Archivierter Artikel vom 29.03.2012, 09:18 Uhr

Debeka-Vorstand Laue zum Thema: Haben private Krankenversicherer eine Zukunft?

Die derzeitige Diskussion über die Zukunft des deutschen Krankenversicherungssystems und der privaten Krankenversicherung (PKV) wird zum Teil sehr emotional, ideologisch motiviert und mit vielen Vorurteilen sowie objektiv falschen Aussagen geführt. Deshalb ist eine Versachlichung der Debatte dringend erforderlich.

Die Kritiker einer Zweiklassenmedizin frohlocken: Immer mehr  Politiker und jetzt auch AOK-Bundeschef Jürgen Graalmann fordern ein  Ende der privaten Krankenversicherung. Debeka-Vorstand Uwe Laue warnt  jedoch, dass auch die Beiträge der gesetzlichen Kassen drastisch steigen  werden.
Die Kritiker einer Zweiklassenmedizin frohlocken: Immer mehr Politiker und jetzt auch AOK-Bundeschef Jürgen Graalmann fordern ein Ende der privaten Krankenversicherung. Debeka-Vorstand Uwe Laue warnt jedoch, dass auch die Beiträge der gesetzlichen Kassen drastisch steigen werden.
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Die derzeitige Diskussion über die Zukunft des deutschen Krankenversicherungssystems und der privaten Krankenversicherung (PKV) wird zum Teil sehr emotional, ideologisch motiviert und mit vielen Vorurteilen sowie objektiv falschen Aussagen geführt. Deshalb ist eine Versachlichung der Debatte dringend erforderlich.

„Gefordert ist – ganz im Sinne des neuen Bundespräsidenten Joachim  Gauck – mehr Eigenverantwortung des Einzelnen. Hierfür steht die PKV.“
„Gefordert ist – ganz im Sinne des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck – mehr Eigenverantwortung des Einzelnen. Hierfür steht die PKV.“

Hier die Fakten: Das deutsche Gesundheitssystem ist im internationalen Vergleich eines der besten. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die Existenz des nebeneinander bestehenden Systems aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung, das den Preis- und Qualitätswettbewerb fördert und damit eine Versorgung auf hohem Niveau gewährleistet.

Dabei leistet die private Säule einen überproportional hohen Beitrag zur medizinischen Infrastruktur, die wiederum allen Versicherten zugutekommt. Das deutsche Krankenversicherungssystem ist zwar eine historisch gewachsene Besonderheit, es hat sich aber bewährt und führt zu vergleichsweise hochwertigen Ergebnissen. Wer dieses System abschaffen will, braucht gute, nachvollziehbare Argumente.

Die demografische Entwicklung ist auch und gerade für die Krankenversicherung eine der größten Herausforderungen. Immer weniger Jungen stehen immer mehr Alte gegenüber. Die private Krankenversicherung hat hier die passende Antwort, da die Versicherten mit ihren Beiträgen Alterungsrückstellungen ansparen, die im Alter, wenn die Krankheitskosten steigen, aufgelöst werden. Die Höhe dieser Rücklagen beläuft sich mittlerweile auf 170 Milliarden Euro.

Die PKV ist damit wesentlich demografiefester als die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), die lediglich Beiträge umverteilt und keinerlei Vorsorge für die nachfolgenden Generationen betreibt. Zudem ist die GKV – im Gegensatz zur PKV – jährlich auf staatliche Zuschüsse in Milliardenhöhe angewiesen, die im Übrigen auch durch Steuerzahlungen der Privatversicherten finanziert werden. Führende Wissenschaftler sagen bereits eine Explosion des Beitragssatzes von heute etwa 15 Prozent auf bis zu 30 Prozent im Jahr 2050 voraus – oder ersatzweise eine drastische Kürzung der medizinischen Leistungen. Vor diesem Hintergrund muss die Fragestellung eigentlich lauten: Hat die GKV noch eine Zukunft?

Immer wieder ist die Rede von hohen Beitragssteigerungen in der PKV. Dabei wird ignoriert, dass die Beiträge sowohl in der GKV als auch in der PKV steigen. Grund hierfür ist die „medizinische Inflation“ – die Leistungsausgaben wachsen aufgrund des medizinischen Fortschritts und der Alterung der Gesellschaft stärker als die allgemeine Inflation. Während die gesetzlichen Kassen auf die im Grunde positive Entwicklung des Älterwerdens mit steigenden Beitragssätzen, aber auch mit Leistungskürzungen reagieren, kann in der PKV der einmal vereinbarte Leistungsumfang nicht einseitig reduziert werden. Notwendige Beitragsanpassungen treffen aber gerade nicht die ältere Bevölkerung, da die PKV schon vor Jahren Maßnahmen ergriffen hat, die den Beitragsanstieg im Alter begrenzen. Bei der Debeka zum Beispiel zahlt der 90-jährige durchschnittlich keinen höheren Beitrag als der 65-jährige Versicherte. Mehr noch: Die Beiträge sinken tendenziell sogar im hohen Alter.

Trotzdem fordern die Gegner der PKV deren Abschaffung und Einverleibung in eine Einheitskasse, die den gut klingenden Namen Bürgerversicherung trägt. Um es deutlich zu sagen: Die Bürgerversicherung löst kein einziges Problem des Gesundheitswesens in Deutschland. Sie lässt sich aber politisch als gerecht und solidarisch verkaufen. Ein System, das mit 90 Prozent der Bevölkerung nicht funktioniert, funktioniert auch nicht mit 100 Prozent.

Erfahrungen in Ländern mit einem einheitlichen Krankenversicherungssystem zeigen, dass wegen des fehlenden Wettbewerbs zwischen den Systemen letztlich der Staat entscheidet, welche Leistungen erbracht und welche Beiträge zu zahlen sind. Zu welchen Ergebnissen ein solches Einheitssystem führt, zeigt der Blick nach England, wo Patienten oft monatelang auf notwendige Operationen warten oder Behandlungen ganz versagt werden, weil der Patient zu alt oder die Behandlung unwirtschaftlich ist. Wollen wir solche Verhältnisse wirklich auch in Deutschland?

Eine echte Alternative ist die Einführung einer Bürgerzwangsversicherung sicher nicht. Sie ist allenfalls ideologisch zu rechtfertigen. Vielmehr sollte das bestehende und bewährte System weiterentwickelt werden. Der Ruf nach dem Staat, der alles regelt, ist auch in der Krankenversicherung nicht angebracht. Gefordert ist – ganz im Sinne des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck – mehr Eigenverantwortung des Einzelnen. Hierfür steht die PKV. Sie begegnet den Herausforderungen der Zukunft besser als die GKV.

Wie das konkret funktioniert, zeigt die Debeka, die mit 2,2 Millionen Vollversicherten ein Viertel des PKV-Markts repräsentiert. Durch ihre Rechtsform als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit kann sie sich voll auf die Interessen ihrer Mitglieder konzentrieren. Allein seit 2000 hat sie fast eine halbe Million neue Kunden hinzugewonnen, von denen laut Marktforschungsstudien 98,2 Prozent zufrieden sind.

Zu guter Letzt: Die Abschaffung der privaten Krankenversicherung würde eine Vielzahl von Arbeitsplätzen kosten. Die Debeka beschäftigt bundesweit über 16.000 Menschen, davon allein in Koblenz mehr als 3.000. Sie zahlt circa ein Drittel des Gewerbesteueraufkommens der Stadt Koblenz. Die Folgen einer Abschaffung der PKV für Koblenz liegen auf der Hand.

Von Uwe Laue