40.000
  • Startseite
  • » Denkmal & Co.
  • » Trierer Forscher für Schum-Städte eingespannt
  • Aus unserem Archiv
    Trier

    Trierer Forscher für Schum-Städte eingespannt

    Man merkt es schon beim Betreten: Die Bibliothek des Arye Maimon-Instituts an der Uni Trier ist eine besondere. Hebräische Bücher reihen sich neben deutsche und englische Werke, Wissenschaftler aus dem In- und Ausland gehen ein und aus.

    Foto: picture alliance

    Von Birgit Reichert

    Seit fast 20 Jahren forschen Historiker hier über die Geschichte der Juden in Mittel- und Westeuropa. Jetzt soll das Institut das Land Rheinland-Pfalz dabei unterstützen, die drei sogenannten Schum-Städte Speyer, Worms und Mainz als Wiege jüdischer Gelehrsamkeit auf die Unesco-Welterbeliste zu bringen. "Ich rechne mir sehr, sehr gute Chancen für den Antrag aus", sagt einer der drei Direktoren des Instituts, Professor Lukas Clemens.

    In den Schum-Städten entstanden heute noch gültige Gesetze

    "Die Schum-Städte sind für das Judentum weltweit von Bedeutung", zeigt sich der Historiker überzeugt. Nicht nur im Mittelalter seien die jüdischen Gelehrten und Talmudschulen in den drei Rheinstädten Vorbilder für jüdische Gemeinden in Mittel- und Nordeuropa gewesen. Die Rechtssatzungen, die Rabbiner auf Versammlungen damals verfassten, seien heute noch gültig, sagt Clemens, der in Trier Mittelalterliche Geschichte lehrt. "Es gibt sie heute bei den aschkenasischen Juden in Israel genauso wie in Amerika." In den Satzungen gehe es oft um Ehe- und Erbschaftsrecht.

    Das Wort Schum leitet sich aus den Anfangsbuchstaben der drei hebräischen Stadtnamen Namen Schpira, Warmaisa, Magenza ab. Bis 2017 oder 2018 wollen die Wissenschaftler schriftliche Überlieferungen zu Schum zusammentragen. Dies sei aber nur eine Säule der Arbeit, sagt Clemens. Besonderes Augenmerk gelte gerade dem materiellen Erbe: Synagogen, rituelle Bäder (Mikwen) in Speyer und Worms, der älteste jüdische Friedhof Europas in Worms und die Judenviertel in Speyer und Worms. "Da kann man noch richtig viel sehen. Das ist auch im weltweiten Vergleich einzigartig."

    Parallel dazu werde geforscht, denn Einiges ist noch verborgen: Etwa wisse man nicht, wie das Judenviertel in Mainz verlief. Und dabei sei Mainz "die Mutterstadt der Schum-Städte". Um neue Erkenntnisse zu gewinnen, sollten archäologische Funde, die noch in Denkmalämtern lagerten, ausgewertet werden. Auch gezielte Forschungsgrabungen seien denkbar, sagt Clemens.

    Die jüdischen Kultbauten, die damals in den Schum-Städten entstanden, seien Vorbild für Bauten in anderen jüdischen Gemeinden gewesen, sagt Clemens. So sei eine neue Bauform einer Synagoge in Speyer aus den 1170er-Jahren später auch in Synagogen in Regensburg, Prag und Wien gefunden worden. Die Schum-Städte zählten im Mittelalter zu den größten und einflussreichsten jüdischen Gemeinden im deutschen Raum.

    Um den Welterbe-Titel auf den Weg zu bringen, hatten die Städte Mainz, Speyer und Worms, das Land und die jüdischen Gemeinden im Juli einen Verein gegründet. Dieser Verein beauftrage das Trierer Institut, den Antrag wissenschaftlich zu untermauern, sagt ein Sprecher des Bildungsministeriums in Mainz.

    "Die Schum-Städte sind ein Schatz, der für die ganze Menschheit aufleben soll", sagt der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, Avadislav Avadiev. Für Juden seien die Orte ohnehin schon von großer Bedeutung. "Sie kommen sogar aus Kanada, um sie zu besuchen", sagt er. Mit dem Welterbe-Titel werde auch daran erinnert, dass die jüdischen Stätten in den Vergangenheit vernichtet wurden. erst während der Kreuzzüge, dann beim Holocaust. Heute zählen die jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz laut Avadiev rund 3650 Mitglieder.

    Ein wissenschaftlicher Beirat ist noch zu gründen

    Für den Unesco-Antrag setzt Professor Clemens auch auf internationale Unterstützung. In einem noch zu berufenden wissenschaftlichen Beirat sollen auch Gelehrte zum aschkenasischen Jugendtum aus Israel und Amerika Platz nehmen. "Wenn da große Namen dabei sind, dann fördert das natürlich so einen Antrag wesentlich." Zudem sind im Vorfeld des Antrags eine Reihe von Symposien und Tagungen geplant.

    Mit dem Wiederaufblühen der jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz werde auch an die Schum-Tradition angeknüpft, sagt Clemens. Daher sei es wichtig, in einem Antrag auch die jüngeren Zeugnisse der jüdischen Kultur einzubeziehen: etwa die neue Synagogen, die 2010 in Mainz und 2011 in Speyer entstanden sind. "Auch sie transportieren das Erbe Schum."

    Pecht-Serie zum Welterbe: Die Chancen unserer Kandidaten
    Denkmal & Co. regional
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
    Claus Ambrosius 

    Leiter Kultur

    Claus Ambrosius

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Anke Mersmann

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Melanie Schröder

     

    Kontakt per Mail

    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!