Archivierter Artikel vom 06.01.2016, 20:11 Uhr
Köln

„Armlänge“: Viel Häme für Reker

Es ist die ganz große Bühne, auf der Henriette Reker sitzt. Nicht der Raum ist groß, aber das Interesse. Kaum zählbare Kameras, Journalisten aus unterschiedlichen Ländern, eine Traube Mikrofone vor ihr. Nicht nur Deutschland ist schockiert über die sexuellen Übergriffe, denen Frauen in der Silvesternacht in Köln ausgesetzt gewesen sein sollen. Und Henriette Reker wird gefragt, wie sich Frauen besser schützen können.

Es ist eine von vielen Fragen an diesem Tag, und sie antwortet. Und sie löst eine Empörungswelle aus. „Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft“, sagt Reker. Und weiter: „Also von sich aus schon gar nicht eine große Nähe zu suchen zu Menschen, die einem fremd sind, zu denen man kein gutes Vertrauensverhältnis hat.“ Es dauert nicht lange, bis in den sozialen Netzen die Hashtags einearmlaenge und armlaenge kursieren. Viele halten die Äußerungen für unpassend und verharmlosend.

Nicht die Frauen benötigen Verhaltensregeln …

„Nicht Frauen brauchen Verhaltensregeln, sondern Männer, die keine Grenzen kennen. Wieso sollte das Opfer sich einschränken?“, schreibt ein Nutzer. Twitter-typisch gibt es auch schnell die Gegenempörung: „Ist bald mal gut damit? War unbeholfen formuliert. Punkt. Was Ähnliches hat schon Mama gesagt, als ich '92 in die Disco ging.“ Auch außerhalb der sozialen Netze wird Reker kommentiert. Frauenrechtlerin Alice Schwarzer sagt: „Es ist wahrscheinlich gut gemeint, aber natürlich wahnsinnig naiv.“

Am Mittwoch stellt Reker dann klar, dass sie verkürzt dargestellt worden sei. „Vorrang hat, dass die Sicherheit auf unseren Straßen und Plätzen konkret hergestellt wird“, erklärt sie. Verhaltenstipps könnten natürlich nur nachrangig sein.

Jonas-Erik Schmidt