Archivierter Artikel vom 14.06.2011, 08:41 Uhr
Duchroth

Das 560 Einwohner kleine Duchroth/Bad Kreuznach: Ein Dorf, das auch junge Leute lieben

Im Herzen ging es los. 1982. Damals restaurierten die Duchrother ihr historisches Rathaus. Gut, für diese Mammutaufgabe zahlte das 560 Einwohner kleine Dorf im Kreis Bad Kreuznach dann auch 22 Jahre lang ab. Doch die Wirkung war atemberaubend.

Dörfer, die aus dieser Situation das Beste gemacht haben – auch die gibt es. Zum Beispiel Duchroth im Kreis Bad Kreuznach. Sandra Dupont (links) und Gabi Dupont-Biesalski vor ihrem 1998/1999  an Duchroths Wassergasse restaurierten Gebäude. In zwei Wohnungen leben  heute zwei Familien.
Dörfer, die aus dieser Situation das Beste gemacht haben – auch die gibt es. Zum Beispiel Duchroth im Kreis Bad Kreuznach. Sandra Dupont (links) und Gabi Dupont-Biesalski vor ihrem 1998/1999 an Duchroths Wassergasse restaurierten Gebäude. In zwei Wohnungen leben heute zwei Familien.
Foto: Stefan Munzlinger

Duchroth. Im Herzen ging es los. 1982. Damals restaurierten die Duchrother ihr historisches Rathaus. Gut, für diese Mammutaufgabe zahlte das 560 Einwohner kleine Dorf im Kreis Bad Kreuznach dann auch 22 Jahre lang ab. Doch die Wirkung war atemberaubend.

„Genau richtig“, findet Ortsbürgermeister Manfred Porr, 61 und seit 1984 im Amt, noch heute. Denn mit dem Rathaus hat sich auch das Denken verändert.

Dorferneuerung im echten, unbürokratischen Sinn – das ist es, worum was sich die Generationen seither merklich mühen. Das ist es, warum es auch die ganz Jungen selbstverständlich finden, sich die Scheune ihrer Großeltern aufwendig herzurichten.

Erste Landespreise, ob für Erneuerung, Umwelt und Spielleitplanung, sind die Folgen, nicht Auslöser der Entwicklung Duchroths zum heimeligen Wohn- und Wohlfühldorf. Das Weinörtchen liegt auf den Nahehöhen; von hier hat man einen guten Überblick über den Kreis Bad Kreuznach, in nahezu alle Himmelsrichtungen. Von oben aus betrachtet, erkennt man die Ordnung, die alle eint.

Alles rankt sich ums Zentrum

Ob große oder kleine Gemeinde – es rankt sich alles um ein Zentrum. Baulich ist es in Duchroth das Rathaus, ideell ist es die Geschichte, die sich nicht nur in Chroniken widerspiegelt, sondern auch im hellwachen Bewusstsein seiner Menschen. Keine Hülse, es ist so! Wer spontan durchs Dorf läuft und die Leute auf der Gass' anspricht, erfährt sofort etwas – über die Historie eines Hauses, einer Straße, der Region. Nicht, dass es nicht auch in anderen Dörfern geschichtskundige Menschen gibt. Doch in Duchroth scheinen es viele zu sein, und sie überzeugen, ja begeistern mit Freundlichkeit. „Wir bauen auf Geschichte“, sagt Ortsbürgermeister Porr, „wir haben eine riesengroße Tradition.“

Die Stimmung stimmt, das Gemeinsame, das Verbindende

Das ist es: Die Stimmung stimmt, das Gemeinsame, das Verbindende. Wo das ist, will man bleiben, sich ein Haus bauen, gar ein altes Gebäude sanieren? Der Duchrother würde wohl antworten: „Ja!“

Organisch ans Dorf angepasst: Das Neubaugebiet an der Weed, 40 Plätze sind verkauft, 20 sind noch frei. Schön für jeden, der hier baut. Er ist willkommen, nicht ausgegliedert, sagt Porr, der selbst 1985 neu gebaut hat und dem sein Heim noch immer gut gefällt, weil er damals bauen konnte, wie er wollte. Und dennoch ist er überzeugter Dorfkern-Fan. Sein Rat: „Kein Dogma draus machen. Wer den Dorfkern retten will, soll kein Baugebiet ausweisen dürfen? Falsch!“ Allerdings ist ihm wichtig, dass die Zahl der Neubauten nicht die Entwicklungen im Dorf überholt. Ein bis zwei Häuser im Jahr, das reicht.

So stehen der „Weed“ 40 Erneuerungsprojekte im Ort gegenüber, „keinerlei Schickimicki-Dinger“, sondern alles ernsthafte und auf Langfristigkeit angelegte Vorhaben, betont Porr, der um die zeitintensive Vorbereitung fast jedes einzelnen Objektes weiß: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“

Es kann sich rechnen, ein altes Haus zu bewohnen

Die Bauherren im Dorfkern sind nicht nur aus ideellen Gründen aktiv, sondern auch, weil es sich rechnen kann, ein altes Haus zu bewohnen. Man kann früher einziehen und dann im Haus weiterarbeiten. Bei einem Neubau laufen die Kreditbelastungen und die Miete der Altwohnung weiter. Doch grundsätzlich gilt: „Bauherr und altes Haus müssen zueinander passen“, erklärt Ortsbürgermeister Manfred Porr, „man muss in dem Gebäude auch wirklich leben wollen.“

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger