Bruce Springsteen

Der „Boss“ zurück am Broadway

Die süffisante Frage „Was macht eigentlich...?“ stellt sich bei Bruce Springsteen nicht. Eher anders herum: Was macht der Mann eigentlich nicht mit seinen bald 72 Jahren?

Bruce Springsteen am Broadway
«Springsteen On Broadway»: The Boss und seine Frau Patti Scialfa verlassen das Walter Kerr Theater.
Foto: Evan Agostini/Invision/AP/dpa

Berlin/New York (dpa) – Der „Boss“ kehrt zurück an den Ort eines seiner größten künstlerischen Triumphe. 236 Mal spielte, sang und erzählte Bruce Springsteen 2017/18 im Herzen New Yorks über sein Leben, seine Familie, seine Freunde und die große Liebe zur Musik.

Umgerechnet gut 95 Millionen Euro Umsatz soll das stets ausverkaufte Bühnen-Selbstporträt der US-Stadionrock-Ikone im Walter Kerr Theatre verzeichnet haben. Nun erlebt die mit einem Tony Award ausgezeichnete Show „Springsteen on Broadway“ eine zweite Auflage.

Sie markiert den Neustart des berühmten New Yorker Theaterviertels nach dem Corona-Aus – und kann auch als Nachweis der nimmermüden Quirligkeit eines bald 72-jährigen Musikers aus Leidenschaft dienen. Ab Samstag (26. Juni) will der 20-fache Grammy-Gewinner aus dem Nachbarbundesstaat New Jersey mit Gesang, Gitarre, Klavier und Mundharmonika weitere 31 Vorstellungen eines Lebensrückblicks geben, der auf Springsteens Autobiografie „Born To Run“ (2016) basiert.

Er sei „thrilled“, also begeistert, dass man ihn gebeten habe, die Show als Teil der Broadway-Wiedereröffnung erneut zu präsentieren, schrieb der Musiker auf seiner Webseite. Diesmal findet die Solo-Performance (abgesehen von einem Kurzauftritt seiner Ehefrau Patti Scialfa) im renommierten St. James Theatre statt, Erlöse gehen an karitative Organisationen. Es dürfte viel Geld zusammenkommen – 319 Dollar (fast 270 Euro) sind für zwei der günstigsten Karten am Eröffnungsabend fällig, bei der Abschlussvorstellung am 4. September kosten zwei Top-Tickets fast 7500 Dollar (gut 6200 Euro).

Die New-York-Rückkehr mit „Springsteen on Broadway“ reiht sich ein in zahlreiche Aktivitäten des wohl populärsten lebenden US-Rockmusikers nach seinem 70. Geburtstag im September 2019. Seitdem absolviert der von Millionen Fans liebevoll „The Boss“ genannte Singer-Songwriter ein beeindruckendes Arbeitspensum. „Es gibt mir diesen Sommer etwas zu tun, damit ich nicht faul am Strand herumliege“, sagte Springsteen über sein Broadway-Comeback.

Von Ruhestand oder erlahmender Kreativität also keine Spur. Erst Mitte Juni veröffentlichte Springsteen ein aufwendiges Video, das ihn an der Seite der US-Stadionband The Killers präsentiert. Die Zusammenarbeit mit dem gut 30 Jahre jüngeren Brandon Flowers in dessen Song „Dustland“ zeigt den großen musikalischen Einfluss des Autors von Rock-Klassikern wie „Born To Run“, „Badlands“ oder „Born In The U.S.A.“.

Springsteen selbst habe dieses ehrenvolle Duett angeregt, so Flowers in einer von Ergriffenheit geprägten Mitteilung. „Er hat viel über Leute wie meine Eltern geschrieben und viel Schönheit in den Hoffnungen und Träumen ansonsten unsichtbarer Menschen gefunden. Ich bin ihm dankbar, dass er mir diese Tür geöffnet hat.“

Ähnliche jugendliche Bewunderung lag „Chinatown“ (2020) von der New Yorker Indiepop-Band Bleachers zugrunde: Hier trat Springsteen mit deren Frontmann Jack Antonoff (37) auf, der als Produzent von Taylor Swift, Lorde oder Lana Del Rey derzeit selbst gewaltig abräumt. Die rustikale Folk-Punk-Band Dropkick Murphys teilt mit dem „Boss“ die irischen Wurzeln – wohl auch deswegen kam es im vorigen Jahr zur freundschaftlichen Live-Kooperation für den Song „Rose Tattoo“. Drei gemeinsame Stücke hat Springsteen zudem für das kommende Album seines Classic-Rock-Kollegen John Mellencamp angekündigt.

Seine Redegewandtheit bewies der 71-Jährige zuletzt mit einer Rundfunk-Sendereihe („E Street Radio“ auf SiriusXM) und in einem Podcast mit Barack Obama („Renegades: Born in the USA“). Vom einstigen Chef des Weißen Hauses (2009-2017) ist der respektvolle Spruch „Ich bin der Präsident, er ist der Boss“ überliefert – beide Männer sind seit langem befreundet. Das achtteilige Spotify-Format startete daher im Februar mit der Folge „Unsere unwahrscheinliche Freundschaft“, es endete im April mit gemeinsamer Vorfreude auf „Amerikas Erneuerung“ nach den düsteren Trump-Jahren.

Und dann wäre da ja auch noch die E Street Band, mit der Springsteen seit Mitte der 1970er Jahre einige seiner größten Erfolge feierte. Das gemeinsame Nummer-eins-Album „Letter To You“ aus dem vergangenen Oktober soll – bei entsprechender Corona-Lage – mit einer Tournee gefeiert werden. Und womöglich kommt bald auch wieder neue Musik heraus: „Ich habe Projekte, an denen ich gearbeitet habe und die entweder nächstes Jahr oder im Herbst veröffentlicht werden sollen“, sagte Springsteen laut Label-Newsletter. Dies seien „Dinge, von denen ich denke, dass die Fans daran interessiert sein werden“.

© dpa-infocom, dpa:210625-99-140199/3

Webseite Bruce Springsteen

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Spotify-Podcast Springsteen/Obama (2021)