Archivierter Artikel vom 05.10.2011, 06:42 Uhr
Andernach

Bilanz der Unfallkasse: Am meisten passiert in den Schulen

Die Zahlen sind eindrucksvoll: An den Schulen und Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz sind im vergangenen Jahr mehr als 6400 leichte und mittelschwere Kopfverletzungen gemeldet worden. Dazu kamen noch noch gut 6100 Sprunggelenksverletzungen sowie rund 2400 Zahnverletzungen. In all diesen Fällen musste die Unfallkasse Rheinland-Pfalz aktiv werden. Und doch ist das nur ein Teil der Aufgaben, für die die Einrichtung mit Sitz in Andernach (Kreis Mayen-Koblenz) zuständig ist. Das gesamte Spektrum ist noch wesentlich größer.

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Andernach – Die Zahlen sind eindrucksvoll: An den Schulen und Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz sind im vergangenen Jahr mehr als 6400 leichte und mittelschwere Kopfverletzungen gemeldet worden. Dazu kamen noch noch gut 6100 Sprunggelenksverletzungen sowie rund 2400 Zahnverletzungen. In all diesen Fällen musste die Unfallkasse Rheinland-Pfalz aktiv werden. Und doch ist das nur ein Teil der Aufgaben, für die die Einrichtung mit Sitz in Andernach (Kreis Mayen-Koblenz) zuständig ist. Das gesamte Spektrum ist noch wesentlich größer.

Was ist eigentlich die Unfallkasse Rheinland-Pfalz?

Die Unfallkasse ist eine gesetzliche Unfallversicherung. Damit ist sie zum einen dafür zuständig, Arbeits- und Wegeunfälle sowie Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten. Sollte es doch zum Unfall oder einer Berufskrankheit kommen, dann muss die Unfallkasse die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Versicherten mit allen geeigneten Mitteln wiederherstellen.

Wer ist in der Unfallkasse versichert?

Zu den Versicherten gehören zum einen Beschäftigte im öffentlichen Dienst, also Arbeiter, Angestellte und Auszubildende, die für Gemeinden, Gemeindeverbände, Verwaltungen oder auch Landesbetriebe arbeiten. Der Mitarbeiter im Rathaus gehört demnach ebenso dazu wie der Straßenwärter vom Landesbetrieb Mobilität oder die Krankenschwester aus einer öffentlichen Klinik. „Außerdem“, ergänzt Beate Eggert, Geschäftsführerin der Unfallkasse, „sind wir zuständig für alles, was Kinder, Schüler und Studierende in ihrem Bildungsdasein erleben.“ An dieser Stelle kommen die eingangs erwähnten Schulunfälle ins Spiel.

Darüber hinaus sind auch alle freiwilligen Feuerwehrleute in der Unfallkasse versichert, ebenso wie zum Beispiel Wahlhelfer oder Zeugen vor Gericht. Haben sie im Zuge ihrer Tätigkeit einen Unfall, werden sie ein Fall für die Unfallkasse. Das gilt auch für Menschen, die bei einem Unfall Erste Hilfe leisten und dabei selbst verletzt werden. Während der Hilfeleistung sind sie automatisch über die Unfallkasse versichert. Insgesamt kommen so immerhin rund 1,5 Millionen Versicherte in Rheinland-Pfalz zusammen.

Wie viele Fälle bearbeitet die Unfallkasse denn im Jahr?

Insgesamt wurden der Unfallkasse im vergangenen Jahr gut 90 000 Versicherungsfälle gemeldet. Davon entfallen gut 80 Prozent auf die Schüler-Unfallversicherung. Wie aus dem Geschäftsbericht 2010 hervorgeht, leben die Versicherten an den Allgemeinbildenden Schulen am gefährlichsten: Im Schnitt kommen auf 1000 Versicherte 126,7 Versicherungsfälle. Am sichersten sind die ehrenamtlich Tätigen. Bei ihnen liegt der Schnitt bei 0,2 Fällen pro 1000 Versicherte.

