Archivierter Artikel vom 04.09.2010, 14:41 Uhr
Berlin

Deutschland im TV-Kaufrausch – bald auch in 3-D?

Zur 50. Funkausstellung IFA boomt das Geschäft: In Deutschland werden Fernseher gekauft wie nie. Mit dem Zauberwort 3-D will die Branche den Absatz noch ankurbeln. Wermutstropfen: Die Preise sinken nicht mehr so schnell wie früher.

Fernsehen in der dritten Dimension – einer der maßgeblichen Trends auf   der diesjährigen Internationalen Funkausstellung in Berlin. Noch ist es   aber bei einzelnen Gehversuchen geblieben.
Fernsehen in der dritten Dimension – einer der maßgeblichen Trends auf der diesjährigen Internationalen Funkausstellung in Berlin. Noch ist es aber bei einzelnen Gehversuchen geblieben.
Foto: dpa

Berlin – Zur 50. Funkausstellung IFA boomt das Geschäft: In Deutschland werden Fernseher gekauft wie nie. Mit dem Zauberwort 3-D will die Branche den Absatz noch ankurbeln. Wermutstropfen: Die Preise sinken nicht mehr so schnell wie früher.

Vor einem Jahr wurde auf der Funkausstellung IFA noch heftig diskutiert, ob sich jemand tatsächlich mit einer klobigen Brille ins Wohnzimmer setzt, um einen Film in 3-D auf dem Fernseher zu erleben. Die Verbraucher scheinen die Zweifler inzwischen widerlegt zu haben. In Deutschland wollen sich 41 Prozent der Kunden in den kommenden drei Jahren ein Gerät kaufen, mit dem sie dreidimensionale Filme ansehen können, ergab eine Umfrage. Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GFU) veröffentlichte die Zahlen pünktlich zur diesjährigen IFA (3. bis 8. September) die die Kunden auch für 3-D-Fernseher begeistern soll.

Etwa 40 000 Geräte für dreidimensionales Fernsehen sind in Deutschland bisher verkauft worden, wie der Verband Bitkom auf der Grundlage von Daten des Marktforschers GfK mitteilte. Schon zum Jahresende rechne man mit einer sechsstelligen Zahl an 3-D-tauglichen Geräten, erklärte Kai Uwe Marner, Vorsitzender der Blu-ray Group Deutschland.

Kino weckt Interesse

Das Interesse dürfte vor allem Kinofilmen wie „Avatar„ gelten. Der Fantasy-Streifen hat mit seinen blauen 3-D-Helden weltweit schon mehr als 2,7 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) eingespielt und den bis dahin kommerziell erfolgreichsten Film „Titanic“ überrundet. Doch bislang ist das Filmangebot dünn. Auch „Avatar„ gibt es noch nicht in 3-D zu kaufen. Seinen Kunden in Amerika bietet der Onlinehändler Amazon einen Benachrichtigungsservice an, um rechtzeitig zu erfahren, wann es so weit ist. In Deutschland offeriert Samsung den Käufern seiner 3-D-Fernseher ein Paket mit zwei Spezialbrillen und dem Animationsfilm „Monsters vs. Aliens“. Wann Kinofilme in nennbarer Stückzahl in 3-D verfügbar sein werden, steht noch aus.

Die ersten 3-D-tauglichen Fernseher kamen im Frühjahr in die Läden. „Die kleinen Mengen, die geliefert werden, sind in zwei bis drei Tagen wieder weg„, heißt es beim Händlerverband BVT. Der Verbundhändler ElectronicPartner bestätigt: „Im Markt herrscht Knappheit.“ Dabei wird die breite Masse der Käufer laut BVT-Geschäftsführer Willy Fischel mit 3-D-Fernsehern noch gar nicht erreicht.

Ein Problem: Wer sich jetzt einen 3-D-Fernseher zulegt, wird auf dreidimensionale Fernsehsendungen auf absehbare Zeit weitgehend verzichten müssen. ARD und ZDF etwa haben erst vor Kurzem ihr Programm komplett auf das hochauflösende HDTV umgestellt – und damit auch noch genug zu tun. Von der ARD heißt es dazu nur: „Wir beobachten natürlich die Entwicklung – im Moment ist 3-D aber kein Thema für die ARD."

Nur erste Gehversuche

Bisher ist es bei einzelnen Gehversuchen geblieben. Panasonic übertrug im Juni Tennisspiele der French Open in 3-D – zu sehen im Hamburger Tennisstadion sowie bei Fachhändlern. Sony versuchte sich an Übertragungen von der Fußball-WM in Südafrika. DemoKanäle für 3-D gibt es bei den Satelliten-Anbietern Astra und Eutelsat.

Bei den neuen Fernsehern ist das 3-D-Erlebnis zudem nur mit einer sogenannten Shutterbrille möglich. Über ein Signal öffnen und schließen sich die Gläser im Wechsel, so entsteht der 3-D-Effekt. Ohne Brille ginge das nur aus bestimmten Betrachtungswinkel, erklärt Sharp-Sprecher Martin Beckmann. Andere technische Lösungen seien derzeit schlichtweg zu teuer.

Michael Kieffer