Archivierter Artikel vom 30.11.2011, 11:10 Uhr

Oscarpreisträger Legrand komponiert für Neumeier

Hamburg (dpa). Von Hollywood nach Hamburg: Für seine Filmmusik wurde Michel Legrand bereits drei Mal mit dem Oscar ausgezeichnet – mit seinem jüngsten Projekt betritt er nun Neuland.

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Michel Legrand
Der französiche Komponist und Oscar-Preisträger Michel Legrand betritt Neuland.
Foto: Georg Wendt – DPA

Zum ersten Mal hat der 79-Jährige die Musik für ein großes, abendfüllendes Ballett geschrieben. «Mich hat es sehr gereizt, mit John Neumeier zusammenzuarbeiten. Er ist für mich der derzeit beste Choreograph auf Erden», sagt der Franzose am Rande der Proben in der Hamburger Staatsoper. Dort wird am Sonntag (4. Dezember) Neumeiers Kreation «Liliom», nach dem Schauspiel von Ferenc Molnár, uraufgeführt.

«Es ist eine sehr tragische und interessante Geschichte», sagt Legrand. Hamburgs Ballettchef Neumeier (69) hat die Vorstadtlegende um den ungarischen Jahrmarktschreier Liliom in das Amerika der 1930er Jahre, die Zeit der Großen Depression, verlegt. Liliom ist der Liebhaber der Karussell-Besitzerin Frau Muskat (Anna Polikaporva). Dann verliebt sich der Frauenschwarm in das Dienstmädchen Julie, prominent besetzt mit Alina Cojocaru, Erste Solistin am Londoner Royal Ballett. Julie erwartet schon bald ein Kind, doch Lilioms Leben scheitert, als er aus dem Schaustellermilieu in die Kleinkriminalität abrutscht.

Bei der Uraufführung 1919 in Budapest fiel das Stück beim Publikum durch. Später diente es als Vorlage für das populäre Broadway-Musical «Carousel», das auch Neumeier nachhaltig beeindruckt hat. «Vor mehr als 50 Jahren habe ich das Stück zum ersten Mal gesehen und seitdem weiß ich, dass ich etwas mit der Geschichte machen wollte», erklärt der weltweit dienstälteste Ballett-Direktor, der seit bald 40 Jahren in Hamburg wirkt.

Legrand hingegen kannte «Liliom» noch gar nicht und sah sich erst einmal die Verfilmung von Fritz Lang an. Natürlich sei das Stück eine komplett andere Aufgabe für ihn, sagt der berühmte Komponist. «Beim Film steht die Musik hinter den Schauspielern. Beim Ballett ist die Musik vorne.»

Die Liebe zur Musik wurde Legrand quasi in die Wiege gelegt. 1932 als Sohn eines Orchester-Leiters in Paris geboren, studierte er später am Konservatorium bei Nadia Boulanger. Sein Musical-Film «Die Regenschirme von Cherbourg» mit Catherine Deneuve wurde mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet. Für den Film-Song «Windmills of your Mind» von «Thomas Crown ist nicht zu fassen» und die Soundtracks zu «Sommer '42» und «Yentl» mit Barbara Streisand erhielt er jeweils einen Oscar. Seine Leidenschaft für Jazz führte ihn etwa mit Miles Davis zusammen, im klassischen Bereich arbeitete er unter anderem mit Jessye Norman.

Beide Stilrichtungen sind auch beim «Liliom»-Ballett vertreten: «Wir haben uns entschieden, mit zwei Orchestern zu spielen», erklärt Legrand. Neben den klassischen Philharmonikern, die im Konzertgraben spielen, steht die NDR Big Band auf der Bühne.

Und wie kam es zur Zusammenarbeit der beiden großen Künstler Neumeier und Legrand? «Seine Arbeit begleitet mich seit Jahren. „Windmills of your Mind“ ist einer meiner Lieblingssongs», sagt Neumeier. Doch habe er nie daran gedacht, dass Legrand auch Ballettmusik schreiben würde. Schließlich hätten gemeinsame Bekannte ihn darauf aufmerksam gemacht, dass Legrand gerne mit Neumeier zusammenarbeiten würde. «Als ich einen Komponisten für „Liliom“ suchte, habe ich ihn dann angerufen und er war sofort begeistert. Ich schickte ihm ein Libretto der Handlung, wie ich sie erzählen möchte, und er begann mit dem Komponieren.»

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