Archivierter Artikel vom 31.05.2014, 06:02 Uhr
Rheinland-Pfalz

2014 ist Schluss in der Eifel: Götterdämmerung bei „Rock am Ring“

Marek Lieberberg ist die Betroffenheit noch deutlich anzuhören: „Es wird 2015 kein Rock am Ring mehr in der Eifel geben.“ Ein Paukenschlag für die Rennstrecke und eines der größten Rockfestivals Europas.

Marek Lieberberg,
Marek Lieberberg,

Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius

Nach 29 Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit ist dem Frankfurter Konzertveranstalter von den neuen Betreibern des Rings zum Jahresende gekündigt worden, am Freitag gab es ein letztes Gespräch, bei dem laut Lieberberg keine Einigung zu erzielen war: „Den neuen Herren des Rings geht es nur um die Gewinnmaximierung – die Geschichte des Festivals und der Zusammenarbeit ist ihnen offenbar völlig egal.“

Kosten höher als bei vergleichbaren Festivals

Die neuen Betreiber, vertreten durch Geschäftsführer Carsten Schumacher, hätten gefordert, ihren Anteil am Ertrag des Festivals von bisher einem Drittel um 25 Prozent zu erhöhen. „Da können wir nicht mehr mit“, so Lieberberg: Allein schon wegen der besonderen topografischen Situation – also der Lage des Festivalortes oder etwa der Einrichtung des Zeltplatzes – seien die Kosten für die Veranstaltung beispielsweise um etwa 2,5 bis 3 Millionen Euro höher als beim Schwesterfestival Rock im Park.

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Im Sommer 2014 wird das legendäre Musikfestival „Rock am Ring“ in der Eifel zum letzten Mal stattfinden. Diese Nachricht kommt überraschend. Was soll man dazu sagen?

Unfassbar! Das macht mich traurig!
66%
698 Stimmen
„Rock am Ring“ hat an Glanz verloren. Es wurde immer weniger geboten, dafür mehr Eintritt verlangt.
26%
268 Stimmen
Das ist mir egal! Ich höre nur Schlagermusik.
5%
54 Stimmen
Ich mag nur den „Truck-Grand-Prix“.
3%
30 Stimmen

Marek Lieberberg ist von dem Ende seines Festivals am Nürburgring enttäuscht: „Heute morgen waren wir hier alle voller Trauer und Nostalgie.“ Und er macht kein Geheimnis daraus, dass er vom Vorgehen der neuen Geschäftsführung entsetzt ist: „Da ist es offenbar noch nicht genug mit den Milliardenverlusten für den Steuerzahler – jetzt wird versucht, aus den Dingen, die es noch gibt, ein Maximum an Profit zu pressen.“

Besonders ärgert den Konzertveranstalter, dass schon vor den Vertragsverhandlungen mit seiner Agentur offenbar mit anderen Anbietern Verhandlungen geführt wurden, um eine Drohkulisse aufzubauen: „Sie können sich vorstellen, wie peinlich das für mich ist, wenn ich von Musikern erfahre, dass mit unterschiedlichen Veranstaltern am Ring verhandelt wird.“

Mit der von der Ring-Geschäftsführung gewünschten Beteiligung hätte sich Rock am Ring für Marek Lieberberg nach eigener Aussage nicht mehr gerechnet: „Durch die hohen allgemeinen Kosten am Ring ist für uns jetzt die Grenze erreicht“, rechnet er vor. „Schon jetzt müssen wir mindestens die Zahl von 70.000 Zuschauern erreichen, damit der Punkt der Rentabilität erreicht werden kann.“ Das ist ein hohes Ziel, das seinen Angaben nach auch in diesem Jahr trotz gestiegener Eintrittspreise erreicht werden wird, wenn auch – im Gegensatz zum vergangenen Jahr – eine Woche vor Festivalstart noch Festival- und Tageskarten erhältlich sind: „Wir sind jetzt bei rund 70.000 Besuchern, aber so eine Spitzenzahl wie im Vorjahr mit 85.000 Besuchern und mehr wird es wohl nicht werden.“

Fish von Marillion bei Rock am Ring 1985. Foto: Jochen Magnus

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Joe Cocker bei Rock am Ring 1985. Foto: Jochen Magnus

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Heiß war es bei Rock am Ring 1985. Die Menge wurde mit Feuerwehrschläuchen gekühlt. Foto: Jochen Magnus

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…und noch einmal Fish.

