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    Mainz

    "Käthchen" am Staatstheater: Monty Python lässt grüßen

    Das "Käthchen von Heilbronn" von Heinrich von Kleist in unseren Tagen aufzuführen, ist ein Wagnis und gerade für das Anspruchsniveau ans einzige Staatstheater im Land eine große künstlerische Herausforderung. Was die Mainzer daraus machten, beurteilt unser Autor Andreas Pecht.

    Antonia Labs überzeugt als Käthchen und Henner Momann als Graf vom Strahl.
    Antonia Labs überzeugt als Käthchen und Henner Momann als Graf vom Strahl.

    Von unserem Autor Andreas Pecht

    Sie waren, sind und bleiben wohl auf immer sicherste Bank und unverzichtbare Säule des Theaters: die großen Klassiker. Reihum startet die Schauspielsaison 2016/17 mit selbigen - gemäß der Forderung an eine lebendige Bühnenkunst meist in neuartiger Interpretation und Machart. An diesem Wochenende eröffnete Frankfurt mit "Iphigenie", Wiesbaden mit "Egmont", wagte sich Mainz an "Das Käthchen von Heilbronn". Zeitnah folgen zum Spielzeitauftakt in Bonn "Romeo und Julia", in Koblenz wie auch in Köln "Hamlet". Hier nun unser Blick auf das, was in Niklaus Helblings Regie am rheinland-pfälzischen Staatstheater aus dem "Käthchen" geworden ist.

    Sage niemand, es sei eine einfache Aufgabe, Heinrich von Kleists großes historisches Ritterspiel von 1810 heutzutage auf die Bühne zu bringen. Allein die Sprache des Stückes drückt jedes Spiel in die Ecke antiquierter Deklamation, solange die Akteure - wie in Mainz erlebbar - sich einfach ihrem Fluss hingeben. Die sich bedingungs- und besinnungslos an den Grafen vom Strahl kettende und ihm unterwerfende weibliche Titelfigur des Käthchens lässt es fast unmöglich erscheinen, dem Geschehen irgendeine Relevanz für heutige Zuseher abzuringen. Und alles übrige Beiwerk von Liebeshändel über feudale Feindschaften, falsches Edelweib bis zum kaiserlich protegierten Happy End macht eine sinnvolle zeitgemäße Zubereitung auch nicht einfacher.

    Das "Käthchen von Heilbronn" in unseren Tagen aufzuführen, ist deshalb stets ein Wagnis und gerade für das Anspruchsniveau ans einzige Staatstheater im Land eine große künstlerische Herausforderung. An der hat sich Helbling in Mainz nun leider verhoben. Nicht, dass es während des zweieinhalbstündigen Abends keine ansehnlichen Szenen gäbe. Die vielleicht schönste ist die Befragung der unterm Holunderbusch schlafenden und im Traum redenden Käthe durch den Grafen vom Strahl. Auch bietet Alain Rappaports Kulisse aus kleiner beweglicher Guckkastenbühne innerhalb großer Bühne schöne Spielräume und verweist darauf, dass hier nicht Leben, sondern ein fantastisches Spiel zur Aufführung kommt. Gleichwohl wird die Inszenierung selten ihr Grundproblem los: die Unentschlossenheit, ob sie sich mit in den Tiefenschichten des Kleist'schen Stückes angelegten ernsten Fragestellungen auch ernsthaft befassen will. Oder ob sie aus dem historischen Ritterspiel eine Persiflage à la Monty Pythons "Ritter der Kokosnuss" machen soll.

    Ergebnis ist eine überwiegend altbacken überzogene, schier provinzielle Spielweise auf den meisten Positionen: viel Schreierei statt Intensität, krachlederne Kalauerei statt feinem Humor, Gefühlsduseligkeit statt Gefühl. Henner Momann versucht sich als Graf vom Strahl, diesem Sog zeitweise zu entziehen, und gelangt so in einigen Momenten zu einer zwar noch immer recht demonstrativen, aber anrührenden Darstellung innerer Unsicherheit und Zerrissenheit.

    Der wirkliche Lichtblick des Abends ist indes Antonia Labs als Titelfigur. Ihre Ausformung der Käthchen-Rolle bringt dem Zuseher das Nachdenken über das große Geheimnis dieses Stückes zurück. Denn sie liegt dem Grafen nicht in wie behext anhimmelnder Schwärmerei zu Füßen. Vielmehr folgt Labs ungekünstelte Spielweise mit durchaus diesseitiger Resolutheit und mädchenhafter Natürlichkeit dem für ihr Käthchen völlig selbstverständlichen Ziel des eigenen Willens; mag auch die ganze Gesellschaft drumherum darüber den Kopf schütteln. Ihre Triebkraft? Die Liebe - wahrscheinlich.

    • Karten und weitere Infos unter Telefon 06131/285 12 22

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