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Cochem

Erst 1934 endgültig entlastet

Auch noch Jahre nach dem Tod des Betroffenen ließ die Angelegenheit die deutschen Behörden nicht ruhen.

Der Landsknecht: Auch heute noch ein beliebtes Restaurant in Cochem. Am Fenster ist immer noch der Name Paul Nicolay zu finden. Fotos: Junker
Der Landsknecht: Auch heute noch ein beliebtes Restaurant in Cochem. Am Fenster ist immer noch der Name Paul Nicolay zu finden. Fotos: Junker

Von unserem Mitarbeiter Dieter Junker

Am 28. Februar 1934 erhielt die Familie Nicolay ein Schreiben der Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Rheinland, in dem auf eine Mitteilung des preußischen Ministerpräsidenten und des Chefs der Geheimen Staatspolizei vom Februar 1934 verwiesen wurde, wonach durch das Kriegsgerichtsurteil vom August 1914 die völlige Unschuld des Angeklagten einwandfrei festgestellt worden sei und die Familienehre damit in jeder Hinsicht wieder völlig rein dastehe. Und Paul Nicolay selbst?

In einem autobiografischen Bericht, der bereits 1915 in einem von seinem Freund Johannes Lauxenburger veröffentlichten Büchlein erschien, schreibt der Wirt: "Der Landsknecht von Cochem hat am eigenen Leib erfahren, was das traurige Wörtlein ,ehrlos' sagen will und wünscht seinem ärgsten Feind nicht den Fluch dieses Wortes, das ihm tausendfach entgegenhallte in jenen großen Tagen unseres Volkes, da gar mancher Zeitungsschreiber ein Übriges tat und glaubte, der eignen Begeisterung und der nationalen Ehre ein kräftig Schimpfwort auf den Cochemer Landesverräter schuldig zu sein." Er wollte keinen anklagen, doch es sei ihm eine bittere Erkenntnis, "daß irgend ein Lügner und Fälscher, ein Verräter und Scheinfreund ein ganzes treusinniges, wahrheitsliebendes Volk gegen einen bis dahin unbescholtenen Mann aufbringen konnte."

Rhein-Zeitung, 17. Mai 2014

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