Archivierter Artikel vom 20.05.2020, 13:42 Uhr
Berlin

Faktencheck

Klimaanlagen in Flugzeugen sind keine Virenschleudern

Sollten Flugreisen wieder möglich sein, werden sich einige Menschen möglicherweise fragen: Birgt Fliegen in Zeiten der Corona-Pandemie ein besonders hohes Infektionsrisiko?

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Airbus A380
Die Economy-Class Kabine eines Airbus A380. Klimaanlagen in Flugzeugen sind entgegen vieler Vorurteile keine Virenschleudern.
Foto: picture alliance / Christian Charisius/dpa

BEHAUPTUNG: Klimaanlagen schleudern das Coronavirus durch die Luft und erhöhen die Ansteckungsgefahr.

BEWERTUNG: Falsch. Klimaanlagen sind keine Virenschleudern.

FAKTEN: Nach Angaben des Flugzeugherstellers Airbus sorgt ein komplexes und geschlossenes Belüftungssystem in Passagiermaschinen für eine sehr saubere Luft und ein geringes Infektionsrisiko an Bord. Es sorgt dafür, dass die Luft in der Kabine alle zwei bis drei Minuten erneuert wird und der Qualität in einem Krankenhaus entspricht. „Die Luft im Flugzeug ist bei der Landung sauberer als nach dem Schließen der Türen beim Start“, sagt Airbus-Chef-Ingenieur Jean-Brice Dumont.

Die Luft im Flugzeug, eine Mischung aus Außenluft und recycelter Kabinenluft, wird in der Klimaanlage durch Hochleistungsfilter geleitet. Dabei werden Mikroteilchen abgeschieden: Partikel wie das Coronavirus können nach Angaben von Airbus mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,97 Prozent aus der Luft entfernt werden. Hinzu kommt, dass die Luft in der Kabine permanent von der Decke herabströmt und am Boden wieder abgesaugt wird. So gibt es weder seitwärts noch in Längsrichtung einen horizontalen Luftstrom, der Viren „herumschleudern“ könnte.

Die Luft in 10.000 Metern Flughöhe ist sehr trocken, mit minus 50 Grad Celsius sehr kalt und enthält kaum Sauerstoff. Der Luftdruck ist sehr niedrig. In der Passagierkabine eines Flugzeugs hingegen herrschen Luftverhältnisse, die den Bedürfnissen des Menschen hinsichtlich Temperatur, Druck, Sauerstoffgehalt, Feuchtigkeit und Qualität entsprechen müssen. Klimaanlagen sind Teil eines Systems, das diese Bedingungen herstellt und kontrolliert.

Eine Infektion durch Anhusten oder direkten Kontakt ist allerdings auch im Flugzeug möglich – gerade wenn Menschen eng beieinander sitzen und aus aller Welt zusammenkommen. „Es ist notwendig, dass die Passagiere auch im Flugzeug Masken tragen und alle Hygienemaßnahmen beachten“, erklärt Dumont. Vom Betreten des Flughafens bis zur Ankunft gebe es ein engmaschiges Sicherheitsnetz, das gelte – von der Maskenpflicht bis zur Händedesinfektion.

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