jahren internationale Projekte auf die Beine stellen.

Wenn an diesem Samstag auf Schloss Sayn (Kreis Mayen-Koblenz) die Stiftung „Filippas Engel“ zum siebten Mal in Folge Preise an besonders engagierte junge Menschen verleiht, wird eine der diesjährigen Hauptpersonen noch nicht vor Ort sein. „Zur Preisverleihung schaffe ich es leider nicht ganz pünktlich, ich halte davor noch einen Vortrag“, entschuldigt sich Felix Finkbeiner im Voraus.

Als Gründer der weltweiten Initiative „Plant for the Planet“ ist der 13-Jährige jedes zweite Wochenende unterwegs, um für sein Anliegen zu werben. „Lasst uns in jedem Land der Welt eine Million Bäume pflanzen“, lautet seine Vision. Entstanden ist die Idee, als er in der vierten Klasse ein Referat über die Klimaerwärmung vorbereitete. Es trug den Titel „Das Ende des Eisbären“. „Aber während des Schreibens wurde mir klar, dass es nicht nur darum geht, den Eisbären zu retten, sondern die ganze Welt“, sagt Felix. Er überzeugte zunächst seine Schulkameraden von der Idee, hielt Vorträge in anderen Schulen der Stadt und konnte schließlich den ehemaligen Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep), Klaus Töpfer, als Schirmherr gewinnen.

Danach geht alles schnell: Felix wird Mitglied im Junior Board der Unep und tritt als Sprecher auf Klimaschutzkonferenzen auf, etwa im November 2008 vor dem Europäischen Parlament. Auch bei der Jugendkonferenz der Unep im südkoreanischen Daejeon stellt Felix Finkbeiner seine Idee vor und fordert die jungen Delegierten auf, sich ihm anzuschließen. Kinder aus 56 Ländern versprechen daraufhin, in ihren Ländern ebenfalls eine Million Bäume zu pflanzen.

„Plant for the Planet“ hat sich inzwischen zu einer internationalen Initiative mit Gewicht gemausert. Politiker weltweit hören zu, wenn Felix und seine Mitstreiter ihren Dreipunkteplan zur Verringerung der CO2-Immissionen vorstellen. Dieser schließt einen CO2-Zertifikatehandel zwischen wohlhabenden und weniger wohlhabenden Ländern mit ein, der auch das Problem der Armut in der Welt lösen soll.

Trotz seines außergewöhnlichen Engagements besteht Felix darauf, nicht anders als andere in seinem Alter zu sein. Schließlich könne sich jeder für den Planeten einsetzen: „Wir brauchen keine großen Organisationen, um etwas zu ändern, das können wir Jungen schon allein.“

Auch die Studentin Anna Vikky (22), die heute ebenfalls mit dem Preis „Filippas Engel“ ausgezeichnet wird, machte sich allein auf den Weg, die Welt ein bisschen besser zu machen: Als sie vergangenes Jahr ihren Verein für die Bekämpfung der globalen Armut „2aid.org“ gründete, sprangen noch Familienmitglieder ein, um die sieben Mitglieder zu stellen, die man in Deutschland braucht, um einen Verein zu gründen.

Inzwischen haben Vikky und ihr Team drei Trinkwasserbrunnen in Uganda gebaut – organisiert allein mit den Mitteln des Web 2.0. Mittels Social-Media-Portalen wie Facebook und Twitter sowie der eigenen Webseite wirbt das mittlerweile zehnköpfige Team von 2aid.org um Unterstützer, Fachwissen und Spenden. Über den Schwerpunkt des Vereins konnten Interessierte zu Beginn im Internet abstimmen. Sie entschieden sich für das Thema „Wasser“, und dabei soll es jetzt zunächst auch bleiben.

„In diesem Bereich haben wir durch unsere ersten Projekte bereits Know-how gesammelt“, erklärt Vikky. Die Familie der 22-Jährigen kommt ursprünglich aus Sri Lanka, während sie selbst in Deutschland zur Welt kam. „Ich habe hier alle Möglichkeiten, ein sorgenfreies Leben zu führen, weiß aber durch Besuche bei meinen Verwandten, was es heißt, etwa keinen Zugang zu Bildung zu haben.“ Sich einer etablierten Organisation anzuschließen, war für Vikky allerdings keine Option, denn „da kann man seine eigenen Ideen nicht richtig einbringen“.

Bei 2aid.org können sich Web-2.0-affine junge Menschen hingegen austoben und immer wieder Neues ausprobieren. So gibt es etwa Kooperationen mit Unternehmen, die jedes Mal 30 Cent spenden, wenn 2aid.org einen Fan bei Facebook gewinnt. Doch auch wenn die Kommunikation in der jungen Organisation virtuell funktioniert – die Ergebnisse ihrer Arbeit sind realer Natur: Vikky und der Fotograf Falko Peters, der ebenfalls bei 2aid.org aktiv ist, reisten kürzlich auf eigene Kosten nach Uganda, um für die zahlreichen Unterstützer den Bau der Trinkbrunnen zu dokumentieren.

Bilder und Videos dienen dazu, Unterstützern und Spendern zu zeigen, dass ihre Hilfe ankommt. Die Augenzeugenberichte erhöhen die Glaubwürdigkeit – ebenso wie die Auszeichnungen, die 2aid.org gewinnt. Der Preis „Felippas Engel“ ist nicht die erste Auszeichnung, die Vikky und ihre Mitstreiter in diesem Jahr entgegennehmen: Beim Wettbewerb „Verein des Jahres 2010“ ergatterte die erste Charity-2.0-Organisation den dritten Platz.

„Die Auszeichnungen helfen uns zu zeigen, dass wir nicht so ein Chaotenhaufen sind, sondern wirklich was bewirken.“ Andere Jugendliche können sich an dem Engagement von 2aid.org ein Beispiel nehmen – darauf hoffen jedenfalls auch die Stifter von „Filippas Engel“.