Literaturpreis

Südafrikaner Damon Galgut gewinnt Booker Prize

Mit der Erzählung über den Niedergang einer weißen Familie in Südafrika während des Umbruchs von der Apartheid zur Demokratie überzeugt Galgut die Jury. Kein fröhliches Porträt.

Damon Galgut
Damon Galgut, Schriftsteller aus Südafrika, hat den britischen Booker Prize gewonnen.
Foto: David Parry/PA Wire/dpa

London (dpa). Der südafrikanische Autor Damon Galgut hat den renommierten britischen Booker Prize gewonnen.

Er überzeugte die Jury mit seinem Roman „The Promise“, der den Niedergang einer weißen Familie in Südafrika über mehrere Jahrzehnte hinweg dokumentiert, von der Apartheid bis hin zur Demokratie. Es war bereits die dritte Nominierung für den 57-Jährigen.

Das Buch verbinde „eine außergewöhnliche Geschichte, reichhaltige Themen und die Geschichte der vergangenen 40 Jahre Südafrikas in einem unglaublich gut geschriebenen Paket“, lobte die Vorsitzende der Jury, Maya Jasanoff, bei der Preisverleihung in London am Mittwochabend. Die Familiensaga Galguts ist um vier Beerdigungen in vier aufeinanderfolgenden Jahrzehnten gesponnen.

Kein optimistisches Porträt

Der Titel „The Promise“ (Das Versprechen) bezieht sich auf die Zusage an eine schwarze Bedienstete der Familie, sie könne das Haus und den Grund, auf dem sie lebt, behalten. „Ich glaube, viele von uns hatten große Erwartungen an die Zukunft“, sagte Galgut dazu der BBC. Das kleine Stück Land repräsentiere nur eines von vielen enttäuschten Versprechen. Bei seiner Dankesrede sagte Galgut, das Porträt, das er von seinem Land gezeichnet habe, sei kein fröhliches. „Ich hatte nicht geplant, es so darzustellen, aber die Dinge stehen nicht gut um uns derzeit (...)“, sagte der Schriftsteller.

Der Booker Prize wird jährlich an den Autor eines in Großbritannien oder Irland erschienen englischsprachigen Romans vergeben. Er ist mit 50.000 Pfund (rund 59.000 Euro) dotiert. Galgut hatte es bereits in den Jahren 2003 und 2010 auf die Shortlist des Booker Prizes geschafft. Galgut wuchs in Pretoria auf, in der auch „The Promise“ spielt. Prägend für seine Biografie war eine Krebserkrankung in seiner Kindheit.

Ebenfalls gute Chancen waren dem US-Amerikaner Richard Powers mit seinem Roman „Bewilderment“ eingeräumt worden. In dem Buch geht es um die Beziehung zwischen einem Wissenschaftler und seinem kleinen Sohn in einer nahen Zukunft, die von Umweltzerstörung geprägt ist. Ebenfalls nominiert waren die US-Amerikanerinnen Patricia Lockwood mit „No One Is Talking About This“ und Maggie Shipstead mit ihrem Roman „Great Circle“, sowie Anuk Arudpragasam aus Sri Lanka mit „A Passage North“ und die Britin mit somalischen Wurzeln Nadifa Mohamed mit „The Fortune Men“.

Prix Goncourt für senegalesischen Jungautor

Ebenfalls am Mittwoch vergeben wurde der französische Literaturpreis Prix Goncourt. Er ging in diesem Jahr an den erst 31 Jahre alten senegalesischen Autor Mohamed Mbougar Sarr für „La plus secrète mémoire des hommes“ (dt. Die geheimste Erinnerung der Menschen), wie die Jury in Paris mitteilte. Der Roman erzählt die Geschichte eines jungen Literaten aus dem Senegal, der in Paris ein legendäres Buch aus dem Jahr 1938 entdeckt und sich auf die Spuren des auf mysteriöse Weise verschwundenen Autors macht.

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