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Ralf Ludwig wird neuer MDR-Intendant

Es gab nur einen Kandidaten – und der bekam den Zuschlag. Ralf Ludwig wird mit sehr knappem Ergebnis der neue Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks. Im Herbst tritt er die Nachfolge von Karola Wille an.

Von dpa
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Ralf Ludwig
Ralf Ludwig wird neuer Intendant des MDR.
Foto: DPA/Kirsten Nijhof

Leipzig (dpa). Der frisch gewählte Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks, Ralf Ludwig, will die Akzeptanz seines öffentlich-rechtlichen Senders in der Bevölkerung stärken. Es sei «Aufgabe und Verpflichtung zugleich, Vertrauen der Menschen in die Berichterstattung zu stärken und verlorenes zurückzuholen», sagte Ludwig am Montag in einer Sitzung des MDR-Rundfunkrates in Leipzig.

Zudem wolle er den Transformationsprozess des MDR «konsequent» fortsetzen. Der Rundfunkrat wählte den 54-Jährigen in der Sitzung mit sehr knappem Ergebnis zum Nachfolger der jetzigen Intendantin Karola Wille. Ludwig war bisher Verwaltungsdirektor des Senders gewesen.

Der MDR ist eine der mittelgroßen ARD-Anstalten. Das Sendegebiet erstreckt sich über Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Die 63-jährige Wille scheidet im Oktober aus dem Amt aus. Ludwig war einziger Nachfolgekandidat. Die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit erreichte er nur denkbar knapp: Ludwig benötigte 32 Ja-Stimmen – er bekam 33. Von den anwesenden 48 Rundfunkratsmitgliedern stimmten 12 gegen Ludwig, 3 Rundfunkräte enthielten sich.

Den Ausbau digitaler Angebote stärken

Ludwig war im Januar einstimmig vom MDR-Verwaltungsrat als künftiger Intendant vorgeschlagen worden. Die Amtszeit dauert sechs Jahre. «Eine Zwei-Drittel-Mehrheit ist eine hohe Hürde. Ich freue mich darüber, dass der Rundfunkrat unserem Vorschlag gefolgt ist. Der Kandidat hat überzeugt», sagte Verwaltungsratschefin Birgit Diezel der Deutschen Presse-Agentur.

«Fest steht: Die digitale Transformation der Medien kehrt sich nicht mehr um», sagte Ludwig in seiner Vorstellungsrede. Ein ausgewogenes Verhältnis von linearen Inhalten und Online-Angeboten sei das Ziel. Der MDR sei beim Ausbau der digitalen Angebote aber noch «zu kleinteilig und zu langsam unterwegs».

«Die ARD kommt aus meiner Sicht nicht umhin, eine einheitliche technische Plattform zu etablieren», sagte Ludwig. Die ARD-Sender müssten sich in diesem Bereich schneller vernetzen. Ludwig sprach sich auch für eine stärkere Kooperation mit Arte, 3sat und dem ZDF aus. «Wir sollten eine gemeinsame Mediathek mit ARD und ZDF anstreben.» Auch mit Zeitungen müsse es eine stärkere strategische Zusammenarbeit geben. Weitere Ziele als Intendant seien eine stärkere Beauftragung regionaler Produzenten, mehr Bildungs- und fiktionale Inhalte und weniger Angebote aus dem Bereich Unterhaltung.

«Zukünftig wird weniger mehr sein»

Mit Blick auf das strukturelle Defizit kündigte Ludwig eine Schwerpunktsetzung auf das Notwendige an. Spätestens ab 2025 müsse der MDR verstärkt Prioritäten setzen. «Zukünftig wird weniger mehr sein.» Zur Frage eines Rundfunkratsmitglieds, ob er eine Streichung journalistischer Stellen bis 2030 ausschließen könne, sagte Ludwig: «Eine Zusicherung kann ich Ihnen jetzt nicht geben. Wir haben genügend Möglichkeiten im Haus, Einsparungen vorzunehmen, ohne dass es zu Lasten der journalistischen Qualität geht.»

Im Jahr 2021 lagen die MDR-Erträge bei 787 Millionen Euro, davon 610 Millionen Euro aus den Rundfunkbeiträgen. Die Aufwendungen lagen bei 826 Millionen Euro.

Ludwig ist seit 2015 Verwaltungsdirektor des MDR und hatte damit schon einen der höchsten Posten bei der Drei-Länder-Anstalt inne. Für den MDR ist der Diplom-Kaufmann seit 1999 in unterschiedlichen Funktionen tätig. Ludwig wurde 1968 in Borna bei Leipzig geboren.

Der MDR-Gesamtpersonalrat hatte sich kritisch zum Auswahlverfahren geäußert und eine mangelnde Einbindung beklagt. Es sei weitgehend nur im Kreis der Verwaltungsräte erfolgt, hieß es in einem Schreiben an den Rundfunkrat. Auch müssten die künftigen Vertragskonditionen auf den Prüfstand kommen.

Laut Verwaltungsrat waren 29 Bewerbungen für den Intendantenposten eingegangen. Die Vorsitzende des MDR-Verwaltungsrats, Birgit Diezel, hatte bei der Nominierung Ludwigs hervorgehoben, dass dieser über «exzellente medienpolitische Kenntnisse und insbesondere durch seine Tätigkeit als MDR-Verwaltungsdirektor über eine langjährige Führungs- und Managementerfahrung mit hoher Budgetverantwortung im MDR» verfüge.

Der Mitteldeutsche Rundfunk wurde nach der Wende gegründet und startete 1992. Erster Intendant des MDR war Udo Reiter, der 2011 von Karola Wille abgelöst worden war. Der Vertrag der 63-Jährigen läuft Ende Oktober aus. Sie strebte keine dritte Amtszeit an.

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Archivierter Artikel vom 13.03.2023, 12:43 Uhr