Archivierter Artikel vom 17.12.2018, 18:42 Uhr

Rolling-Stones-Gitarrist

Inbegriff einer Rocklegende: Keith Richards wird 75

Der Rolling-Stones-Gitarrist ist ein Überlebenskünstler, der dem Tod trotz aller früheren Exzesse mehrfach von der Schippe gesprungen ist. Als einer der besten und berühmtesten Musiker seiner Generation feiert Keith Richards seinen 75. Geburtstag.

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Keith Richards
Er hat es allen gezeigt: Keith Richards wird 75.
Foto: Warren Toda/EPA – dpa

London (dpa). „Die Leute wären überrascht, wie banal und normal mein Leben zu Hause ist“, verriet der Rockstar der Zeitschrift „GQ“. „Ich bringe den Müll raus. Ich füttere die Hunde. Ich ziehe die Kinder groß.“

Keith Richards + Mick Jagger
Mick Jagger und Keith Richards lernten sich 1961 auf dem Bahnhof im englischen Dartford kennen. Jagger trug ein paar Chuck-Berry-Platten unter dem Arm, dem Helden von Keith Richards.
Foto: Andrew Gomb – dpa

Elton John beschrieb Keith Richards im Streit mal als „Affen mit Arthritis“ – die knorrigen Finger, die schwarzumrandeten Augen, die großen Ohren und das zerknitterte Gesicht mit den freundlichen Augen erinnern an die vielen Drogenexzesse, für die der Gitarrist der Rolling Stones früher berüchtigt war. Doch seitdem er Weihnachten 2017 schließlich Hochprozentiges aufgegeben hat, bleiben der Rocklegende nur Kaffee und Zigaretten und vielleicht ein Glas Wein, um seinen 75. Geburtstag an diesem Dienstag (18. Dezember) zu feiern.

Keith Richards
Keith Richards bei einem Stones-Konzert 2017 im Münchner Olympiastadion.
Foto: Sven Hoppe – dpa

Geboren in Dartford östlich von London, verbrachte er als Kind Stunden in der Stadtbücherei und besuchte mit Mick Jagger dieselbe Grundschule. Seine Mutter liebte Musik, vor allem Jazz von Ella Fitzgerald, Billie Holiday und Louis Armstrong: „Sie war eine Zauberin des Radiofrequenz-Knopfes – wenn es irgendetwas gab, was es wert wäre, zu hören, fand sie es“, erinnerte er sich in dem Dokumentarfilm „Keith Richards: Under the Influence“. Muddy Waters beeinflusste ihn und Jagger so stark, dass sie ihre Band nach dem Song „Rollin’ Stone“ benannten.

Rolling Stones
Still rocking, still rolling.
Foto: Sebastian Gollnow – dpa

Zwar ist Frontmann Mick Jagger das Gesicht der Stones, doch für den einzigartigen Sound dahinter ist größtenteils Richards verantwortlich. Er schuf auch große Teile von Hits wie „I Can't Get No Satisfaction“. Nicht immer ging es dabei zwischen ihm und Jagger friedlich zu – ihre Auseinandersetzungen auf und hinter der Bühne sind legendär.

Keith Richards
Keith Richards hat alle Exzesse überlebt.
Foto: Peter Foley/EPA – dpa

„Es war eine interessante Zeit, das müssen Sie zugeben: 3000 tollwütige Frauen, die versuchen, dir die Klamotten runter zu reißen“, sagte er „GQ“. Es half nicht, dass er ein Junkie war: „Man würde Heroin nicht unbedingt als Aphrodisiakum bezeichnen“, erklärte Richards der „Sabotage Times“. „Ein Junkie zu sein, ist langweilig. Sie wachen nicht morgens auf, schauen in den Spiegel und fangen an zu singen „Oh, What A Beautiful Morning“.“