Bei 75 Prozent der gemeldeten Versicherungsfälle handelt es sich im Übrigen um leichte oder Bagatellunfälle. 20 Prozent fallen in die Kategorie der mittelschweren Unfälle. Bei den verbleibenden 5 Prozent handelt es sich um schwerste bis tödliche Unfälle.

Hat die Unfallkasse noch weitere Aufgaben?

Rehabilitation und Entschädigung der Versicherten sind nur ein Teil in der Arbeit der rheinland-pfälzischen Unfallkasse. Ein weiteres großes Arbeitsfeld ist die Prävention, damit es erst gar nicht zu solchen Unfällen kommt. Deshalb bietet die Unfallkasse für ihre Versicherten unter anderem ein breites Spektrum an Seminaren an. Allein im vergangenen Jahr waren es fast 220 Schulungen mit mehr als 4500 Teilnehmern. Ein Aspekt der Prävention ist zum Beispiel die Gesundheit am Arbeitsplatz. „Der demografische Wandel bringt eine verlängerte Lebensarbeitszeit mit sich“, erläutert Beate Eggert. „Vor diesem Hintergrund kommt der Frage, ob ein Arbeitsplatz gesundheitsverträglich ist, höchste Bedeutung zu.“ Das betrifft sowohl die technische Sicherheit als auch die Frage nach psychologischen Belastungen der Mitarbeiter.

Ein anderer Aspekt ist die Unfallprävention. „Wenn ein Unfall passiert ist, dann schauen sich unsere Fachleute das Geschehene an und überlegen, wie so ein Unfall künftig verhindert werden kann“, berichtet Eggert.

Wer arbeitet für die Unfallkasse?

Die vielfältigen Aufgaben der Unfallkasse werden am Standort Andernach von insgesamt 164 Beschäftigten erledigt. Darunter sind 15 Auszubildende.

Aus welchen Quellen finanziert sich denn die Unfallkasse Rheinland-Pfalz?

Das Haushaltsvolumen der Unfallkasse beträgt für das laufende Jahr rund 64 Millionen Euro. Dieses Geld sprudelt aus drei Quellen. Mit 45 Millionen Euro leisten die Kommunen den größten Anteil zur Finanzierung der Unfallkasse. Das Land Rheinland-Pfalz zahlt weitere 11 Millionen Euro aus unmittelbaren Steuergeldern, die restlichen 8 Millionen Euro kommen von Privathaushalten sowie rechtlich selbstständigen Unternehmen des Landes oder der Kommunen wie zum Beispiel den Sparkasse.

Und wofür gibt die Unfallkasse ihr Geld aus?

Rund drei Viertel des Haushaltsvolumens, etwa 48 Millionen Euro, entfallen auf die Rehabilitation und Entschädigung der Versicherten, die einen Unfall gemeldet haben. Für die Prävention gibt die Unfallkasse etwa 8 Prozent des Geldes aus, Verwaltungs- und Verfahrenskosten machen einen Anteil von etwa 10 Prozent aus. Die verbleibenden 6 Prozent bilden das Vermögen der Unfallkasse. „Wir verbrauchen Steuergelder. Und damit wollen wir sehr sorgfältig umgehen“, betont Beate Eggert.

Warum hat die Unfallkasse ihren Sitz in Andernach?

Das ist der Historie geschuldet. Mit Auflösung der Rheinprovinz nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Akten von Düsseldorf, dem Verwaltungssitz für den Provinzialverband Rheinprovinz, nach Andernach verlagert. Das begründete den Standort Andernach zunächst als vorläufigen Sitz der Unfallkasse Rheinland-Pfalz. Erst 1998 wurde das Wörtchen „vorläufig“ gestrichen und Andernach zum ständigen Sitz der Unfallkasse erklärt.

Im Internet ist die Unfallkasse Rheinland-Pfalz unter der Adresse www.ukrlp.de zu finden.

Von unserem Redakteur Hilko Röttgers