Archivierter Artikel vom 28.04.2020, 12:20 Uhr

Faktencheck

„Silberwasser“: Wundermittel gegen das Coronavirus?

In den sozialen Medien werden viele Informationen darüber geteilt, welches Mittel sich für eine Behandlung oder zur Vorbeugung einer Corona-Erkrankung eignen soll. Neuerdings wird „kolloidales Silber“ angepriesen, auch „Silberwasser“ genannt. Was ist da dran?

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SARS-CoV-2
Eine Aufnahme einer Zelle (grün) mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2, gelb) infiziert.
Foto: Niaid/Europa Press/dpa

Berlin (dpa). Die einen schwören auf Knoblauch, andere auf Vitamin C. Geht es um angebliche Wundermittel gegen eine drohende Corona-Infektion scheinen der Fantasie kaum Grenzen gesetzt.

In den sozialen Medien wird zur Immunisierung oder Behandlung zudem „kolloidales Silber“ angepriesen, auch „Silberwasser“ genannt.

BEHAUPTUNG: Kolloidales Silber töte Viren ab und sei daher zur Behandlung einer Corona-Erkrankung oder zur Vorbeugung geeignet.

BEWERTUNG: Forscher halten solche Versprechen für unseriös und warnen gar vor gesundheitlichen Schäden. Es gibt keine aussagekräftigen Studien zur Wirksamkeit von Silberwasser gegen das Coronavirus.

FAKTEN: Die medizinische Anwendung von Silber war schon in der Antike bekannt, unter anderem zur Wundbehandlung. Um 1900 herum war kolloidales Silber, also in Wasser gelöste winzige Silberteilchen, ein beliebtes Desinfektionsmittel. Auch heute noch gibt es Wundverbände und Salben mit Silber.

Mit der Entdeckung von Penizillin und anderen Antibiotika ging der Einsatz von silberhaltigen Arzneimitteln zurück, erlebte aber eine Renaissance in der Alternativmedizin. Angesichts der Corona-Pandemie bieten zahlreiche Internetseiten nun Lösungen zum Kauf an und suggerieren, Silberwasser könne das Virus abtöten.

Wissenschaftliche Belege für die von Herstellern und Anbietern behauptete Wirksamkeit gegen das Virus gibt es bisher nicht. „Ob das Trinken von kolloidalem Silber etwas gegen Krankheitserreger wie das Coronavirus ausrichten kann, wurde nie seriös erforscht“, schreiben Mediziner der Donauuniversität Krems in Österreich.

Zwar zeigten Laborexperimente, dass Silberlösungen im Reagenzglas krankheitserregende Mikroorganismen bekämpfen könnten. Daraus lasse sich jedoch nicht schließen, dass kolloidales Silber auch im menschlichen Körper gegen Krankheitserreger wirke.

Schon 1999 hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA vor der Verwendung von kolloidalem Silber gewarnt und sich gegen den Gebrauch von entsprechenden Arzneimitteln ausgesprochen. Zuletzt ging die Behörde gegen mehrere Anbieter in den USA vor, die Verbrauchern auf „betrügerische“ Weise vorgetäuscht hätten, kolloidales Silber immunisiere gegen das Coronavirus.

Auch die US-Gesundheitsbehörde NIH stellt klar: „Eine Wirksamkeit oder positive Effekte für den Körper durch die Einnahme von Silber sind nicht bekannt.“ Im Gegenteil: Wird die Metallpartikel-Lösung getrunken, kann sich die Haut auf Dauer blau-grau verfärben.

Gesundheitsministerium Österreich zu Nanosilber

Mediziner der Donauuniversität Krems

US-Gesundheitsbehörde NIH

US-Arzneimittelbehörde FDA