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Wer steht da auf dem Dach? Rock am Ring 1985. Foto: Jochen Magnus

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Ist's Bono von U2? Foto: Jochen Magnus

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Huey Lewis bei Rock am Ring 1985. Foto: Jochen Magnus

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Das Publikum geht mit bei Rock am Ring 1987. Foto: Jochen Magnus

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Herwig Mitteregger. Sänger und Schlagzeuger von der Gruppe „Spliff“ bei Rock am Ring 1986. Foto: Jochen Magnus

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Herwig Mitteregger mit einem Dejá Vue („Der rote Hugo hängt tot im Seil… die Leiche stinkt nach Shit…“). Sänger und Schlagzeuger von der Gruppe „Spliff“. Foto: Jochen Magnus

Jochen Magnus

Rock am Ring 1986. Foto: Jochen Magnus

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Simply Red bei Rock am Ring 1986. Foto: Jochen Magnus

Jochen Magnus

Simply Red bei Rock am Ring 1986. Foto: Jochen Magnus

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Simply Red bei Rock am Ring 1986. Foto: Jochen Magnus

Jochen Magnus

Rock am Ring 1986. Foto: Jochen Magnus

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„Talk Talk“ bei Rock am Ring 1986. Foto: Jochen Magnus

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Gute Aussicht auf Rock am Ring 1986. Foto: Jochen Magnus

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David Bowie mit Tanzpartnerin. Rock am Ring 1987. Foto: Jochen Magnus

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Hallo, hier David, wer da? Bowie bei Rock am Ring 1987. Foto: Jochen Magnus

Jochen Magnus

David Bowie bei Rock am Ring 1987. Foto: Jochen Magnus

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„Fleetwood Mac“ bei Rock am Ring 1988. Foto: Jochen Magnus

Jochen Magnus

„Fleetwood Mac“ bei Rock am Ring 1988. Foto: Jochen Magnus

Jochen Magnus

Rock am Ring 1988. Foto: Jochen Magnus

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Chris Rea bei Rock am Ring 1988. Foto: Jochen Magnus

Jochen Magnus

Rock am Ring war in den Höhen und Tiefen in der Diskussion um die Zukunft des Rings stets als eine wichtige Konstante wahrgenommen worden, als wichtigste – und als spektakulärste Veranstaltung außerhalb des Rennzirkus. “Als es das Hin und Her mit der EU gab und die Verunsicherung, ob es überhaupt weitergehen kann, haben sich alle Politiker hinter Rock am Ring gestellt„, erinnert sich Lieberberg. Ob Innenminister Roger Lewentz (SPD) oder CDU-Oppositionsführerin Julia Klöckner: “Sie haben bei mir angerufen und ihr Bekenntnis zu Rock am Ring abgegeben – das waren offenbar Rütli-Schwüre„, sagt Marek Lieberberg heute.

Eine Option für die Fortführung liegt in Rheinland-Pfalz

Dabei weiß er im Gegensatz zu den Ring-Betreibern eines sicher: Auch 2015 wird es ein Rock-am-Ring-Festival geben – nur eben nicht am Nürburgring: “Wir machen auf jeden Fall weiter„, bestätigte Lieberberg. “Die Namensrechte gehören ausschließlich unserer Agentur, und wir haben sechs verschiedene Optionen, wo das Festival zukünftig stattfinden kann.„ Eine davon soll in Rheinland-Pfalz verortet sein, die anderen fünf in anderen Bundesländern.

Dass es doch noch eine Einigung für den Verbleib des Festivals in der Eifel geben kann, hält Marek Lieberberg für unwahrscheinlich: “Sie haben mir ja gekündigt. Und da sehe ich keine Brücke mehr. Nein, auch wenn ich das mit großer Traurigkeit sage: Das große Jubiläumsfestival ,30 Jahre Rock am Ring' findet nicht mehr am Nürburgring statt."