Archivierter Artikel vom 07.02.2016, 15:37 Uhr
Mainz

Bundesbank-Sprecher: Können nur spekulieren, wo das Geld liegt

Wer D-Mark in Euro umtauschen möchte, muss das bei der Bundesbank tun. Wie das geht und warum mehrere Milliarden D-Mark noch nicht abgegeben wurden, erläutert Michael Schiff, Sprecher der Bundesbank-Hauptverwaltung in Mainz. Das Interview:

Günther Jauch fordert die Schlafmünzen zurück: Mit dieser Kampagne setzte sich die Bundesbank 2001 für den Umtausch von D-Mark-Ersparnissen ein und dabei auf ein prominentes TV-Gesicht. Das Geld floss nicht komplett zurück. Foto: dpa
Günther Jauch fordert die Schlafmünzen zurück: Mit dieser Kampagne setzte sich die Bundesbank 2001 für den Umtausch von D-Mark-Ersparnissen ein und dabei auf ein prominentes TV-Gesicht. Das Geld floss nicht komplett zurück.
Foto: dpa

Dass immer noch 12,82 Milliarden D-Mark im Umlauf sind, hat zuletzt ein mediales Echo ausgelöst. Auch aus dem Einzelhandel gab es Reaktionen. Haben Sie so einen Rummel um die D-Mark erwartet?

Gegen Ende eines Jahres werden solche Themen gern aufgegriffen. Wir haben auch mitbekommen, dass einige Einzelhändler Zahlungen in D-Mark wieder oder immer noch ermöglichen. Das Geld kommt dann aber über kurz oder lang ohnehin zur Bundesbank und wird in unseren Filialen in Euro umgetauscht. Wie viel D-Mark noch im Umlauf sind, veröffentlichen wir monatlich.

Eigentlich müssten Sie Aktionen wie jene von Kaufland unterstützen, denn sie erhöhen die Chance, dass ausstehende D-Mark-Bestände noch umgetauscht werden.

Solche Aktionen ändern nichts daran, dass der Rückfluss immer langsamer wird. Zur Euro-Einführung gab es Kampagnen, die zum D-Mark-Umtausch aufgefordert haben. Ich erinnere mich an Plakate mit Günther Jauch, der die sogenannten Schlafmünzen aus den Wohnzimmern der Republik zurückforderte. Mittlerweile dürfte auch ein Teil des Geldes, vor allem Münzen, unwiderruflich verloren sein.

Gibt es eine Frist, bis wann die D-Mark umgetauscht werden muss?

Der Umtausch ist ohne betragliche oder zeitliche Begrenzung möglich. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ein Teil des Geldes noch nicht zurückgebracht wurde: Es gibt keinen zeitlichen Druck.

Welche Gründe sehen Sie noch, warum immer noch mehrere Milliarden D-Mark im Umlauf sind?

Über die Gründe können wir nur spekulieren. Vielen ist der Aufwand vielleicht zu groß, entweder bei einer Bundesbank-Filiale vorbeizukommen oder ihr Geld an die Bundesbank per Post zu schicken – erst recht, wenn es sich um kleine Beträge, insbesondere Münzen, handelt. Gerade Münzen oder kleine Stücklungen wie der 5-DM-Schein werden auch als Andenken aufbewahrt. Darüber hinaus wurde und wird Bargeld gehortet. Es gab Fälle, da waren größere D-Mark-Bestände in Gardinen eingenäht oder in der Garage vergraben. Im Zuge eines Erbfalls kam es dann zum Umtausch. Auch wenn das Umtauschvolumen langfristig rückläufig ist, unsere Mitarbeiter in den Bundesbank-Filialen haben noch täglich D-Mark in der Hand und tauschen diese kostenfrei um.

Was muss man beachten, wenn man D-Mark bei der Bundesbank umtauschen will?

In unseren 35 Filialen ist es unproblematisch, D-Mark direkt am Schalter zu tauschen. Wer das Geld per Post an uns schickt, sollte sich überlegen, die Sendung zu versichern. Bei größeren Beträgen ab einem Gegenwert von 1000 Euro sind Angaben zur Person und gegebenenfalls zur Herkunft des Geldes zu machen. Denn auch für alte D-Mark-Beträge gelten die Bestimmungen im Rahmen des Geldwäschegesetzes. Ist das Geld nicht mehr in einem passablen Zustand und etwa im Keller von Mäusen angeknabbert worden, wie es auch schon vorgekommen ist, ist es ein Fall für unser Analysezentrum in Mainz. Dann kann der Umtausch sich noch etwas hinziehen.

Das Fragen stellte unser Reporter Christoph Erbelding