Archivierter Artikel vom 07.07.2010, 13:12 Uhr
Düsseldorf

Kunstsammlung NRW öffnet in neuem Rhythmus

Buchstäblich bis zur letzten Minute ist am Düsseldorfer Grabbeplatz unter Hochdruck gemauert, gebaggert, gestrichen, gewienert und aufgebaut worden. Nach zwei Jahren Umbau und Renovierung wird die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen am Donnerstag der Presse präsentiert und am Samstag feierlich wiedereröffnet.

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Kunstsammlung NRW
Deckeninstallation aus 900 Lkw-Reifenschläuchen des Künstlers Michael Sailstorfer in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf

Die von dem am Dienstag gestorbenen Kunsthistoriker Prof. Werner Schmalenbach begründete Sammlung mit Spitzenwerken von Kandinsky bis Rauschenberg, von Beckmann bis Beuys, verfügt jetzt nicht nur über einen Erweiterungsbau, durch den die Ausstellungsfläche auf rund 5000 Quadratmeter fast verdoppelt wurde. Das «K20», wie die Düsseldorfer das Haupthaus mit seiner geschwungenen schwarzen Granitfassade nennen, hat unter der neuen Direktorin Marion Ackermann auch ein neues Ausstellungskonzept bekommen.

Ackermann (45) setzt die puristische Präsentation vertrauter Werke in behutsamen Kontrast mit flüchtigen, fast beiläufig wirkenden Installationen zeitgenössischer Künstler. Die seit September amtierende Direktorin will eine enge Beziehung zwischen Kunst und Publikum herstellen, auch «stärker an der Öffnung des Museums nach außen» arbeiten. Dafür hat sie den großen Sälen mit dem Bestand der Sammlung einen «Rhythmus» verliehen, in dem die Bilder in faszinierende historische und ästhetische Beziehungen zueinander treten. Der Besucher flaniert nicht mehr bloß von Bild zu Bild, sondern soll «ein enges und physisches Verhältnis» zu den Werken bekommen.

Im Zentrum der fast 40 Millionen Euro teuren Modernisierung steht der Erweiterungsbau aus einem unteren, fast 1100 Quadratmeter großen Saal mit 6,50 Metern Deckenhöhe und einem oberen 4,60 Meter hohen Saal. Auf sichtbehindernde Stützpfeiler wurde komplett verzichtet. Licht, Sicherheit und Klimatechnik wurden auf den modernsten Stand gebracht, um weiterhin internationale Leihgaben zeigen zu können.

Zur Wiedereröffnung präsentiert der Künstler Michael Sailstorfer eine spektakuläre Deckeninstallation aus 900 Lkw-Reifenschläuchen. Im oberen Saal lässt der belgische Künstler Kris Martin einen riesigen begehbaren Heißluftballon aufblasen. Internationale Stars wie Olafur Eliasson oder die Britin Sarah Morris konnte Ackermann für Künstlerprojekte gewinnen. Eliasson lässt sonnengelb beleuchtete Nebelschwaden aus einem Lichtschacht nach oben wabern. Morris hat die Nordwand des angrenzenden Paul-Klee-Platzes mit bunten Keramikfliesen gestaltet.

Kaum wiedereröffnet, steht im September bereits mit der großen Beuys-Schau «Parallelprozess» bereits die erste Bewährungsprobe für das neue Haus an: Schon in drei Wochen beginnen die Aufbauarbeiten für die Retrospektive des Weltstars mit dem markanten Filzhut. (bis 16.1.2011).

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