Archivierter Artikel vom 27.05.2020, 17:38 Uhr
Frankfurt/Main

«Sonderedition»

Frankfurter Buchmesse soll im Herbst stattfinden

Die Leipziger Buchmesse wurde im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie kurz vor der Eröffnung abgesagt. Die Frankfurter Buchmesse will es im Herbst dennoch wagen.

Lesezeit: 3 Minuten
Buchmesse Frankfurt
Die Entscheidung ist gefallen: die Frankfurter Buchmesse findet statt.
Foto: Silas Stein/dpa

Frankfurt/Main (dpa) – Die Frankfurter Buchmesse soll in diesem Herbst trotz Corona-Pandemie stattfinden. Das hat der Aufsichtsrat der Buchmesse am Mittwoch entschieden. Aber sie wird anders aussehen als bisher.

Geplant sei, die Bücherschau vom 14. bis 18. Oktober 2020 auf dem Messegelände, dezentral in der Stadt und zeitgleich virtuell stattfinden zu lassen, teilten die Verantwortlichen in Frankfurt mit. „In diesem Jahr ist es wichtiger als je zu vor, die Frankfurter Buchmesse durchzuführen“, sagte Buchmesse-Direktor Juergen Boos. Die Buchmesse 2020 sei aber „coronabedingt eine Sonderedition“.

„Unsere Gesellschaft braucht Bücher, den Kulturdialog und die lebendige Debatte in dieser Zeit mehr denn je“, sagte Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Sie vertritt Verlage und Buchhändler. Die Buchmesse trotz Corona durchzuführen, sei „eine mutige und wegweisende Entscheidung“. Man wolle Besuchern und Ausstellern „die beste Buchmesse unter den gegebenen Umständen bieten“, versprach Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.

Die Frankfurter Buchmesse findet seit 1949 statt. In den vergangenen Jahren waren mehr als 300.000 Besucher nach Frankfurt geströmt und fast 7500 Aussteller aus über 100 Ländern angereist. Normalerweise herrscht in den Messehallen zur Buchmessenzeit dichtes Gedränge. Menschentrauben warten auf Lesungen und bei Signierstunden. Die Liste der Veranstaltungen war so dick wie ein Buch. Das wird in diesem Jahr wohl nicht so sein.

Bis Herbst kann noch viel passieren. Der „aktuelle Planungstand“ Ende Mai sieht so aus: Die Stände sind größer und die Gänge breiter. Es gibt keine großen Bühnen, solche Angebote werden im Internet oder an anderen Orten veranstaltet. Die Zahl der Besucher wird begrenzt, auf wie viel hängt von der belegten Gesamtfläche ab. Am Wochenende ist – Stand jetzt – sogar das Lesepublikum willkommen. Der Einlass soll kontaktlos erfolgen „nach Vorabregistrierung und Selbstauskunft über den Gesundheitszustand“. Ein detailliertes Gesundheits- und Hygienekonzept gewährleiste die Sicherheit von Besuchern, Ausstellern und Mitarbeitern, betonten die Verantwortlichen am Mittwoch.

Es werden wohl weniger internationale Gäste dasein: Wer kommen darf, ist auch abhängig von den dann geltenden Reisebeschränkungen. Wie der Auftritt des Ehrengasts Kanada aussehen wird, ist noch nicht entschieden. Unter dem Motto „Singular Plurality“ will das Land vor allem die Mehrsprachigkeit seiner Literatur herausstellen. Man berate aktuell mit dem Ausrichter „über ein der Situation angepasstes Konzept“, hieß es am Mittwoch. Der Deutsche Buchpreis und der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels sollen zu den geplanten Terminen (12. Oktober und 18. Oktober) vergeben werden.

Börsenverein und Buchmesse hatten Teilnehmer und Gäste schon auf Veränderungen vorbereitet: „Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Organisation der Frankfurter Buchmesse 2020 mit einem hohen Maß an Unwägbarkeiten verbunden“, hieß es in einem Statement. Man gehe davon aus, dass auf jeden Fall auch im Oktober „noch eine ganze Reihe an Einschränkungen für Veranstaltungen bestehen werden“.

Im Frühjahr waren wegen der Corona-Pandemie zahlreiche große deutsche Literaturevents abgesagt oder ins Internet verlegt worden, etwa die Leipziger Buchmesse oder die Lit.Cologne. Auch andere Messen in Frankfurt am Main wurden gecancelt oder verschoben, etwa die Musikmesse oder die Konsumgütermesse „Tendence“. Dass die Buchmesse stattfindet, sei „ein sehr positives wirtschaftliches Signal“, sagte der Geschäftsführer der Messe Frankfurt, Uwe Behm.

Auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) war erleichtert: „Es ist ein wichtiges Signal für die Stadt, die Messe, die gesamte literarische Welt und die Internationalität unserer Heimatstadt.“ Die Stadt will Orte in der Stadt zur Verfügung stellen, um die Messe zu entzerren, und mit zusätzlicher Standfläche mehr Platz zwischen den Ausstellern schaffen. „Unsere Frankfurter Gesundheitsbehörden haben schon jetzt weitestgehend Konsens mit der Messe beim Thema regelkonforme Durchführung“, sagte Feldmann.

Die Meinung bei den Verlagen war bis zuletzt gespalten: Die einen hofften, dass die Messe wenigstens in abgespeckter Form stattfindet. Die anderen glaubten, ohne internationale Aussteller und mit wenig Publikum sei die Messe keineswegs sinnvoll. Mit einem „virtuellen Geisterbahnhof“ sei keinem gedient, fürchteten die einen. Die Buchmesse sei „überlebenswichtig“ für die Branche, mahnten die anderen. Einig war sich die Verlagswelt nur in einem Punkt, fasste das „Börsenblatt“ kürzlich zusammen: „Niemand hält eine Messe als Massen-Event in der Form, wie man das weltgrößte Branchentreffen inklusive Publikumstage kennt, für verantwortbar.“ Wenn die Messe stattfinde, müsse sie sich bis Oktober „neu erfinden“.

Frankfurter Buchmesse

Börsenblatt