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    «Wie ein Kurort» – Airport-Anwohner und die Ruhe

    Offenbach/Düsseldorf (dpa) - Die Aschewolke des isländischen Vulkans legt den Luftverkehr lahm, Tausende Flugzeuge bleiben am Boden. Die Anwohner der großen Flughäfen freut's.

    Sperrung des Luftraums
    Alles ist still: Maschinen warten am Rand des Rollfeldes in Frankfurt am Main auf die Freigabe des Luftraumes.

    «Natürlich ist es traurig für die ganzen Menschen, die jetzt nicht fliegen können. Aber für uns Anwohner ist das herrlich, alle atmen auf», sagt Khaled Hussein, der mit seiner Familie direkt in der Einflugschneise des Flughafens Düsseldorf lebt. «Für uns sind diese paar Tage Ruhe wie ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk.» Der 52- Jährige erläutert: «Wir hören auf einmal Dinge, die wir sonst nicht wahrnehmen. Die Vögel zum Beispiel.»

    «Wie ein Kurort.» Das ist das Erste, was Gerhard Grandke im Süden von Offenbach bei Frankfurt am Main einfällt. Der 55-Jährige wohnt schon «lebenslang» in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens.

    «Es ist total ruhig, das fällt wirklich auf», sagt Grandke, der Präsident des Sparkassenverbands Hessen-Thüringen ist. «Einfach herrlich» findet er es, einmal ohne ohrenbetäubenden Lärm auf der Terrasse seines Hauses zu stehen. Er wohnt mit seiner Familie etwa 50 Meter von dem Messpunkt entfernt, an dem die Flughafengesellschaft Fraport regelmäßig den größten Lärm misst.

    Auch Barbara Hofmann ist happy. «Diese Ruhe ist wunderbar. Das könnte immer so sein», sagt die 61-Jährige. Sie wohnt am Ende einer der Start- und Landebahnen des Flughafens Langenhagen bei Hannover. Ihre Mutter Ingeborg Wibranetz (79) ergänzt: «Das sind paradiesische Zustände.»

    Erst Anfang März hat eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes ergeben, dass Fluglärm das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen erhöht - bei Frauen auch das Risiko für Depressionen. Vor allem Nachtfluglärm setze Anwohnern zu, hieß es in der Untersuchung.

    Das Umweltbundesamt erklärt unter Berufung auf repräsentative Studien, dass rund ein Drittel der Bevölkerung über Fluglärm klagt. Fünf Millionen Bürger fühlen sich demnach hochgradig belästigt. Bereits bei Dauerschallpegeln von 65 Dezibel gilt Lärm als gesundheitsschädlich. Beim Start von Düsenmaschinen werden in 100 Metern Entfernung noch 130 Dezibel gemessen.

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