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Koblenz

Nach wie vor ein Publikumsliebling: "Der Gott des Gemetzels" wird im Circus Maximus aufgeführt

Es gibt Bühnenstücke, deren Erfolg auch weit nach deren eigentlicher Blütezeit ungebrochen ist – so wie Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“. Die Komödie bringt die Koblenzer Schauspielschule auf die Bühne.

Einen großen Hype erlebte Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ vor etwa zehn Jahren an den deutschen Bühnen, die Schauspielschule Koblenz zeigt jetzt, dass die französische Komödie noch immer als Zuschauermagnet taugt. Ehemalige Schüler führen das Stück im Circus Maximus auf.
Einen großen Hype erlebte Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ vor etwa zehn Jahren an den deutschen Bühnen, die Schauspielschule Koblenz zeigt jetzt, dass die französische Komödie noch immer als Zuschauermagnet taugt. Ehemalige Schüler führen das Stück im Circus Maximus auf.
Foto: Katharina Obst

Von unserer Redakteurin Melanie Schröder

Erlebte die französische Komödie "Der Gott des Gemetzels" vor etwa zehn Jahren in der deutschen Übersetzung von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel einen enormen Hype an deutschen Bühnen und im Kino durch Roman Polanskis Verfilmung in Starbesetzung, funktioniert das wortwitzige Vier-Personen-Stück auch heute noch als Zuschauermagnet. Den Beweis dafür tritt aktuell die Koblenzer Schauspielschule im Circus Maximus an.

Anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Privatschule initiierte Direktorin Arina Horre Ende Januar mit drei Eigenproduktionen einen Veranstaltungsreigen in der Altstadtkneipe. Die eigentlich letzte Vorstellung sollte am Sonntag mit ehemaligen Schülern über die Bühne gehen, aufgrund der guten Nachfrage wird „Der Gott des Gemetzels“ in der Regie von Horre nun aber auch im März und April noch einmal zu sehen sein.

Arina Horre trifft kluge Auswahl

Mit Rezas 2006 in Zürich uraufgeführtem Werk hat Horre in dreifacher Hinsicht eine kluge Auswahl getroffen. Nicht nur weil „Der Gott des Gemetzels“ erstens wie erwähnt eine meist sichere Bank in Sachen Publikumswirkung ist. Das mag vor allem daran liegen, dass Reza es auf einzigartige Weise versteht Boulevardtheater und Sozialsatire zu verbinden. Eine eigentliche Banalität, eine Prügelei unter Jungs, bildet den Stein des Anstoßes für eine Enthüllungsshow, in deren Folge Etikette und Anstand mit viel Witz erst herausgekotzt und dann im Suff ertränkt werden.

Hinzu kommt zweitens, dass sich die Konzeption des Stücks bestens in die Raumsituation des Circus Maximus integriert. Auf engstem Raum treffen zwei gut situierte Paare zu einer Aussprache zusammen, weil ihre elfjährigen Söhne in einen Streit geraten sind. Es braucht nicht viele Requisiten und schon gar kein Bühnenbild, um diese Handlung vor den Augen der Zuschauer zu entspinnen. Rezas Stück lebt von pointierter Sprache und scharfem Wortwitz sowie der Enge, die die Paare zur Auseinandersetzung zwingt. So passt es, dass für etwa 90 Minuten der Fokus allein auf der kleinen Hauptbühne liegt, die zudem nur mit dem Nötigsten ausgestattet ist.

Spannung zwischen Spielern von Bedeutung

Für die Schauspieler bedeutet diese Ausgangssituation wiederum Trumpf und Hürde zugleich. Denn zum einen können sich die Akteure ohne ablenkendes Beiwerk ganz aufeinander fokussieren und in den zwischenmenschlichen Zerwürfnissen wie Verbrüderungen, die im Laufe der Erzählung herbeigeredet werden, spielerisch aufgehen; zum anderen liegt genau darin die entscheidende Herausforderung: Da ein Rückzug, ein Auf-Distanz-Gehen nicht vorgesehen ist, gewinnt die Spannung zwischen den Spielern umso mehr an Bedeutung.

Rezas Stück, das Horre eins zu eins auf die Bühne überträgt, erleichtert den Schauspielern diese Aufgabe: Die Figuren sind klar gezeichnet, können sich problemlos an dynamischen, emotionalen Höhepunkten entlanghangeln, und solange der verbale Schlagabtausch sitzt, gerät kaum ein Schauspieler in diesem Stück in die Bredouille. Auch in dieser Hinsicht also ein guter Griff durch die Regisseurin und eine Aufgabe, die den vier Ehemaligen der Schauspielschule keine großen Schwierigkeiten bereitet.

Seelenstriptease auf der Bühne

Katharina Obst, die in der Rolle der Véronique zu sehen ist, glückt im Zusammenspiel mit Simon Slomma, der ihren Gatten Michael gibt, der zunehmend schonungslose Seelenstriptease. Obst spielt die unterdrückten Aggressionen mit spitzen Lippen und immer wieder keifendem Tonfall glaubwürdig aus und schafft es bei aller Energie, trotzdem nicht übers Ziel hinauszuschießen und so die Figur der Übermutter, Anstandsdame und auch mal schlagenden Ehefrau zur kompletten Parodie zu formen. Wenn Obst und Slomma interagieren, liefern sie zudem ein augenzwinkerndes Bild einer Ehe zwischen Liebe und Hass ab.

Ihnen stehen Annette (Melina Helms) und Armin (Florian Krüger) gegenüber, die doch wenig miteinander spielen, kaum verschwörerische Blicke austauschen. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Armin viel mehr in einer Beziehung mit seinem Telefon lebt und durch fortwährende Anrufe durch die Bühnenhandlung getrieben wird. In diesen Einzelauftritten scheint sich Krüger besonders wohl zu fühlen. Die Rolle des gewissenlosen Rechtsanwalts, der vermeintlich schon alles gesehen hat und keine Skrupel mehr kennt, scheint er sichtlich zu genießen. Vor allem während dieser Szenen fehlt es jedoch hin und wieder an einem stärkeren Austausch zwischen den drei Verbliebenen auf der Bühne. Statt auf der Ebene der Körpersprache entschuldigende, genervte, verstohlene Blicke auszutauschen, starren diese mitunter wie paralysiert vor sich hin, was Krüger fast etwas zu stark in den Fokus geraten lässt.

Ein Detail, das dem Abend letztlich aber keinen Abbruch tut. Er zeigt ganz klar: „Der Gott des Gemetzels“ funktioniert noch immer; das Publikum amüsiert sich köstlich und verabschiedet die Schauspieler mit Jubelrufen und Applaus.

„Der Gott des Gemetzels“ in der Regie von Arina Horre ist am Sonntag, 26. März, und am Sonntag, 23. April, zu sehen. Das Stück beginnt um 18.30 Uhr.

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