Archivierter Artikel vom 15.02.2021, 13:52 Uhr

Corona-Pandemie

Trauriger Rosenmontag – Motto-Wagen in Düsseldorf

Was für ein trauriger Rosenmontag für die Narren! Es gibt keine Umzüge und kein ausgelassenes Treiben auf der Straße. In Düsseldorf fuhren aber wenigstens ein paar vereinzelte Wagen. Die Motive waren provokant wie immer.

Karneval in Düsseldorf
Coronavirus vs. Carnevalsvirus auf einem Mottowagen in Düsseldorf.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Köln/Düsseldorf/Mainz (dpa) – Wegen der Corona-Pandemie haben sich die Narren in diesem Jahr mit einem Rosenmontag ohne Karnevalszüge abfinden müssen. „Diese Leere – das macht auch so'n bisschen Leere im Herz, das tut einem schon sehr weh“, sagte der Kölner Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist eine ganz schwierige Zeit.“

Karneval in Düsseldorf
Kirchenkritischer Motto-Wagen mit einer Bischofsfigur im arg abgespeckten Düsseldorfer Karneval.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Die Düsseldorfer Karnevalisten schickten immerhin acht ihrer berühmten Motto-Wagen auf die Straße. Pandemiebedingt rollten die überlebensgroßen Karikaturen jedoch nicht als Zug, sondern getrennt voneinander durch die Stadt. Die Route blieb streng geheim, um Menschenansammlungen zu vermeiden. „Es geht ja darum, dass das coronakonform stattfindet“, sagte Wagenbauer Jacques Tilly der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist ein kleines Zeichen, dass wir noch am Leben sind.“

Karneval in Düsseldorf
Einmal Trump am Spieß in Düsseldorf.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Unter anderem präsentierte Tilly Ex-US-Präsident Donald Trump am Spieß über Feuer. Einem „Querdenker“ flog auf einem Denkmal das Hirn aus dem Kopf, eine Figur zeigte Armin Laschet als Angela Merkel. Provokant: Ein Priester, der die Eichel eines männlichen Glieds als Hut trägt. Dieses Werk bezeichnete Tilly als seinen „Lieblingswagen“.

Karneval in Düsseldorf
Mottowagen mit Putin und Nawalny in Düsseldorf.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Im Gegensatz zu einem „normalen“ Rosenmontagszug wurden die Pappmaché-Figuren nicht im Schritttempo von Traktoren gezogen, sondern von Transportern. Die Fahrt durch die Stadt sollte entsprechend flott im normalen Verkehrstempo ablaufen.

Karneval in Düsseldorf
«Armin Merkel»: Jacques Tilly vor einem seiner Motto-Wagen.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Auch in Köln war dieses Jahr ein Wagen von Tilly zu sehen: Die Umweltschutzorganisation Greenpeace demonstrierte damit gegen die Klimapolitik von Ministerpräsident Armin Laschet. Der Wagen zeigte den CDU-Chef mit Narrenkappe, wie er mit einem riesigen Braunkohlebagger eine Kirche im Gebiet des Tagebaus Garzweiler zwischen Köln und Aachen zum Einsturz bringt. Davon abgesehen gab es in Köln nur einen Rosenmontagszug im Miniaturformat: Das Stockpuppentheater Hänneschen hatte ihn in Szene gesetzt, verfolgt werden konnte er im WDR Fernsehen.

Karneval in Düsseldorf
Regen und kein Umzug: Karneval in Düsseldorf.
Foto: Fabian Strauch/dpa

Einzelne Kölner Karnevalisten gingen den verwaisten Weg des Rosenmontagszugs ab. „Das ist vielleicht auch ein bisschen Trauerarbeit“, sagte Karnevalspräsident Kuckelkorn, der von Beruf Bestatter ist. „So langsam kommt wirklich an, was hier passiert und wie groß das Ganze ist.“ Er habe allerdings die Hoffnung, dass der Karneval durch dieser Erfahrung an Tiefe gewinne.

Karneval in Düsseldorf
Leer gefegt – die Düsseldorfer Altstadt.
Foto: Fabian Strauch/dpa

Auch in Mainz blieben die Narren am Rosenmontag zu Hause. „Es ist tatsächlich ruhig“, sagte ein Polizeisprecher. „Wir haben eine Handvoll Kollegen in der Innenstadt, die haben nichts gemeldet.“ Es scheine sich zu bewahrheiten, was an Weiberfastnacht begonnen habe: „Dieses Jahr feiert in Mainz niemand.“

Karneval in Trier
Ministerpräsidentin Malu Dreyer verteilt in der Trierer Innenstadt Tüten mit dem Fastnachtsgebäck «Trierer Mäuschen».
Foto: Harald Tittel/dpa

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