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    Bad Ems

    Eine Anekdote aus Bad Ems: Wie der Kaiser einem Soldaten zum Glück verhalf

    Der Deutsch-Französische Krieg und der Personenkult um Kaiser Wilhelm I. prägen die Schlagzeilen der Hunsrücker Zeitung im Jahr 1871. Daran lässt auch ein überschwänglicher Artikel vom 11. August 1871 keinen Zweifel.

    Kaiser Wilhelm I.
    Kaiser Wilhelm I.

    Von unserem Redakteur Maximilian Eckhardt

    Es handelt sich um eine Anekdote, die zu jener Zeit bei den Badegästen in Bad Ems äußerst beliebt war – und den Kaiser als gütigen Mann und Glücksbringer glorifiziert: „Eines Tages begegnet der Kaiser einem verwundeten Soldaten. In gewohnter herzlicher Weise erkundigt sich der Monarch nach dem Ort und den näheren Umständen der Verwundung, worauf der Soldat erzählt, dass er bereits den Feldzug von 1866 mitgemacht und und eine Verwundung in demselben überstanden habe. Im Weiteren fragte der Kaiser scherzend den Mann, ob er auch schon an der Spielbank sein Glück versucht habe. Und da er dies verneinte, beschenkte ihn der huldvolle Monarch mit einer Handvoll Geldstücken, sagte ihm, er solle am Spieltisch einmal auf die Nummern 66 und 71 setzen und entfernte sich, herzlich lächelnd ob des verwunderten Gesichts des Soldaten...“

    Die Nummern 66 und 71 stehen für Jahreszahlen siegreicher Kriege. Einerseits für den Preußisch-Deutschen Krieg (1866), andererseits für den Deutsch-Französischen Krieg (1871). Zurück zur Anekdote: Der verwundete Soldat fasst die Worte des Kaisers offenbar nicht als Scherz, sondern als Befehl auf – man könnte aus heutiger Sicht von blindem Gehorsam sprechen.

    Wörtlich heißt es im Artikel von anno dazumal: „Er marschierte geradezu an den Spieltisch, verlangte die Nummern 66 und 71 zu besetzen, und erklärte, als ihm gesagt wurde, so hoch gingen die Nummern nicht, der Kaiser habe es ihm befohlen. Der Kassierer half sich und meinte 30 und 36 machten ja bekanntlich 66, und 35 und 36 wären ja 71, er möchte nur diese Nummern besetzen. Der Soldat befolgte diesen Rath und hatte das Glück, ansehnlich zu gewinnen, ohne dass er begriff, wie dies zuging, man warf ihm Geldstücke zu, die er einstrich, im Stillen dem Kaiser dankend, der ihm dieses Glück zugewandt. Damit hätte dann die Spielbank auch einmal ein gutes Werk vollbracht.“ Die Hunsrücker Zeitung erklärt: „So lautet die Geschichte. Wir geben sie ohne Bürgschaft für die Wahrheit so wieder, wie sie uns berichtet wurde.

    Rhein-Zeitung, 8. September 2012

    Der Deutsch-Französische Krieg
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