Archivierter Artikel vom 09.11.2011, 10:05 Uhr
New York

22-jähriger Deutscher ist Poker-Weltmeister

Sein Lachen ist schüchtern, die weiße Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Der frisch gebackene Poker-Weltmeister Pius Heinz kann selbst noch nicht glauben, dass er die Nerven behalten hat und am Ende die richtigen Karten auf dem Tisch lagen.

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Poker-Favorit Pius Heinz
Der deutsche Poker-Spieler Pius Heinz in Las Vegas am Pokertisch.
Foto: David Becker – DPA

«Wahnsinn, ich bin Weltmeister! Es ist wie ein Traum, es war das Spiel meines Lebens», jubelt er nach seinem Sieg in Las Vegas noch etwas verhalten. Der 22-Jährigen hat geschafft, was noch keinem Deutschen vor ihm gelang: der Sieg beim Main Event der World Series of Poker (WSOP). Zudem ist er der zweitjüngste Sieger in der Geschichte des Wettbewerbs.

Um 9.30 Uhr deutscher Zeit setzt Heinz sich gegen den neun Jahre älteren Martin Staszko aus Tschechien durch und darf nun mit 8,7 Millionen Dollar (6,3 Millionen Euro) Siegergeld nach Hause gehen. Der junge Deutsche freut sich aber zunächst vor allem, dass er über den Kontrahenten eine ruhige Hand behalten hat. Ein Kinderspiel war der Titel nämlich nicht. Unter dem weißen «Hoodie» – der Kapuzenpullover ist Heinz' Markenzeichen am Pokertisch – wurde es mehrere Male richtig heiß. «Als meine Chips runter gingen, sah es nicht besonders gut aus. Ich habe versucht, mich nicht zu sehr zu sorgen und mein Spiel zu spielen», gesteht er.

Im Finale setzt er sein eher schüchternes Poker-Face auf, läuft etwas unruhig am Tisch auf und ab, während Staszko ihn mit stechendem Blick im Auge behält. Der drittplatzierte Ben Lamb (26) aus der Gastgeberstadt Las Vegas hatte den Tisch schon nach 20 Minuten verlassen.

Die beiden liefern sich einen erbitterten Zweikampf – den sogenannten Heads-Up. Staszko liegt lange vorne, obwohl Heinz als Chipleader gestartet war. Dann, nach 6,5 Stunden, der alles entscheidende Zug: Mit Bube Herz und vier Karo kommt der Sieg nach dem längsten Duell in der WSOP-Geschichte. Die angespannte Konzentration löst sich in einem Jubelschrei. Heinz fällt seinen vor Freude kreischenden Fans in die Arme. Ebenfalls in weiße Hoodies gekleidet hatten sie stundenlang mit ihm mitgefiebert.

Bei der Siegerehrung, nimmt Heinz das begehrte goldene Armband – vergleichbar mit dem WM-Pokal beim Fußball – vom Vorjahressieger Jonathan Duhamel entgegen und streckt es in die Höhe. Das Gewinnen ist er so noch nicht gewohnt, das Rampenlicht auch nicht. Heinz ist im Vergleich zu vielen Kollegen ein Anfänger. Erst vor ein paar Jahren hat er mit dem Pokern begonnen – und zwar im Internet. Am Tisch spielt er gar erst seit einem Jahr.

Seit Juli hatten 6865 Poker-Spieler in unzähligen Kartenrunden die Besten ausgespielt. Neun standen am Sonntag im Halbfinale, bei dem sich die drei Finalisten qualifizierten. Schon da war klar: Pius Heinz hatte die besten Karten auf den Thron. Er hatte schon mehr Chips erspielt als seine beiden Gegner zusammen.

Dass es am Ende zu einem nervenaufreibenden Duell kam, macht die Siegerfreude für Heinz nur noch größer. Die Belohnung wird indes pokermäßig cool ausfallen. «Ich werde mir gleich an der Bar mit den anderen Spielern ein gutes Glas Scotch gönnen», sagt der Weltmeister.

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