Keith Richards
Klare Ansage.
Foto: Peter Foley/EPA – dpa

Mit der 60er-Jahre-Muse Anita Pallenberg hatte er drei Kinder, Marlon, Angela und Tara Jo Jo Gunne, der am plötzlichen Kindstod starb. Familienleben fand damals „irgendwie auf der Flucht“ statt, sagte Richards der „Daily Mail“. „Marlons Aufgabe bestand darin, die Zivilfahrzeuge der Polizei vor der Tür auszuspähen.“

Rolling Stones
Wilde Jungs: Mick Jagger (l-r), Charlie Watts und Keith Richards 1970 bei einer Pressekonferenz.
Foto: Dieter Klar – dpa

Inzwischen ist er stolz auf seine Erziehungsmethoden – zumindest bei seinen jüngeren Töchtern aus der Ehe mit Patti Hansen. Er selbst hatte ein weniger gutes Verhältnis zu seinem Vater. Nach der Scheidung der Eltern hatten sie 20 Jahre lang keinen Kontakt. Als sie sich Anfang der 80er Jahre zum ersten Mal wieder trafen, bat er den Stones-Gitarristen Ronnie Wood mitzukommen: „So verängstigt war ich!“ Es stellte sich als unnötig heraus – sie versöhnten sich.

Keith, Anita & Marlon
Anita Pallenberg und Keith Richards mit Söhnchen Marlon.
Foto: Keystone Press Agency/Keystone USA via ZUMA – dpa

Heute braucht er keine Exzesse mehr, um Musik zu machen. Zum einen hat er nur Verachtung für die heutigen Drogen übrig; sie seien „institutionalisiert und langweilig“, sagte er dem „Telegraph“. „Und überhaupt, ich habe eh alle durch.“

Keith Richards & Patti Hansen
Keith Richards mit seiner Frau Patti Hansen bei der Weltpremiere von «Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten» in Disneyland in Anaheim. In dem Piratenspektakel spielte Richards den Vater von Johnn
Foto: dpa

2015 brachte er seine dritte Soloplatte „Crosseyed Heart“ nach langer Pause heraus. „Ich möchte nur eine gute Platte machen, die dort sitzt und sagt: Das ist Teil seines Werks“, sagte er damals „GQ“. Am Anfang fiel es ihm schwer, sein Ego und seine Legende vor der Studiotür zu lassen, doch das Schreiben brachte ihn runter: „Als wäre ich immer noch mit Mick in einer Küche eingesperrt und Andrew Oldham (der erste Produzent und Manager der Stones) sagte: „Ihr kommt erst raus, wenn ihr einen Song habt“.“

Keith Richards
Keith Richards gehört zu den besten Gitarristen der Welt.
Foto: Paul Zinken – dpa

In einem Interview mit „Rolling Stone“ deutete Richards an, dass in einem Jahr möglicherweise eine neue Stones-Platte herauskommt. Er habe sich mit Jagger im Herbst zu einer Studio-Session getroffen. „Wir haben zusammen mit (Produzent) Don Was ein paar Songs zusammengebastelt. Wir arbeiten sie gerade durch. Wir hatten eine tolle Zeit – wir haben einige schöne Sachen rausbekommen.“

Die Stones lassen es inzwischen langsamer angehen: Statt der üblichen Marathon-Tourneen haben sie nur noch jeweils 14 Konzerte in diesem und letztem Jahr gegeben. Ab April 2019 werden sie durch die USA mit ihrer „No Filter“-Show touren. Dafür proben selbst die Rock-Veteranen: „Es ist so, als würde man ein tolles Auto herausholen, das seit neun Monaten auf den Blöcken sitzt. Sie müssen es wieder einfahren.“

Die Proben machen Keith Richards Spaß, weil die Band Neues ausprobieren kann, bevor sie wieder die Stadien zum Ausrasten bringen: „Gib mir 50.000 Menschen und ich fühle mich wie zu Hause“, verriet der Gitarren-Gigant der Zeitschrift „Rolling Stone“. „Wie Ronnie und ich oft sagen, bevor wir auftreten: „Lass uns auf die Bühne gehen und etwas Ruhe und Frieden finden“.“