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Köln

Neue Bilder zum Geburtstag: Gerhard Richter wird in Köln geehrt

Anke Mersmann

Eine Ausstellung zu seinem 85. Geburtstag? Von dieser Anfrage des Museums Ludwig war Gerhard Richter ursprünglich nicht sonderlich angetan. Neue Bilder von ihm sind jetzt aber doch in Köln zu sehen.

Der Maler Gerhard Richter war im vergangenen Jahr sehr produktiv. Er schuf 26 abstrakte Gemälde, die jetzt anlässlich seines Geburtstags im Museum Ludwig in Köln zu sehen sind.
Der Maler Gerhard Richter war im vergangenen Jahr sehr produktiv. Er schuf 26 abstrakte Gemälde, die jetzt anlässlich seines Geburtstags im Museum Ludwig in Köln zu sehen sind.
Foto: dpa

Von unserer Redakteurin Anke Mersmann

Der Maler, der als bedeutendster Künstler der Gegenwart gilt und für dessen Werke zweistellige Millionenbeträge bezahlt werden, ist ein zurückhaltender Mensch. Gerhard Richter, steht nicht gern im Mittelpunkt oder verliert viele Worte, schon gar nicht über seine Bilder. Er malt sie lieber einfach.

Nach wie vor arbeitet der 1932 in Dresden geborene Künstler jeden Tag in seinem Atelier im Kölner Stadtteil Hahnwald. Allein im vergangenen Jahr entstanden dort 26 abstrakte, farbintensive und dynamische Gemälde – und wegen dieser Arbeiten überlegte es sich Gerhard Richter in puncto Ausstellung noch einmal anders. Letztlich bot er sie doch dem Museum an – für eine Werkschau anlässlich seines 85. Geburtstags, den er heute feiert. „Im vergangenen November rief er plötzlich an“, erinnert sich Rita Kersting an den freudigen Moment. Sie leitet das Museum Ludwig stellvertretend, dem Richter schon seit Jahren verbunden ist. „Er sprach von neuen, noch nie gezeigten Arbeiten und erkundigte sich, ob wir sie ausstellen möchten.“ Was für eine Frage!

Beantwortet ist sie mit der schlicht betitelten Werkschau „Neue Bilder“, die von heute an im Museum Ludwig zu sehen ist. Kuratiert von Rita Kersting, sind sämtliche der 26 neuen Gemälde ausgestellt. Ergänzt werden sie um 30 weitere Arbeiten aus der Sammlung des Museums, darunter „Ema“ – die Ikone in Richters Schaffen.

Rita Kersting, stellvertretende Leiterin der Museum Ludwig in Köln
Rita Kersting, stellvertretende Leiterin der Museum Ludwig in Köln
Foto: Anke Mersmann

Wie durch einen Nebel

Malte Richter zu Beginn seiner Karriere zunächst noch nach Bildvorlagen, die er in Zeitschriften fand, markierte „Ema“ eine Wende: Für dieses Bild nutzte Richter erstmals eine eigene Fotografie, sie zeigte seine erste Frau nackt auf einer Treppe. Diesen Akt malte er 1966 mit verschwommenen, schemenhaften Konturen – gesehen wie durch einen Nebel, wie es für so viele seiner Bilder, seien des Landschaften, Porträts oder Stillleben, typisch ist.

Die neuen Arbeiten hingegen sprühen vor Energie, borden fast über an vielschichtig aufgetragenen Farben, die Richter mit Rakeln, Pinseln und Messern verwischte, energisch schmierte oder stellenweise auch wieder fast bis auf die Leinwand abschabte. Das Ergebnis all dieser kleinteiligen Strukturen: Tiefenwirkung im Strudel der Farben.

In wandfüllenden Formaten hat Richter ebenso gearbeitet wie in handlicheren. Im Museum werden sie allesamt auf einer langen Geraden beidseits der Wände präsentiert – das wirkt. Die Energie der Bilder strahlt quasi in den Raum.

Künstler richtete Ausstellung ein

Der Künstler selbst hat die Hängung vorgeschlagen, wie Kuratorin Kersting erzählt. Anhand eines Modells entschied er, wo er welches Bild ausgestellt haben möchte, justierte dann in der Ausstellung nur noch eine Kleinigkeit. Was die Kuratorin besonders freut: Auch die Werke aus der Sammlung des Museums richtete Richter für die Ausstellung ein, aus der sich sein Schaffen und sein Werdegang exemplarisch ablesen lassen. Er griff dafür so gut wie auf das gesamte Konvolut zurück.

Diese Arbeiten werden in benachbarten Sälen zu den neuen Bildern gezeigt. In direkter Blickachse zu den neuen Werken hängt ein Bild, das davon erzählt, dass Richter schon seit Jahren abstrakt, durchaus gestisch und farbintensiv malt. Im Jahr 2008 hatte das Museum seine über Jahre hinweg entstandenen „Abstrakten Bilder“ ausgestellt – das jetzt gezeigte Werk erinnert daran. „Krieg“ (1981) heißt es und ist eines der wenigen abstrakten Gemälde, das überhaupt einen Titel trägt.

Die wegweisende „Ema“ ist in diesem Abschnitt der Werkschau vertreten, ebenso die zweiteilige Spiegel-Arbeit „Zwei Grau“, die Richter dem Museum als Geschenk zu seinem 85. Geburtstag überließ, zudem viele Editionen und, in einem Kabinett, die „48 Portraits“ – schwarz-weiße Gemälde von Denkern und Gelehrten. Diese Werkgruppe hatte er 1972 für den deutschen Pavillon der Venedig Biennale geschaffen – im Museum Ludwig hängt sie in der originalen Anordnung in Überkopfhöhe.

Farbig, mit dem Zufall spielend, wie er es letztlich auch für das Fenster des Kölner Doms getan hat, zeigt sich Richter in „Farbfelder“, für das er 1260 Farben zwar zufällig, aber doch schematisch ordentlich anordnete – ein krasser Gegensatz zu den neuen, energischen Farbstürmen. Auf ihnen liegt klar der Fokus dieser Werkschau, signalisieren diese Bilder doch: Gerhard Richter mag 85 Jahre alt sein, seine Energie und seine künstlerischer Schöpfungswille sind aber ungebrochen.

  • Bis zum 1. Mai. Infos hier.

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