Archivierter Artikel vom 20.09.2020, 23:22 Uhr

Siegerfilm in Kanada

US-Drama „Nomadland“ gewinnt beim Filmfest in Toronto

Im bewegenden Drama „Nomadland“ spielt Frances McDormand eine Frau, die allein in ihrem Van durch den amerikanischen Westen reist. Nach dem Erfolg beim Filmfestival Venedig kann sich das Team um Regisseurin Chloé Zhaos über die nächste Auszeichnung freuen.

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Chloé Zhao
Regisseurin Chloé Zhao gewinnt mit ihren US-Drama «Nomadland» beim Filmfest in Toronto.
Foto: Richard Shotwell/Invision/AP/dpa

Toronto (dpa). Das Roadtrip-Drama „Nomadland“ von Regisseurin Chloé Zhao ist der Siegerfilm beim 45. Toronto International Film Festival (TIFF). Das gaben die Leiter des Festivals, Joana Vicente und Cameron Bailey, bekannt.

Der US-Film mit Frances McDormand in der Hauptrolle begeisterte das Publikum der kanadischen Metropole, das traditionell an Stelle einer Jury den Gewinner wählt.

„Nomadland“ erzählt die Geschichte einer Frau, die nach dem wirtschaftlichen Kollaps einer Kleinstadt allein in ihrem Van durch den amerikanischen Westen reist. Das Drama der in China geborenen Regisseurin Zhao wurde Mitte September bereits mit dem Goldenen Löwen des Filmfestivals Venedig ausgezeichnet.

TIFF-Co-Chef Bailey lobte „Nomadland“ als „wunderschön erzählte Geschichte, mit einem großartigen Gefühl für Charaktere und Landschaft“. Zhao zeige „ein Stück Amerika, das wir so nicht oft sehen. Es geht um Menschen, die ohne Zuhause leben, die wie Nomaden durch das Land reisen und dort arbeiten, wo sie einen Job bekommen“, sagte Bailey.

Regisseurin Zhao bedankte sich in einer Videonachricht beim Publikum: „Ohne euch könnten wir das alles nicht tun. Danke, dass ihr auch dieses Jahr zum Festival gekommen seid und die Filme in euren Autos oder zu Hause angesehen habt. Bitte, bitte macht das weiterhin.“

Regina Kings Regiedebüt „One Night in Miami“, das ein Treffen von Malcolm X, Muhammad Ali, Sam Cooke und Jim Brown aus dem Jahr 1964 neu interpretiert, landete auf dem zweiten Platz. Rang drei belegte das Drama „Beans“ der kanadischen Regisseurin Tracey Deers. Zum besten Dokumentarfilm wählte das Publikum Michelle Latimers „Inconvenient Indian“. Latimers Adaption von Thomas Kings Bestseller wurde zudem auch mit dem TIFF-Award für den besten kanadischen Spielfilm ausgezeichnet.

„Die Filme und Talente des diesjährigen Festivals haben uns inspiriert und bewegt“, sagte TIFF-Co-Chefin Vicente in einem Statement zum Abschluss des Festivals. „In einer Zeit, in der die Zukunft dieser Kunstform aufgrund von Film- und Produktionsstillständen sowie Absagen von Filmfestivals in Frage gestellt wurde, haben Filmschaffende, Publikum und Fans eine inspirierende Hartnäckigkeit bewiesen“, sagte Vicente.

Wegen der Corona-Krise fand das zehntägige Filmfest in Toronto in diesem Jahr ohne Staraufgebot und mit einem deutlich dezimierten Programm statt: Während in den Vorjahren regelmäßig mehr als 300 Beiträge in der Auswahl standen, konkurrierten in diesem Jahr nur 50 Filme um die Gunst der Zuschauer. Wegen der Pandemie wurden die Filme unter starken Sicherheitsauflagen in einem Kino gezeigt und ansonsten in Drive-Ins, Open-Air-Kinos sowie virtuell über eine Online-Plattform präsentiert.

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